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Kommentiert: Darf ich um diesen Eiertanz bitten?

Bevor es Handys gab, schoben sich die Schüler unter den Pulten Zettelchen zu. Darauf stand: „Willst du mit mir gehen?“ Der Adressat konnte dann ankreuzen: Ja, nein, vielleicht. „Vielleicht“ kreuzte man an, wenn man „Nein“ meinte, aber den Absender nicht allzu sehr verletzen wollte.

Was dem Seelenfrieden eines Grundschülers zuträglich sein mag, bewahrt bei der Klärung von Zukunftsfragen nicht vor politischen Flurschäden. Und aus genau diesem Grund endet die Idee der Gesamtschul-Kooperation nun mit reichlich zerschlagenem Geschirr.

Mit irritierten Kommunalpolitikern und mit einer mutmaßlich reichlich vergrätzten Verwaltung in der Nachbarstadt. Der passende Schlusspunkt also für ein Projekt, bei dem es sich von Anfang an um ein großes Missverständnis gehandelt hat. Um einen für alle Beteiligten entnervenden Eiertanz.

Auf der einen Seite stand da die Stadt Baesweiler, die den Nachbarn den legitimen, aber wohl etwas einseitig gedachten Vorschlag einer Dependance der Willy-Brandt-Gesamtschule unterbreitete. Und auf der anderen Seite stand da die Stadt Übach-Palenberg, wo sich über zig Monate niemand fand, der die Sache ausdrücklich für eine gute Idee hielt. In der Politik nicht, an der Schule nicht, in der Gewerkschaft nicht.

Bürgermeister Jungnitsch aber versprach, die Sache gründlich zu prüfen. Mit allen mal zu sprechen. Er kreuzte also „vielleicht“ an. Und schob die Absage, die irgendwann fällig war, schließlich der Politik unter, ohne dass das Thema die politischen Gremien passiert hätte.

Bürgermeister Jungnitsch macht zurzeit Urlaub. Am Dienstag fragten wir bei der Verwaltung nach, ob die Absage auch im Sinne des Chefs gewesen sei. Hier die Antwort in voller Länge: „Herr Bürgermeister Jungnitsch hat immer erklärt, dass die Überlegungen für eine Dependance der Willy-Brandt-Gesamtschule Übach-Palenberg in Baesweiler ergebnisoffen diskutiert werden.

In dem stattgefundenen Abwägungsverfahren wurden in einem beispielhaften Willensbildungsprozess ausführliche und ergebnisoffene Gespräche mit allen Beteiligten geführt. Das war immer die Intention des Bürgermeisters gewesen.“

Anders ausgedrückt: vielleicht.

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