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Kommentiert: Eine Frage des Stils

Ein Kommentar von Jan Mönch

Es braucht nicht viel Fantasie, um darauf zu kommen, wieso die Stadt zum Thema Bücherei nur sehr einsilbige Antworten gab. Die Schließung sollte lautlos vom Stadtrat durchgewunken werden, und da war jede Form von Öffentlichkeit hinderlich. Bürgermeister Jungnitsch hat seinen Willen bekommen. Doch um welchen Preis?

Vielleicht schlimmer als die Schließung ist die Art und Weise, auf die – wieder einmal – Tatsachen geschaffen worden sind. Denn es sagt viel darüber aus, was in Übach-Palenberg zwischen dem Rathaus und den Bürgern schief läuft.

Wenn die Kommunikation dermaßen unterirdisch ausfällt, dass Bürgerinnen wie Maria Röhlen, die ganz bestimmt keine typische Hobby-Querulantin ist, sich hinterher nach Strich und Faden verarscht fühlen, lässt sich das nicht mit dem ewigen Verweis auf die knappe Kasse entschuldigen. Ganz so viele Ehrenamtler gibt es nicht, dass man es sich leisten kann, sie so zu behandeln. Vom Umgang mit den eigenen Angestellten ganz zu schweigen.

Doch auch die Notwendigkeit der Schließung darf man zumindest bezweifeln. 100.000 Euro pro Jahr kostete die Einrichtung, das ist nicht wenig. Aber wird wirklich die komplette Summe eingespart? Die Angestellten müssen ja weiter beschäftigt werden. Und wer sich richtig ärgern möchte, der muss sich nur in Erinnerung rufen, dass der überflüssige Vergleich, den die Stadt aufgrund mit dem Kreiswasserwerk eingehen musste, mal eben 182.000 Euro gekostet hat. Dafür hatte man also Geld übrig.

Betrachtet man verschiedene Entwicklungen nebeneinander, zeigt sich das Werk einer Verwaltung, der jedes Fingerspitzengefühl völlig abgeht. Im Nordosten der Stadt darf Lidl einen ganzen Landstrich in eine Betonwüste verwandeln. Damit die Angestellten ihre Grundsteuer in Übach-Palenberg zahlen, will man im Westen Grünflächen von der Größe eines Dorfes opfern. Und dazwischen wird praktisch im Vorübergehen die Bücherei ausradiert, um ein bisschen zu sparen. Wen interessieren Bildung und Lebensqualität, wenn die Kohle stimmt?

Doch dieses Mal darf man sich wirklich bei der versammelten Mannschaft aus Verwaltung und Politik bedanken. Jahre lang war bekannt, dass die Einrichtung auf der Streichliste steht. Jahre, in denen man etwas hätte bewegen können. Doch erst als es zu spät ist, kommt die SPD auf die Idee, dass es doch irgendwie netter wäre, die Bücherei zu behalten. Man muss ja zumindest versuchen, die CDU alleine im Regen stehen zu lassen.

Zum Schluss noch etwas Tröstliches: In Geilenkirchen wird es weiterhin eine liebevoll und kreativ geführte Bücherei geben. Bestimmt sind auch Leser aus Übach-Palenberg willkommen.

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