Übach-Palenberg - „Klezmer Tunes“: Gefühlvolle Klänge im Schloss

„Klezmer Tunes“: Gefühlvolle Klänge im Schloss

Von: Renate Kolodzey
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Klarinettist Dimitri Schenker, Jazz-Gitarrist Mike Rauss und Violinist Igor Mazritsky (v. l.) rissen die Gäste im Schloss Zweibrüggen zu Begeisterungsstürmen hin. Foto: Kolodzey

Übach-Palenberg. „Wir haben 20 Jahre lang zusammen in einem Kölner Orchester gespielt, haben uns vor drei Jahren wiedergetroffen, und dabei kam uns die Idee, mit Klezmer-Musik aufzutreten“, schildern Klarinettist Dimitri Schenker und Violinist Igor Mazritsky die Entstehung ihres Ensembles.

„Wir wollten jedoch nicht den üblichen volkstümlichen Klezmer spielen – die Basis sollte weltoffene Kammermusik sein.“ Bald fanden sie einen Dritten, der haargenau zu ihren Plänen passte: den Jazz-Gitarristen Mike Rauss. Somit war das Trio „Klezmer Tunes“ geboren.

„Klezmer“ – übersetzt „Gefäß des Liedes“ oder „Musikinstrumente, Musikanten“ – ist eine aus dem aschkenasischen Judentum stammende Volksmusiktradition, die um das 15. Jahrhundert entstand. Seit den 1970er Jahren bezeichnet man damit eine musikalische Stilrichtung.

Die Mitglieder von „Klezmer Tunes“ leben alle in Köln, wurden jedoch nicht dort geboren. Dimitri Schenker stammt aus Moskau und studierte dort, sowie in Düsseldorf, klassische Klarinette. Früher war er außerdem Profisportler im Eiskunstlauf. Igor Mazritskys Wiege stand im ukrainischen Odessa. Er studierte Violine in Moskau und Jerusalem und hat darüber hinaus ein Faible für das Lesen und das Reisen.

Mike Rauss stammt gebürtig aus Haifa in Israel und studierte Jazz-Gitarre erst in Tel Aviv und jetzt in Köln. Er praktiziert Yoga und hat sich hobbymäßig der herausfordernden Aufgabe gestellt, nachts in seinen Träumen das Bewusstsein zu erlangen.

Am vergangenen Sonntag begrüßte Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch die Gäste im ausverkauften Schloss Zweibrüggen zum Konzert des Ensembles. Hanns-Paul Jouck, Vorsitzender der Freunde der Kammermusik, erwähnte, dass er, zusammen mit dem bisherigen Vorstand, am 24. Januar des kommenden Jahres ausscheiden werde. Das neue Team werde dann aus Fritz Knizia, Hermann Basten, Thomas de Jong und Oliver Walther bestehen.

Gleich zum Auftakt zogen die Musiker, das bekannte „Shalom“ („Frieden“) spielend, mit ihren Instrumenten durch den Saal, bis auf die Bühne, wo sie das Lied zudem noch sangen und schon zu Beginn begeisterten Applaus einheimsten. Schenker und Mazritsky, die durch den Abend führten, kündigten den nächsten Titel „Let‘s be happy“ mit den Worten an: „Vor vielen Jahren brannten am 9. November die Synagogen. Folgendes Lied spielen wir nur einmal im Jahr – an diesem Tag!“

Fast unwirklich weiche Klarinettenklänge, gepaart mit sanften, berührenden Geigenstrichen und einer Gitarre, die präzise, feine Akzente setzte, erfüllten nun das Schloss. Mit ihrer Interpretation schienen die Künstler die ganze Traurigkeit eines Volkes ausdrücken zu wollen. Ab der Mitte des Stückes durften die Besucher leise mitsingen und bedankten sich gerührt mit viel Beifall.

„Odoms Nechome“, („Zufriedener Mensch“) hieß die nächste, äußerst lebhafte, Melodie, die in die Beine ging und wiederum die grandiose Virtuosität der Tonkünstler zum Ausdruck brachte. Mit der jiddischen Polka „Di Mechaje“ („Freude“) und „Tates Freilach“, „einem fröhlichen Stück für alle Väter“, dem sich sogleich „Naftules Freilach“, das Pendant für die Mütter, anschloss, zog das Trio erneut alle Register seines Könnens und die Musikfreunde in seinen Bann.

Naftuk Brandwein, einer der bekanntesten jüdischen Klarinettisten, spielte bei seinen Konzerten stets mit dem Rücken zum Publikum, was das Trio augenzwinkernd und in rasantem Tempo nachahmte. Kein Wunder, dass das Schloss am Schluss nach zwei Zugaben von frenetischem Beifall und Bravo-Rufen für die Akteure fast bebte.

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