Geilenkirchen - Kom(m)ödchen: Kreativer Spaß gegen die Einfalt der Politik

Kom(m)ödchen: Kreativer Spaß gegen die Einfalt der Politik

Von: mabie
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Beim Gastspiel in der Aula der Geilenkirchener Realschule zeigte das Düsseldorfer Kom(m)ödchen, was wahre Komödianten leisten können. Im Bild die drei Kabarettisten Heiko Seidel, Andrea Vohn und Christian Ehring. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Normale Leute? Blassgraue Figuren? Langweiler? Nicht mit dem Kom(m)ödchen, das drei Tage vor dem Wahlabend aus Düsseldorf den Weg in die Aula der Geilenkirchener Realschule auf sich genommen hatte. Dort zeigten die drei Kabarettisten, wie sich aus einem einfach klingenden Basisgerüst eine perfekt an Zeit und Situation angepasste abendfüllende komödiantische Unterhaltung bauen lässt.

Diese hat gar nichts von TV-Formaten, die oft nur von einzelnen Sprüchen leben. Obwohl sich die Unterhaltungswelt, die vor allem politische Entwicklungen der aktuellsten Sorte im Visier hat, genau im Hintergrund einer fiktiven Fernsehshow abspielt.

Treffliche Charaktere

Die Charaktere dahinter kennzeichneten trefflich das, was sich die brillanten Darsteller unter dem Titel des Abends „Freaks. Eine Abrechnung“ vorstellten. Da gab es zum Beispiel den Showmaster Sammy Boehme (Heiko Seidel). Unsäglich selbstverliebt, platt in Optik und Inhalt, überraschte er selbst sein Team oft mit tiefschürfenden Gedanken wie: „Ich mach‘ was über Griechen und komme heute Abend als Gyros verkleidet, mit einer Zwiebel auf dem Kopf.“

Bei solchen Ideen konnten sich die wahren kreativen Köpfe hinter der Show, Christian (Christian Ehring) und Maud (Andrea Frohn), nur mit Grausen abwenden. Maud, in der Rolle als eine in Cambridge studierte Karrierefrau mit dem treibenden Rhythmus eines Menschen, der nur den Weg nach oben kennt, sezierte dabei messerscharf die aktuelle politische Lage.

Sie fabulierte vom gefeierten Zwei-Prozent-Plus der SPD bei der Bayern-Wahl darüber, dass es einen vergleichbaren Effekt auf den Ausgang der Bundestagswahl hätte, als wenn der Kapitän der Gorch Fock den Föhn laufen ließ, um schneller in der Südsee zu sein.

Christian, Dreh- und Angelpunkt der Show, dachte laut über Kanzlerin Merkel und deren manchmal wankelmütige Entscheidungen nach. Wenn die Kanzlerin für Verkehrsschilder zuständig wäre, könnte man 50 fahren, weil das so ist. Oder auch mal schneller sein, wenn es nötig sei. Eben kein Problem, wie er schulterzuckend „anmerkelte“.

Die FDP muss wohl ziemlich lange mit ihren Wahlplakaten vor den Büros der Kom(m)ödchen-Texter Dietmar Jacobs und Christian Ehring gestanden haben. Denn vor allem die Liberalen bekamen ihr Fett weg. „Wäre die FDP schlau, würde sie sich schnellstens in eine Glaubensgemeinschaft umbenennen: die Liberalisten, die an alles glauben“, sagte Christian.

Aber da sind ja noch Producer Wolfgang (Heiko Seidel) und Praktikantin Vanessa (Andrea Frohn). Ersterer wurde als Kind mal stundenlang wartend vor dem Erdmännchen-Gehege vergessen und zuckt seither in Stresssituationen nur noch piepend vor sich hin. Außerdem wäre der Zwangskreative, der den Job nur ergriffen hat, weil seine Frau ihn in dieser Rolle so interessant fand, sowieso lieber Bäcker geworden.

Vanessa aus Prüm, die selber gerne Heather genannt werden will, um ihre Karriere in Hollywood zu fördern, flirtet lieber mit Sammy, statt Kaffee zu kaufen, und gibt sich als personalisierte Einfalt zu erkennen.

Die drei aus Düsseldorf spielten mit sich, schoben sich die verbalen Bälle in Form eines rollenden grauen Bühnensessels zu, ließen mit einem Putin-Lied auch nicht von der Außenpolitik ab und sorgten mit permanentem Nachschub an allerfeinstem Kabarett für herzhafte Lacher.

Damit setzten sie auch drei Tage vor „der Wahl der Wahlen in Deutschland“ ein echtes Highlight, das so wohltuend anders und entspannend lustig war als viele der aufgesetzt wirkenden Fernsehformate. Für eine solche Leistung, die mit Vielfalt, Musik und spontan eingebauten Reaktionen des Publikums durchweg überzeugte, konnte es nur viel Applaus eines begeisterten Auditoriums geben.

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