Krumm, schief und außerdem im Weg: Baum soll Bau weichen

Von: Markus Bienwald
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Der vom Betrachter aus gesehen zweite Baum soll weichen. Er stört einen künftigen Grundbesitzer, der an dieser Stelle am „Feldchen“ in Schierwaldenrath ein Mehrfamilienhaus errichten will. Foto: Markus Bienwald

Gangelt. „Mein Freund, der Baum“, hieß es einst in einem Schlager von Alexandra. Und am Ende ist der lange Zeit gewachsene Freund schließlich tot, ein „Haus aus Glas und Stein“ wächst dort. Dieses gesungene Schicksal blüht wohl auch einem Baum, der seit mehr als drei Jahrzehnten an der Straße „Am Feldchen“ in Schierwaldenrath steht.

Erheblich erleichtern

Ruhig und malerisch ist es dort nicht zuletzt gerade dank der Bäume. Ein Grundstücksinteressent hat nun allerdings die Gemeinde Gangelt um Beseitigung eines der Bäume und um Beischnitt des Nachbarbaumes gebeten. „Dies würde mein Bauvorhaben erheblich erleichtern“, begründet der mögliche Investor, der noch nicht Grundstückseigentümer ist, sein Ansinnen.

Beim jetzigen Baumbestand auf besagtem Grundstück würde es wohl mit dem üblichen 16-Meter-Kran mit dem Bau nichts werden, das betonten auch die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses in ihrer Sitzung. „Der Baum ist etwas schief gewachsen“, so Hans Ohlenforst, Ausschussvorsitzender und Ortsvorsteher von Schierwaldenrath. „Das ist der schlechteste Baum in der Straße“, betonte auch Karl-Heinz Milthaler (CDU), doch er will nicht einfach nur einen Baum fällen lassen, weil er beim Bauvorhaben – hier soll wahrscheinlich ein Mehrfamilienhaus errichtet werden – stört.

„Er ist hässlich, er ist der schiefste, aber das ist kein Grund“, schloss Milthaler. Achim Philippen (SPD) hatte kein Problem damit, in diesem Fall einen Baum zu fällen, betonte aber, dass Ersatz her müsse. Heinz-Josef Schlicher von der Interessengemeinschaft (IG) Dorfverschönerung durfte schließlich ausnahmsweise zu Wort kommen, obwohl er nicht dem Ausschuss angehört. Schlicher erläuterte, dass die IG sich zwar sehr ungern von dem Baum trennen würde, das Gewächs aber zur Not weichen könnte.

Einen Beschnitt des anderen, aus Sicht aller wohlgeratenen Baum, wollte er aber keineswegs. Anfreunden konnten sich die Anwesenden schließlich mit dem Vorschlag von Bürgermeister Bernhard Tholen, der einen Wertersatz vorschlug, der dem Wert des Baumes in etwa entspricht, und zu Lasten des künftigen Bauherrn geht. Dessen Vorschlag, als Ausgleich zehn Jungbäume zu stiften, kam nicht zum Tragen. Vielmehr sollte das Geld dann an die IG Dorfverschönerung gehen, die damit etwas für das Dorf tut. Ein „Geschmäckle“, wie es Karl-Heinz Milthaler dieser Vorgehensweise anhaften sah, konnte der Verwaltungschef nicht erkennen. Damit dem Baum, der wohl gefällt werden wird, nicht noch weitere folgen werden, will die Gemeinde noch bis zum 1. November, wenn wieder an Gehölzen geschnitten werden darf, eine Baumschutzsatzung auf den Weg bringen, um eventuellen Fällungen auf Privatgrund ohne vorherige Anmeldung zuvorzukommen.

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