Kommentiert: Wenn Bürger ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen

Ein Kommentar von Thorsten Pracht

Die Bahn streikt. In Geilenkirchen lässt das den Verkehr wenigstens für einige Tage flüssiger durch die Innenstadt fließen, denn die Schranken der Bahnübergänge bleiben meistens oben.

Es ist einer der wenigen positiven Nebenaspekte dieses Arbeitskampfes, der längst ein Machtkampf geworden ist. Aus der Ferne betrachtet wird man das Gefühl nicht los, dass den Beteiligten das rechte Maß verloren gegangen ist. Wie gut, dass wir vor unserer Haustür in dieser Woche viele positive Beispiele erleben und in dieser Zeitung beschreiben durften, in denen Menschen eine gute Sache in den Mittelpunkt ihres Tuns stellen. Flüchtlinge sind die Hauptfiguren unserer neuen Serie, konkret gesagt die in der Stadt Geilenkirchen.

In jeder Kommune gibt es sie, meist bleiben sie anonym, und irgendwann sind sie dann auch wieder weg. Wohin sie gehen, welches Schicksal ihnen bevorsteht – diese Fragen bleiben in der Regel unbeantwortet. Mein Kollege Jan Mönch hat in Süggerath erfahren, dass es auch anders geht. Für Freitag Abend hatte der SV Süggerath-Tripsrath zum Fußballturnier eingeladen, am Sonntag wollen die Schützen den Bewohnern des Übergangswohnheims den Martins-Brauch erklären. Kommenden Samstag heißt es dann beim Gegenbesuch „Willkommen am Limitenweg“, dann wollen die Süggerather Bräuche und Kulturen der (noch) Fremden kennenlernen. Die Menschen begegnen sich, sie reden miteinander.

Eigentlich selbstverständlich, speziell im dörflichen Miteinander. Aber gerade weil es im Alltag oft nicht dazu kommt, ist die Süggerather Initiative umso erwähnenswerter. Ein Satz der Geschichte in unserer Zeitung hat mir besonders gut gefallen: „Die Zeit, die die Süggerather und die Flüchtlinge gemeinsam in einem Ort verbringen, soll keiner von beiden Seiten in schlechter Erinnerung bleiben.“ Kein Geschwafel von Integration, es sind einfache Ziele, die mit einfachen Mitteln erreicht werden können. Respekt! Ein einfaches Ziel hat sich auch Sergej Zimmer gesetzt: Er möchte mit seinem Verbrauchermarkt den Menschen in Immendorf die Versorgung erleichtern und selbst davon leben können.

Das ist in einem kleinen Ort so ungewöhnlich, dass der Bürgermeister persönlich zur Eröffnung vorbeischaut. „Eine glückliche Ausnahme“ nennt Thomas Fiedler das neue Geschäft. Diese Aussage unterstreicht, wie dringend wir uns mit der Situation in den kleinen Ortsteilen – egal ob in Übach-Palenberg, Geilenkirchen oder Gangelt – auseinandersetzen müssen. Nahversorgung ist dabei nur ein Aspekt, eng damit zusammen hängt das Thema Leerstand. Womit wir schon bei der Fliegerhorstsiedlung in Teveren wären. Während Bund und Stadt noch ausbaldowern müssen, wem die Kanalisation gehört, haben die Bewohner der alten Häuser längst klare Ziele formuliert.

Sachlich zwar, aber doch bestimmt. Man könne die Pro-bleme nicht mit der Abrissbirne lösen, sagen die Köpfe der Bürgerinitiative. Sie werden mit am Tisch sitzen, wenn es um die Zukunft ihres Lebensraums geht – und das ist gut so!

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