Kleine Größen sind große Renner beim Kleiderkarussell

Von: Udo Stüßer
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Waltraud Lüttgens (links) berät eine junge Asylbewerberin mit ihrem Kind bei der Auswahl. Wie in einem Warenhaus breitet sie die Kinderkleidung vor der Kundin aus. Fotos (3): Udo Stüßer Foto: Udo Stüßer
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Ute Coenen, Renate Herlein und Gertrud Küsgens (von links) sortieren die Kleidungsstücke ordentlich der Größe nach.
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Hedwig Junge (links) und Heidi Kraut führen die Karteikarten. Jede Ausgabe wird von ihnen fein säuberlich festgehalten.

Geilenkirchen. Die Kellerräume des Realschul-Seitentrakts erinnern an ein gut sortiertes Warenhaus. Damen-, Herren- und Kinderbekleidung hängen fein säuberlich nach Größen sortiert an den Kleiderstangen oder stapeln sich auf den Regalen. Porzellan-Geschirr und Gläser werden auf großen Tischen präsentiert. Aber auch Bettwäsche, Tischdecken und Kinderspielzeug werden angeboten.

Und wer ein Kinderbett oder einen Kinderwagen sucht, ist hier an der richtigen Stelle. Was fehlt, sind einzig und alleine die Preisschilder. Die Waren werden kostenlos abgegeben.

Seit einem Jahr versorgen die hier arbeitenden Ehrenamtler Flüchtlinge aus der Umgebung mit den lebensnotwendigen Dingen. Mehr als 300 Menschen sind hier mittlerweile als Kunden registriert.

„Als vor einem Jahr viele Flüchtlinge nach Geilenkirchen kamen, haben sich bei mir Menschen gemeldet, die etwas abgeben wollten“, blickt der Geilenkirchener Grünen-Parteichef Jürgen Benden zurück. Eine Anlauf- oder gar Sammelstelle gab es zu dem Zeitpunkt nicht. Für das Betreiben einer Sammelstelle brauchte Benden allerdings fleißige Helfer.

Nach einem Aufruf kamen mehr als 50 interessierte Ehrenamtler zu einer Informationsveranstaltung, 35 sind zunächst geblieben. Heute sind es noch 15 Frauen, die Woche für Woche Kleidung und andere Dinge des täglichen Bedarfs entgegennehmen, fein säuberlich einsortieren und die Kunden beraten. Die Kellerräume im Seitentrakt der Realschule hatte die Stadt schnell zur Verfügung gestellt.

Nicht nur Flüchtlinge aus Geilenkirchen erhalten Hilfe, auch Asylbewerber aus Gangelt, Waldfeucht und Übach-Palenberg finden hier eine offene Tür. Eine der Frauen, die von Anfang an dabei ist, ist Heidi Kraut. „Mir geht es gut, und deshalb möchte ich anderen Menschen helfen“, nennt sie einen Grund für ihren Einsatz. Gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Hedwig Junge führt sie die Karteikarten, die für ihre Kunden angelegt werden.

Hier wird jede Ausgabe nach Vorlage des Flüchtlingsausweises fein säuberlich notiert. „Wir führen über die Ausgaben Buch. Wer beispielsweise zwei Winterjacken hat, braucht keine dritte“, sagt Benden. Auch die anderen Bekleidungsstücke wie Hemden, Pullover und Hosen werden in üblichen Mengen ausgegeben. „Anfangs haben sich Flüchtlinge immer neue Sachen geholt, die Hausmeister in den Flüchtlingsunterkünften mussten die Dinge dann entsorgen“, sagt Benden.

Jeden Montag hat das Kleiderkarussell von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Bevor sich die Ausgabe startet, nehmen die Frauen ihre Positionen ein. Die Menge der angebotenen Waren ist mittlerweile so groß, dass man für einzelne Bereiche ein bis zwei Abteilungsleiterinnen einteilen musste. „Manchmal sind 30 bis 40 Leute in den Räumen. Wir begleiten sie bei der Auswahl, sonst haben wir anschließend hier nur noch Chaos“, sagt Heidi Kraut.

Flüchtlinge helfen mit

Die Verständigung mit den Kunden klappt ganz gut, „mit Englisch, Händen und Füßen“, wie es Kraut ausdrückt. Aber da sind auch noch die beiden 17-jährigen syrischen Flüchtlinge Hamza Dbdob und sein Cousin Mohamed Idriss, die seit einem Jahr hier leben und mittlerweile gutes Deutsch sprechen. „Sie sind unsere Goldstücke“, lobt Heidi Kraut ihren Einsatz.

Nicht nur Flüchtlinge begrüßen Benden und seine Helferinnen als Kunden. „Auch Vertreter der Stadtverwaltung holen manchmal Erstausstattungen für Asylbewerber, die sie ansonsten kaufen müssten. So helfen wir der Stadt, Geld zu sparen“, erklärt Benden.

Während sich im hinteren Teil der Kellerräume bereits kartonweise Sommerbekleidung stapelt, suchen die Ehrenamtler immer noch weiter Winterkleidung in allen Größen. Besonders an der kleinen Größe „S“ mangelt es, bei Kleidungsstücken der Größe XXL gibt es kaum Probleme.

„Aber bitte nur saubere Sachen abgeben. Turnschuhe, an denen noch der halbe Sportplatz hängt, brauchen wir wirklich nicht“, bittet Ute Coenen die Spender. Auch sie ist von Anfang an dabei. Weil sie helfen will, und weil es Spaß macht, wie sie sagt.

Jürgen Benden richtet noch einen weiteren Appell an spendenfreudige Menschen. „Bitte die Kleidung montags persönlich abgeben und nicht in Säcken verpackt vor der Türe abstellen. Denn dann ist die Kleidung meist unbrauchbar, und wir bekommen Ärger mit dem Hausmeister.“

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