Kreiswasserwerk ist in Übach-Palenberg aus dem Rennen

Von: st
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Michael Leonards, Geschäftsführer des Kreiswasserwerkes in Wegberg. Foto: Udo Stüßer

Übach-Palenberg. Wer liefert in Zukunft das Wasser für Übach-Palenberg? Diese Frage hat in der Vergangenheit für viel Ärger gesorgt. Zuletzt stimmte der Stadtrat einer Vergleichszahlung an das Kreiswasserwerk zu, mit dem Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU) bereits in Verhandlungen stand. Dann sollte Enwor den Zuschlag bekommen, die Kommunalaufsicht mahnte schließlich eine europaweite Ausschreibung an. Die Abgabefrist für die Angebote ist nun abgelaufen.

Welche Anbieter noch im Rennen seien, wollte Kämmerer Björn Beeck am Freitag nicht beantworten. Überhaupt, wenn es um das Ausschreibungsverfahren der Wasserkonzession gehe, sei er nicht zuständig. Generell seien Fragen an die Verwaltung bitte nur noch schriftlich zu stellen.

Zumindest eins steht fest: Das Kreiswasserwerk, einst Wunschpartner des Bürgermeisters, ist nicht mehr im Rennen. „Wir haben kein Angebot gemacht“, sagt Michael Leonards, Geschäftsführer des Kreiswasserwerkes in Wegberg-Uevekoven. Und Leonards glaubt auch zu wissen, welche Versorger die Übach-Palenberger Konzession für die nächsten Jahrzehnte erwerben wollen. Gelsenwasser, EWV, NEW und Enwor hätten Angebote abgegeben, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Damit hat sich das Kreiswasserwerk nach dreijährigen Verhandlungen aus dem Verfahren zurückgezogen. Leonards begründet diesen Schritt mit der Ausschreibung. Die Stadt Übach-Palenberg habe darin Auswahlkriterien gewählt, die auf Enwor zugeschnitten seien. So habe die Stadt eine Wasserhärte von 3,1 bis 3,9 festgeschrieben. „Diese Festlegung macht technisch, hygienisch und wirtschaftlich keinen Sinn“, erklärt Leonards. Sinn mache diese Forderung nur dann, wenn man wolle, dass Enwor den Zuschlag bekommt. Denn nur Enwor liefere solch weiches Wasser. Für andere Anbieter sei eine Enthärtung mit hohen Kosten verbunden.

Auch die Kosten für das Leitungsnetz seien mit 24 Millionen Euro „unangemessen hoch“ angesetzt. Dieses Netz, das sich im Besitz von Enwor befinde, müsste ein anderer Wasserversorger, sofern er den Zuschlag erhält, kaufen oder mieten, was natürlich den Wasserpreis nach oben schraube.

Der Geschäftsführer des Kreiswasserwerkes erinnert sich an den Anfang der Gespräche mit der Stadt. Der ursprüngliche Gedanke im Jahr 2013 sei gewesen, dass das Kreiswasserwerk und die Stadt Übach-Palenberg gemeinsam ein Tochterunternehmen zur Wasserversorgung der Übach-Palenberger Bürger gründen. Die einkalkulierten Gewinne von jährlich 600.000 bis 700.000 Euro sollte die Stadt Übach-Palenberg alleine einstreichen dürfen und damit das defizitäre Schwimmbad retten.

Wäre nur noch die Frage des Wasserversorgers zu klären gewesen. Hätte das neue Tochterunternehmen das Wasser weiter von Enwor bezogen, hätte kein Gewinn erwirtschaftet werden können. Enwor sei der Stadt und dem Kreiswasserwerk beim mit 24 Millionen Euro veranschlagten Leitungsnetz finanziell nicht entgegengekommen, so Leonards. „Später hat Enwor der Stadt das Netz für zwölf Millionen Euro angeboten, uns hat man dieses Angebot nicht gemacht“, bedauert Leonards.

Eine echte Alternative sah der Kreiswasserwerk-Geschäftsführer in dem – deutlich günstigeren – niederländischen Versorger WML. „Der liefert hervorragendes Wasser in einer Qualität, wie man es nirgendwo im Kreis findet. Der Nachteil ist: Es kommt aus den Niederlanden. Das verbindet man oft mit Gülle.“ Ende 2014 seien die Pläne perfekt gewesen: Technische und finanzielle Fragen waren abgehakt.„Damals hat Bürgermeister Jungnitsch noch sinngemäß gesagt: Wir machen es nur mit dem Kreiswasserwerk. Daraufhin haben wir mit WML Anfang 2015 einen Vertrag zur Konzeptentwicklung abgeschlossen“, erinnert sich Leonards.

Derweil begann in Politik und Bevölkerung eine Diskussion darüber, welches Wasser besser sei. Niemand ahnte, dass der Deal mit dem Kreiswasserwerk eigentlich schon ausgemacht war. „Bürgermeister Jungnitsch hatte keine Power, sich durchzusetzen. Er ist auf Druck der Opposition umgekippt“, sagt Leonards.

Nachdem die Stadt einer Vergleichszahlung an das Kreiswasserwerk bereits zugestimmt hat, gegen die SPD, Grüne und UWG bei der Bezirksregierung Protest eingelegt haben, geht die Wasservergabe nun endgültig ohne das Kreiswasserwerk weiter. „Die Stadt wird alles tun, damit Enwor den Zuschlag erhält, weil Enwor ihr Anteile zugesagt hat“, mutmaßt Leonards.

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