„Knigge-Kurs” für Schüler: Krawatte zum Schlabberpulli

Von: Markus Bienwald
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„Benimm-Lehrerin” Monika Sch
„Benimm-Lehrerin” Monika Scherbaum (r.) zeigte den fast erwachsenen Gesamtschülern aus Übach-Palenberg den richtigen Krawattenknoten. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es ist eine Fingerübung, an der selbst gestandene Männer oft verzweifeln: der einfach scheinende, doch nicht einfach zu realisierende Krawattenknoten. Wer jetzt mit dem Hinweis „Das macht meine Frau!” abwinkt oder aber sich den einfach zu befestigenden Clip-Krawatten hingibt, dürfte ein Fall für Monika Scherbaum sein.

Sie führt eine Einrichtung für Kompetenztraining, Seminare und Fortbildungen und ist ein echter Profi, wenn es um das richtige Benehmen in der richtigen Situation geht.

Dagegen scheint das Vorurteil gegen die nachwachsende, fast erwachsene Generation, festzustehen: „Die haben eh kein Benehmen”, heißt es oft.

Wie es geht, auch das mit dem Windsor-Knoten, zeigte Monika Scherbaum jetzt den Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 13 und 18 Jahren an der Willy-Brandt-Gesamtschule. Natürlich trug keiner von ihnen „Businesskleidung”, die morgens ausgewählten Klamotten durften ruhig unter der Überschrift „leger” zusammengefasst werden. Für Monika Scherbaum kein Problem, sie hatte 30 farblich gar nicht abgestimmte Krawatten mitgebracht, um sie den Schülern zum Probieren zu überlassen.

Eine knappe Viertelstunde später, standen die ersten Knoten. Sie passten zwar weder zum Schlabberpulli noch zur Boyfriend-Jeans, doch das war egal. Denn die Schüler hatten ihre ersten Erfolgserlebnisse im gemeinschaftlichen, optischen wie kommunikativen Umgang miteinander.

Beispiele im eigenen Haus

Schulleiter Manfred Ehmig verspricht sich vom „Knigge-Training”, das unter der Überschrift „Achtung Mensch” in Kürze Teil des Schulprogramms werden soll, eine Verbesserung des täglichen Umgangs miteinander. „Bestes Beispiel ist die Situation, dass Schüler im Sekretariat vorsprechen”, erzählt er am Rand des Benimm-Trainings. So komme es vor, dass werder angeklopft noch die Tageszeit gesagt werde, geschweige denn Fragen als höfliche Bitten an die Schulmitarbeiter gestellt würden.

„Nach einer kurzen Testphase wollen wir das Projekt daher in allen Klassen durchführen”, schließt Manfred Ehmig. Ob als Blockkurs oder mehrwöchig eingeschobene Kurse, ließ er noch offen. Den Testschülern schien der Einblick in die Welt des richtigen Benehmens zumindest Spaß zu machen. Denn sie waren mit Eifer dabei, wenn es darum ging, die richtige Bekleidung für den richtigen Anlass zu finden oder sich in Begrüßungsformeln zu üben.

So wird zumindest der kommende Einstieg in die Ausbildungs- und Arbeitswelt nicht mehr vom Problem des „Wie?” beim entscheidenden Vorstellungsgespräch dominiert.
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