Koreanischer Tastenvirtuose William Youn brilliert im Schlosskonzert

Von: Renate Kolodzey
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Äußerst konzentriert bei der Sache: William Youn präsentiert am Flügel unter anderem Schuberts „Frühlingsglaube“ und „Du bist die Ruh“. Foto: Renate Kolodzey
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Auch viele kleine Fans sind mit dabei: Tara Wulff (9), Tindra Wulff (7) und Sontje Rode (9) im Konzertsaal. Foto: Renate Kolodzey

Übach-Palenberg. Das 30. und letzte Konzert in diesem Jahr im Übach-Palenberger Schloss Zweibrüggen unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch war ein besonderes Highlight für die Freunde der schwarz-weißen Tasten, denn kein Geringerer als das Ausnahmetalent William Youn gab sich die Ehre.

Im zarten Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspiel beginnend, debütierte der Elfjährige bereits mit den Philharmonikern seiner Heimatstadt Seoul, ehe ihn die weitere Ausbildung mit 13 Jahren in die USA ans New England Conservatory in Boston und als 18-jähriger an die Musikhochschule Hannover in die legendäre Pianistenklasse von Karl-Heinz Kämmerling führte.

Zu seiner Wahlheimat hat der Kosmopolit seit einigen Jahren München erkoren: „Ich mag die Natur – in Korea gibt es viele Berge, genau wie in der Nähe von München.“ 2011 mit dem Bayerischen Kunstförderpreis geehrt, ist er ebenso mehrfacher Preisträger internationaler Wettbewerbe.

„Momentan spiele ich gerne Mozart“, erklärte er, „aber auch bei Schumann habe ich mich immer wohl gefühlt“, und er gestand: „Das deutsche Publikum mag ich am liebsten, weil es herzlich ist.“ Auf die Frage nach seinen Hobbys plauderte er: „Ich gehe gern ins Kino, liebe Filme, aber auch Serien, von denen ich mir DVDs kaufe. Computerspiele mag ich nicht, es reicht mir, dass ich täglich eine Stunde am PC sitzen muss wegen organisatorischer Aufgaben.“

„Recital“ war der Titel seiner Konzerte am vergangenen Wochenende. Hanns-Paul Jouck erklärte bei der Begrüßung der Gäste, dass er die Vorstellungen wegen der großen Nachfrage auf zwei Tage verteilt habe und betonte die enge Freundschaft, die sich zwischen ihm und dem Pianisten entwickelt habe.

In elegantes Schwarz gekleidet, nahm der 32-jährige Virtuose schwungvoll am Flügel Platz und verzauberte vom ersten Ton an mit Andante grazioso, Menuetto, Trio, Alla Turca: Allegretto aus der Mozart-Sonate A-Dur, KV 331, die wie gebannt lauschenden Musikfreunde: Ungemein zart, träumerisch, ja‚ zum Dahinschmelzen‘, aber auch kraftvoll und dynamisch, mit ausgezeichneter Artikulation und Phrasierung brachte er die einzelnen Sätze zu Gehör. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, und der Künstler ging mit geschlossenen Augen völlig auf in seiner Musik, was die Gäste mit brausendem Applaus entsprechend honorierten.

Ebenso eindringlich präsentierte er Schuberts „Frühlingsglaube“, „Du bist die Ruh“ und „Die Forelle“, in der Bearbeitung von Liszt. Youn ‚streichelte‘ förmlich die Tasten, und alles klang spielerisch leicht, wie es nur bei großen Könnern der Fall ist. Ihm gelang das Kunststück, „Die Forelle“ so zu visualisieren, dass man nicht nur glaubte, sie gemächlich in ruhigem Wasser schwimmen zu sehen, sondern meinte, sogar das Glitzern der Sonnenstrahlen auf den Wellen wahrzunehmen, was der Meister durch besondere Tastenanschläge bewirkte.

Das Liebeslied „Du bist wie eine Blume“ und „Frühlingsnacht“ von Schumann, in der Bearbeitung von Godowsky und Liszt, mit riesengroßer Spielfreude und zum Teil so schnell dargeboten, dass die Finger nur so über die Tasten flogen und man ihnen mit den Augen nicht mehr folgen konnte, waren Youns nächste Meisterstücke. Donnernder Beifall entließ ihn in die Pause.

Ebenso fulminant setzte er danach mit einer Ballade von Brahms, Opus 10, Nr. 1 und 2 sowie Schumanns „Humoreske“, Opus 20 weitere Glanzpunkte: Meist mit geschlossenen Augen spielend, vollkommen vertieft, schien er der Welt entrückt und seine dem Flügel entlockten Töne umschmeichelten ungeheuer feinsinnig, hervorragend akzentuiert, herrlich klar und durchsichtig die Ohren der Schlossbesucher.

Kein Wunder, dass er sich danach erst nach zwei erklatschten Zugaben verabschieden durfte und ihm die Besucher mit Bravo-Rufen ihre begeisterte Anerkennung zollten.

„Youn spielt einen geradezu in Trance“, äußerte sich Britta Wulff aus Geilenkirchen überwältigt, und ihre Kinder Tarja (9) und Tindra (7) sowie Sontje Rode (9) waren sich einig: „Das ist das schönste Konzert, was wir je gehört haben.“

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