Übach-Palenberg - Kreissparkasse will der Stadt Bürofläche verkaufen

Kreissparkasse will der Stadt Bürofläche verkaufen

Von: Jan Mönch
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Nachbarn sind Sparkasse und Rathaus schon lange, demnächst wohl auch Mieter und Vermieter. Foto: Mönch

Übach-Palenberg. Wer zurzeit in der Sparkassenfiliale am Rathausplatz Geld abheben oder andere Geschäfte erledigen will, der passiert Plastikplanen und Bauzäune. Dass das Gebäude umgebaut wird, ist gut zu erkennen. Weniger offensichtlich ist, dass die Kreissparkasse im Hintergrund versucht, der Stadt einen Teil des Gebäudes zu vermieten – oder lieber noch zu verkaufen.

Der Grund: Die zwei Mitarbeiter des Jugendamts, die zurzeit noch im Sparkassengebäude in Palenberg sitzen, sollen an den Rathausplatz ziehen. Diese Informationen unserer Zeitung bestätigten diese Woche sowohl Stadt als auch Sparkasse.

Zwei Stockwerke tiefer

Die Sparkasse befindet sich in Trägerschaft von Kreis Heinsberg und Stadt Erkelenz, doch auch mit der Stadt Übach-Palenberg gibt es viele Berührungspunkte. Die Sparkassentochter S-Bauland GmbH vermarktet regelmäßig größere Baugebiete für die Stadt, die Sparkasse selbst tritt auch als Sponsor von Veranstaltungen in Erscheinung. Das ist alles ganz normal. Im Übacher Zentrum kommt aber hinzu, dass man auch architektonisch miteinander verwachsen ist: Die Sparkassenfiliale und das Rathaus liegen nicht nur nebeneinander, sondern teils sogar über- und untereinander.

Wenn die Kommunalpolitiker im Großen Sitzungssaal zur Ratssitzung Platz nehmen, gehen die Banker zwei Stockwerke tiefer gerade in den Feierabend. Wenn der eine also mal zu viel Platz hat und der andere zu wenig, muss man eigentlich nicht viel mehr tun als ein paar Wände zu versetzen. Das gilt jedenfalls aus handwerklicher Sicht, um die Unterschrift unter den Kaufvertrag zu setzen, braucht man natürlich noch das Okay der Politik.

Genau daran hakt es bislang. Wie unsere Zeitung herausfand, herrschte in der Politik fraktionsübergreifende Skepsis angesichts des Vorhabens. Die bisherigen Diskussionen fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Politik erfuhr, dass die Sparkasse im Falle eines Kaufs 2000 Euro pro Quadratmeter verlangen würde. Bei zur Diskussion stehenden 240 Quadratmetern wäre man so auf 480.000 Euro gekommen. Das ist viel Geld für eine Stärkungspaktkommune, zumal man in der Verwaltung mit weiteren 200.000 Euro für Umbaumaßnahmen rechnete, die sogar schon im Haushaltsplanentwurf stehen.

Der Erste Beigeordnete Helmut Mainz erklärte unserer Zeitung dazu am Freitag, dass es extrem wichtig sei, das Jugendamt in der Stadt zu halten. Die „schwierigen und umfangreichen Jugendamtsaufgaben“ müssten „auf kurzem Wege vor Ort“ erledigt werden. „Leider gibt es keine Lobby für benachteiligte Kinder und Jugendliche.“ Zusätzlich könnten in den Räumen auch noch „Behördenleistungen für Gehbehinderte, Senioren und Rollstuhlfahrer“ angeboten werden, denn sie seien ebenerdig erreichbar.

Doch offenbar ließ sich der Politik so bislang nicht plausibel machen, dass derart viel Geld in die Hand genommen werden soll, um zwei Mitarbeiter unterzubringen. Zumal ja zuletzt auch die Schulen öffentlichkeitswirksam mehr Geld gefordert haben. Als die CDU diese Woche den Vorschlag unterbreitete, im Haushaltsentwurf eingestellte Beträge von rund 500.000 Euro im Sinne der Schulgebäude „umzuschichten“, war damit offenbar konkret gemeint, dass man auf das Kaufgeschäft mit der Sparkasse verzichten soll. Entschieden ist zwar noch nichts, doch aller Voraussicht nach wird die Politik dem Kauf am Montag in der Ratssitzung einen Riegel vorschieben. Vorläufig jedenfalls.

28.000 Euro Jahresmiete

Stattdessen werden die Räumlichkeiten nun zunächst einmal angemietet, für zehn Euro pro Quadratmeter. Multipliziert mit der Fläche macht das 28.000 Euro für das ganze Jahr. Ursprünglich schwebten der Sparkasse nach Recherchen unserer Zeitung sogar 12,50 Euro pro Quadratmeter vor. Nun bleibt für Rat und Verwaltung Zeit, um sich auf eine langfristige Lösung zu einigen. Vielleicht findet sich in Übach ja brauchbare Fläche zu einem günstigeren Preis.

Sparkasse kündigte Büroflächen in Palenberg

Die beiden Mitarbeiter des Jugendamtes sitzen zurzeit in einem Gebäude der Sparkasse in Palenberg, das sich gleich neben der Filiale in der Kirchstraße befindet. Das ist schon lange so, doch nun wurde der Mietvertrag gekündigt. Das bestätigte die Kreissparkasse diese Woche. Offenbar will man das Gebäude anders nutzen, und die Außenstelle des Kreisjugendamtes stört dabei. So kam die Idee zustande, die Mitarbeiter ins Rathaus zu setzen – wo jedoch kein Platz ist.

Dies könnte den ein oder anderen überraschen, schließlich hat die Stadt in den vergangenen Jahren fast 30 Stellen abgebaut. Dass trotzdem akute Raumnot herrscht, hängt auch mit einem anderen Immobiliengeschäft zusammen: Vor rund drei Jahren hatte die Stadt ihr altes Fraktionsgebäude in Übach an einen Privatmann verpachtet. Die Fraktionen zogen ins Rathaus – und belegen nun den Platz, der im Rahmen des Stärkungspakts durch den Stellenabbau freigeworden ist.

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