Kriminalstatistik: Auch Schwarzfahrer verderben die Bilanz

Von: Jan Mönch
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Dieter Prosch, Leiter der Direktion Kriminalität bei der Kreispolizei in Heinsberg. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Zu einem gutem Stück sind „Vermögens- und Fälschungsdelikte“ dafür verantwortlich, dass Geilenkirchen und Übach-Palenberg in der Kriminalitätsstatistik innerhalb des Kreisgebiets am schlechtesten abschneiden. Dies geht aus Zahlen hervor, die die Kreispolizei unserer Zeitung vorgelegt hat.

So gab es im Jahr 2016 in Geilenkirchen 644 Delikte, die in diese Kategorie fallen, in Übach-Palenberg 522. Das entspricht jeweils rund einem Viertel aller in den beiden Städten angezeigten Straftaten.

Ende März hatte unsere Zeitung berichtet, dass die beiden Südkreisstädte bei der sogenannten Kriminalitätshäufigkeit, die die Zahl der Straftaten relativ zur Bevölkerungszahl abbildet, am schlechtesten abschneiden: Geilenkirchen lag auf dem unrühmlichen ersten Platz, Übach-Palenberg auf dem zweiten. Diese Nachricht stieß auf recht großes Interesse, zumal Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz bislang nicht erklären konnte, was die Zahlen konkret zu bedeuten haben. Fairerweise muss man allerdings sagen, dass auch diejenigen, die die Zahlen veröffentlichen, dies nicht aus dem Stegreif vermögen. Erst gute zwei Wochen nach der ersten Berichterstattung hatte die Kreispolizei die Daten soweit ausgewertet, dass sie sich im Detail äußern kann.

Fragen und Antworten zu den wichtigsten Punkten.

 

Was genau sind Vermögens- und Fälschungsdelikte?

Eine ganze Reihe an Straftaten, etwa Ebay-Betrug, Unterschlagung oder Urkundenfälschung. In Geilenkirchen kommt es besonders häufig zu sogenannter Beförderungserschleichung, also Schwarzfahren. Fast zwölf Prozent aller 2016 in Geilenkirchen zur Anzeige gebrachten Straftaten kamen so zustande. Das sagt natürlich wenig über die Stadt aus, außer dass es gleich zwei Bahnhöfe gibt. Bei mehr als 41 Prozent aller im Kreisgebiet ertappten Schwarzfahrer wurde in der Anzeige als Ort Geilenkirchen angegeben.

Was Geilenkirchen die Schwarzfahrer sind, sind Übach-Palenberg die Tankbetrüger. 230 Mal suchten Autofahrer nach dem Tanken das Weite, ohne zu bezahlen. Damit ging es bei elf Prozent aller in Übach-Palenberg angezeigten Straftaten um Tankbetrug. Und knapp 43 Prozent der im Kreisgebiet angezeigten Tankbetrüger hatten hier zugeschlagen. Das könnte mit der besonders leicht erreichbaren Grenze zu tun haben, aber auch mit dem Anzeigeverhalten der Tankstelleninhaber.

Was ist mit Gewalt?

In Geilenkirchen und Übach-Palenberg leben jeweils rund zehn Prozent der Bevölkerung des Kreises Heinsberg, folglich müsste jede Deliktart entsprechend häufig vorkommen. Bei Gewaltdelikten trifft dies auf Geilenkirchen auch zu: Im Jahr 2016 gab es 53 Fälle, im ganzen Kreis Heinsberg waren es 503. Schlechter steht Übach-Palenberg mit 74 angezeigten Gewalttaten da (14,7 Prozent). Dieter Prosch, der bei der Kreispolizei die Direktion Kriminalität leitet, sagt aber: „Ein Anteil von bis zu 18 Prozent ist statistisch unauffällig.“

Zur Kategorie „Gewaltkriminalität“ zählen etwa Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Raub oder gefährliche Körperverletzung. Die gute Nachricht ist also, dass diese Delikte, die sich besonders empfindlich auf das allgemeine Sicherheitsempfinden auswirken, keinen sehr großen Anteil an der negativen Gesamtbilanz haben.

Wie sicher sind die Straßen?

Hier steht Geilenkirchen mit einem Anteil von 11,5 Prozent etwas schlechter da als Übach-Palenberg mit 10,3%, beide Städte sind jedoch auch hier unauffällig. Das Wort Straßenkriminalität darf man wörtlich nehmen, es fällt alles darunter, was sich im öffentlichen Raum abspielt. Das bedeutet, dass es eine starke Überschneidung mit der Kategorie „Gewaltkriminalität“gibt. Kommt es auf der Straße etwa zu einer Körperverletzung, geht dies in beide Statistiken ein.

Wo steht mein Auto sicher?

In Geilenkirchen jedenfalls nicht. 20,1 Prozent aller Autodiebstähle im Kreis Heinsberg fanden hier statt, womit Proschs Kriterium der „statistischen Auffälligkeit“ erfüllt ist. Man habe darauf mit einem „Riesenprogramm“ reagiert, sagt er, die Kollegen seien täglich gebrieft worden. Aktuell beobachtet die Polizei – auch seitdem eine abgebrannte Lagerhalle als Versteck enttarnt wurde – ohnehin einen drastischen Rückgang der Autodiebstähle. Prosch: „Ich bin schon gespannt, wie sich das auf die Statistik auswirkt.“

Nur 7,25 Prozent der Autodiebstähle im Kreisgebiet wurden in Übach-Palenberg angezeigt.

Wie sieht es mit Einbrüchen aus? 

Auch hier steht Übach-Palenberg eigentlich relativ gut da. Nur zu 7,3 Prozent aller Wohnungseinbrüche im Kreisgebiet kam es hier. In Geilenkirchen waren es 11,7 Prozent. Schlechter sehen beide Städte aus, wenn man Geschäfte, Büros, Gaststätten und so weiter mit in die Statistik nimmt. Genau 16 Prozent aller angezeigten Delikte fanden in Geilenkirchen statt, 9,3 Prozent in Übach-Palenberg.

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