Kleine Fotografen entdecken die Welt

Von: Anja Klingbeil
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Fotografin Ursula Brunbauer er
Fotografin Ursula Brunbauer erklärt, wie das mit der Digitalkamera so funktioniert: Michelle (10 Jahre) hört ganz aufmerksam zu. Foto: Anja Klingbeil

Geilenkirchen. Ein Klassenfoto gleicht dem anderem: Zwischen 20 und 30 Schülern stehen oder sitzen eng zusammen, lächeln manchmal etwas verkniffen in die Kamera - wenn überhaupt. Die ganze Prozedur dauert eine halbe Ewigkeit.

Immerhin muss der Fotograf dafür Sorge tragen, dass auch jedes Kind wirklich zu sehen ist, und so müssen die anderen ruhig stehen. Wäre es da nicht mal eine Abwechslung ein Klassenfoto im All zu machen? Geht nicht? Doch! Die Schüler der Europa-Grundschule Geilenkirchen machen es vor: Jeder von ihnen steht, sitzt oder tanzt auf einem anderen Planeten. Mit digitaler Fotokunst und einem einfachen Bildbearbeitungsprogramm ist eben alles möglich.

„Kreativ mit Fotoapparat und Computer” ist das vom Land NRW geförderte Projekt überschrieben. Fotografin Ursula Brunbauer, früher selbst an der Europa-Grundschule beschäftigt, hat ein Schuljahr lang mit 43 Mädchen und Jungen aus den dritten und vierten Klassen durch den Sucher der Kamera geschaut. Dabei herausgekommen sind spektakuläre, verdrehte, knallbunte und sehenswerte Bilder - jedes für sich ein kleines Kunstwerk. Besonders sich selber haben die Grundschüler dabei in Szene gesetzt. Anfangs noch etwas steif und zurückhaltend, haben sie am Ende wie die Profis vor und hinter der Kamera posiert.

Bearbeitet haben die Nachwuchsfotografen ihren Werke am PC mit dem kostenlosen Bildprogramm „Gimp”. Besonders Kinder, die motorisch nicht so gut sind, profitieren von der Arbeit am Computer. „Mit einem Bildbearbeitungsprogramm kann man eben Dinge machen, die man beim normalen Zeichnen nicht hinbekommt”, sagt Ursula Brunbauer.

Die Nase verlängern

Motive und Gestaltung lagen frei in der Hand der Grundschüler. Bloß eine Regel gab es: Jeder bearbeitet nur seine eigenen Fotos. Wer sich mit Hilfe der Software eine lange Nase oder sein Gesicht optisch verzerren wollte, konnte und sollte das gerne tun. Doch die Bilder der anderen waren dabei tabu.

Nach einem Jahr sind die Mädchen und Jungen mittlerweile echte Profis geworden. Beim Blick in so manches Magazin oder auf ein Werbeplakat fällt ihnen sofort auf: Da wurde doch am Foto retuschiert, damit das Gesicht noch faltenfreier und der Bauch noch flacher wird.

„Es ist wirklich faszinierend, wie schnell die Kinder lernen, mit dem Computer umzugehen, wie schnell sie die Kamera beherrschen und dabei auch noch kreativ sind”, freut sich Schulleiterin Annette Maxheim. Nicht nur sie hofft, das Projekt fortführen zu können. Auch die Schüler sind Feuer und Flamme - immerhin haben sich viele bereits wieder angemeldet.
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