Geilenkirchen - Klaviersommer: Organisatoren wollen Region etwas zurückgeben

Klaviersommer: Organisatoren wollen Region etwas zurückgeben

Von: Johannes Gottwald
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Will etablierten Musikern ebenso eine Plattform bieten wie talentierten Neulingen: Xin Wang.
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Bezeichnet den Zuspruch aus der Bevölkerung als „hervorragend“: Florian Koltun.

Geilenkirchen. Mit dem „Klaviersommer“ begann Sonntagabend einer der Höhepunkt im Kulturleben der Stadt Geilenkirchen. Im Vorfeld des ersten Konzertes sprach unsere Zeitung mit den beiden Organisatoren Florian Koltun und dessen Frau Xin Wang.

Der „Geilenkirchener Klaviersommer“ hat sich in den letzten vier Jahren geradezu stürmisch entwickelt. Haben Sie eine bestimmte Marketing-Strategie?

Koltun: Wir haben zunächst eng mit dem Kulturamt der Stadt zusammengearbeitet und überlegt, wie so ein Projekt langsam wachsen soll. Zunächst haben wir 2012 mit einem Konzert angefangen, mittlerweile ist eine ganze Woche daraus geworden. Auch die Musikschule und die Schülerbörse werden mit einbezogen. Mit den Sponsoren aus der Geschäftswelt kann meine Frau dann die künstlerische Planung durchführen. Ohne die Stadt und die Sponsoren könnte man so etwas gar nicht auf die Beine stellen. Aus meiner Sicht müssen heute auch die Unternehmen und die Geschäftswelt moralische Zeichen setzen – gerade in einer Zeit, wo überall gekürzt wird.

Wang: Wichtig ist, dass man gleich in den ersten Jahren eines solchen Projekts hohe Qualität anbietet. Deshalb laden wir bewusst die besten Leute ein, die wir bekommen können. Auch dieses Mal handelt es sich um Künstler mit internationalen Auszeichnungen. Zugleich wollen wir aber auch jungen, hochtalentierten Pianisten, die noch nicht so bekannt sind, eine Plattform bieten.

Wie empfinden Sie die Resonanz der Bevölkerung?

Koltun: Der Zuspruch ist hervorragend! Anfangs kamen hauptsächlich Besucher aus der näheren Umgebung, mittlerweile kommen sie aus der ganzen Region, sogar aus Belgien und Holland. Beim Abschlusskonzert 2014 war der Saal Basten geradezu überfüllt. Der Clou der Veranstaltung ist übrigens, dass wir alle Konzerte bei freiem Eintritt anbieten. Wir wollen bewusst nicht nur Kennern und Spezialisten, sondern allen Leuten Zugang zur Kunst vermitteln.

Es soll auch wieder ein Wettbewerb stattfinden. Aus welchen Ländern kommen die Bewerber und welche Fähigkeiten bringen sie mit?

Wang: Wir hatten diesmal etwa 120 Bewerber aus 35 Ländern. 2014 waren es nur 35. Deshalb mussten wir sogar leider wieder einige ausladen, da nicht alle berücksichtigt werden konnten. Viele von den Angemeldeten haben schon vorher Wettbewerbe gewonnen. Wir möchten allerdings nicht in erster Linie mit Geldpreisen locken, sondern mit langfristiger Förderung. Es soll kein kommerzieller Wettbewerb sein, viel wichtiger sind Kontakt und Begegnung der jungen Künstler untereinander.

Bei DSDS und anderen Fernseh-Casting-Shows wird oft behauptet, dass die Bestplatzierten gute Chancen auf eine Karriere haben. Trifft das auch auf Klavierwettbewerbe zu?

Koltun: Nicht der Erstplatzierte muss zwangsläufig Karriere machen. Ohnehin ist Karriere nicht immer gut – man kann dabei sehr schnell abhängig werden von Medien, Agenturen und Managern. Viel wichtiger ist, dass man seine Kunst ausüben kann. Die Musiker sollen sich bei einem Wettbewerb präsentieren können, damit sie in ihrem Umfeld bekannt werden, Anerkennung finden und durch ihre Tätigkeit den Menschen die Kunst nahe bringen.

Im Rahmen des Klaviersommers findet auch ein Meisterkurs statt. Was wird den Teilnehmern dabei vermittelt?

Wang: Viele Teilnehmer kommen aus China. Dort werden die Musikstudenten noch vielfach einseitig auf technisches Können getrimmt, erfahren aber viel zu wenig über die Komponisten und deren Zeit. Bei diesen Kursen können sie vieles über den geschichtlichen Hintergrund großer Werke erfahren und zudem an historische Spielweisen herangeführt werden.

Das erste und das letzte Konzert finden diesmal in der Sparkassenfiliale statt. Ist dort die Akustik besser, oder kann man mehr Zuhörer unterbringen als im Haus Basten?

Koltun: Von beidem etwas. Vor allem aber gehört die Sparkasse Heinsberg auch zu unseren Sponsoren, die wir binden wollen. Aber wir haben auch noch andere Veranstaltungsorte im Stadtgebiet ausgewählt. Zum Beispiel findet der Klavierwettbewerb in der Aula der Realschule statt. Dort ist ebenfalls sehr viel Platz für das interessierte Publikum.

Wie sehen Ihre Planungen für die Zukunft aus?

Koltun: Der Klaviersommer soll auch weiterhin jährlich stattfinden und eine Woche dauern. Ich stamme aus dieser Region, meine Frau hat in Aachen studiert und wir möchten dieser Region, die uns so viel gegeben hat, auch wieder einiges zurückgeben. Die Euregio ist aus meiner Sicht einzigartig und wir haben hier eine sehr kulturinteressierte Gesellschaft. Es wäre schön, wenn der Klaviersommer auch in späterer Zeit weitergeführt wird, wenn wir woanders berufstätig sind.

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