Kommentiert: Das leuchtet nicht wirklich ein

Kommentiert: Das leuchtet nicht wirklich ein

Von: Jan Mönch
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weckmja3 12.03.2012 Jan Weck Volontär

Da liegt er nun, der westlichste Grenzstein unserer Republik. Zwischen ein Düsseldorfer OP-Zentrum, das 80 Millionen Euro teurer wurde als geplant, und eine Bielefelder Fachhochschule, die statt 161 Millionen 260 Millionen kosten wird, hat der Bund der Steuerzahler ein Projekt für gerade mal 500.000 Euro in sein Schwarzbuch gekantet. Warum nur?

Die Argumente, die in der berüchtigten Publikation kredenzt werden, wollen jedenfalls nicht recht einleuchten. Da draußen im Westen, wo der Stein liegt, da gebe es ja gar nichts, wird sich mokiert. Dass gerade deshalb etwas hin soll, darauf ist beim Bund der Steuerzahler niemand gekommen. Im Osten, im Süden und im Norden, da gebe es an den jeweiligen Zipfeln ja auch kein vergleichbares Projekt, quengeln die Schwarzbuch-Autoren. Ja, richtig, und in Panama gibt es keinen Bund der Steuerzahler. Was, bitteschön, tut es zur Sache, was es woanders nicht gibt? Ansonsten mischen sich in dem knappen Aufsatz unterschwellige Provinz-Verachtung – und die simplen Fakten: Die Umgebung eines symbolträchtigen Steins, der wenig repräsentativ unter einer Hecke liegt, soll schicker werden.

Grundsätzlich ist es eine gute Sache, wenn der Verein auf Steuerverschwendung aufmerksam macht. So wie damals bei der Klangbrücke, die es bekanntlich ebenfalls zu einem Eintrag im Schwarzbuch brachte und die tatsächlich eine Ohrfeige für jeden war und ist, der diesem Staat in seinem Leben auch nur einen Euro an Steuern gezahlt hat. Und in der Tat steht der Nachweis aus, ob die 500 000 Euro für den Erlebnisraum gut investiertes Geld sind. Eine zweite Eifel wird der Selfkant nicht werden, das wäre für 500 000 auch etwas viel verlangt. Die Vorab-Prügel, die das Projekt nun bezieht, sind trotzdem mindestens verfrüht, wenn nicht unangemessen.

Dass die Medientriebwerke bei jeder Ausgabe des Schwarzbuchs heißlaufen und sich die Geschichten verselbstständigen, ist vom Bund der Steuerzahler gewollt. Es ist der Kern seiner Öffentlichkeitsarbeit. Und wer nun irgendwo auf der Welt „Selfkant“ googelt, der kann nachlesen, was für dämliche Marketing-Ideen dort doch umgesetzt werden.

Es gibt keine schlechte Presse, lautet ein Merksatz aus der Welt des Marketings. Gemeint ist, dass jede Erwähnung in den Medien besser ist als gar keine Aufmerksamkeit. So gesehen hat der Steuerzahlerbund dem Westzipfel sogar einen Gefallen getan.

j.moench@zeitungsverlag-aachen.de

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