Geilenkirchen - Kritik: 91 Männernamen und keine Straße erinnert an eine Frau

Kritik: 91 Männernamen und keine Straße erinnert an eine Frau

Von: st
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elisabethstraße
Diese Straße sucht man in Geilenkirchen vergebens: 91 Straßen sind nach Personen benannt. Und alle 91 Straßen erinnern jeweils an einen berühmten Mann. Keine Geilenkirchener Straße wurde nach einer Frau benannt. Foto: dpa

Geilenkirchen. Ruth Thelen, Stadtverordnete der Geilenkirchener Grünen, hat sich den Stadtplan genauer angesehen. Dann hat sie gezählt und festgestellt: 91 Geilenkirchener Straßen sind nach Personen benannt. Und alle 91 Straßen erinnern jeweils an einen berühmten Mann. Keine Geilenkirchener Straße wurde nach einer Frau benannt.

Dies merkte Ruth Thelen kritisch an, als es in der Sitzung des Stadtrates am Mittwochabend um die Benennung einer Straße im Geilenkirchener Norden ging.

Dort nämlich wird das vorhandene Wohnviertel Curt-Goetz-Straße, Eduard-Mörike-Straße, Joseph-von-Görres-Straße und Thomas-Mann-Straße bis zur Quimperléstraße erweitert. Für eine neue Erschließungsstraße ist jetzt auch eine Namensgebung erforderlich.

In Anlehnung an das angrenzende Wohngebiet, so die Verwaltung, sei es sinnvoll, auch diese Straße nach einem Dichter oder Schriftsteller zu benennen und schlug „Wilhelm-Raabe-Straße” vor. Der 1831 in Eschershausen geborene deutsche Schriftsteller und bedeutende Vertreter des poetischen Realismus ist bekannt für seine gesellschaftskritischen Erzählungen, Novellen und Romane.

„Straßennamen dürfen keine Quälerei werden. Im Bauausschuss fiel schon einmal der Vorschlag Annette-von-Droste-Hülshoff-Straße”, sagte Bürgermeister Thomas Fiedler. Ruth Thelen schlug vor, die Straße nach Anna Seghers, der am 19. November 1900 in Mainz geborenen deutschen Schriftstellerin jüdischer Abstammung, zu benennen. Bekannt wurde sie unter anderem durch „Das siebte Kreuz”, ein Roman aus Hitlerdeutschland.

Dagegen wandte sich Kurt Sybertz (SPD): „Dieser Punkt ist doch schon im Bauausschuss besprochen worden.” Marlis Tings (CDU) meinte: „Dann nehmen wir das nächste Mal eine Frau.” FDP-Fraktionsvorsitzende Toska Frohn erklärte: „Das nächste Mal sollte die Verwaltung einen Frauen- und einen Männernamen vorschlagen.” „Was spricht dagegen, heute bereits den Antrag von Frau Thelen anzunehmen?”, fragte Barbara Slupik in die Runde.

Bei sechs Ja-Stimmen und fünf Enthaltungen sprach sich die Mehrheit des Rates gegen den Vorschlag von Ruth Thelen aus. Bei fünf Nein-Stimmen und einer Enthaltung stimmte die Mehrheit für Wilhelm-Raabe-Straße.
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