Kommentiert: Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

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Kommentiert: Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Ein Kommentar von Thorsten Pracht

Zwischen dem Übach-Palenberger Rathaus und unserer Zeitung herrschte in den vergangenen Wochen ein reger Austausch. Der Erste Beigeordnete Helmut Mainz war – hinter den Kulissen – fleißig bei der Sache, wenn es darum ging, auf unsere Berichte zu reagieren.

Zwei Aufforderungen zur Gegendarstellung, beide von Mainz unterzeichnet, erreichten unsere Redaktion. Im Internet war sogar von einer „Diffamierungskampagne“ unserer Zeitung die Rede. Als trauriger Höhepunkt wurde von führenden CDU-Politikern das Gerücht verbreitet, mein Kollege Jan Mönch sei Mitglied der SPD und seine Berichte politisch motiviert. Immerhin hat sich die CDU-Fraktion inzwischen für diese Falschbehauptung entschuldigt.

In der Tat hat diese Zeitung zuletzt vermehrt kritisch über Themen aus der Übach-Palenberger Lokalpolitik berichtet. Das hat schlicht und einfach damit zu tun, dass einzelne Vertreter der Stadtverwaltung mit ihrem Handeln regelmäßig Anlass zur Kritik geben. Denn häufig fehlt es schlichtweg an Seriosität und Präzision. Als Reaktion auf unsere Berichte mit juristischen Schritten zu drohen und zu versuchen, die Glaubwürdigkeit von Journalisten zu erschüttern, passt ins Bild.

Stattdessen gäbe es so viel zu besprechen: Warum erfahren Ratsleute erst aus dieser Zeitung, dass das Oberverwaltungsgericht Münster den Bebauungsplan zum Einkaufspark Magnus für nichtig erklärt hat? Warum stellt Landrat Stephan Pusch in einem Interview mit unserer Zeitung fest, dass der Rat bei einem so wichtigen Thema wie der Wasserversorgung anscheinend nicht umfassend informiert wurde? Warum wird auf der Internetseite von Hobbyreportern die falsche Behauptung lanciert, unsere Zeitung würde eine Gegendarstellung abdrucken? Woher wussten Dritte überhaupt von der Korrespondenz zwischen Stadt und unserer Zeitung?

„Das haben wir nie gesagt“ oder „Da wurden wir falsch zitiert“ – solche Rechtfertigungen sind natürlich der denkbar einfachste Weg, sich aus der Affäre zu ziehen. Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch und sein Beigeordneter haben sich so auch am Dienstagabend in der Ratssitzung geäußert.

Dabei braucht die Stadt Übach-Palenberg überhaupt keine Juristen, um Einfluss auf unsere Berichterstattung zu nehmen. Ein bisschen mehr Sorgfalt würde schon reichen. Denn wenn Helmut Mainz behauptet, er handle im Auftrag der Politik, fragen wir bei den Fraktionen nach. Und wenn die Stadt einen Prozess verliert, besorgen wir uns die Urteilsbegründung und bitten im Rathaus um Stellungnahme. Sind alle Informationen in Einklang zu bringen – prima. Nur ist genau das in Übach-Palenberg, vorsichtig ausgedrückt, nicht immer der Fall. Medien sind nicht Schuld daran, wenn es diese Unzulänglichkeiten gibt. Wir berichten nur darüber.

Bürgermeister Jungnitsch hat sich in den vergangenen Wochen betont im Hintergrund gehalten, was strategisch nicht falsch ist. Dennoch muss der Verwaltungschef aufpassen, dass sein mutmaßlich engster Mitarbeiter die Glaubwürdigkeit der Stadtverwaltung nicht vollends zerstört. Auch wenn Helmut Mainz der Mann fürs Grobe ist, das Sagen im Rathaus sollte immer noch der Bürgermeister haben. Es wird spannend sein zu beobachten, ob Jungnitsch das Ruder übernimmt. Denn an Streitthemen mangelt es in Übach-Palenberg bekanntlich nicht.

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