Klassische Musikstücke mit einer Portion Humor

Von: Renate Kolodzey
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Humorvolle Darbietung: Das Uwaga!-Quartett mit Matthias Hacker am Kontrabass, Miroslav Nisic am Akkordeon, Christoph König an der Violine und Maurice Maurer, ebenfalls an der Violine, (v.l.n.r.) wussten das Publikum musikalisch und mit Witz zu begeistern. Foto: R. Kolodzey

Übach-Palenberg. „Uwaga!“ – ungewöhnlich wie die Musik der vier ist auch der Name des quirligen Quartetts. „Auf die Idee, uns so zu nennen, sind wir in Polen gekommen, denn dort steht das an jeder Baustelle als Warnung und bedeutet: Achtung!

Uns hat das gefallen, und wir dachten, wenn wir demnächst in Polen spielen, brauchen wir uns da nicht mehr extra mit Plakaten anzukündigen!“, flachst Musiker Maurice Maurer auf der Bühne. Mit jeder Menge Humor führten die Vollblutmusiker durch ihr Programm beim Konzert im Schloss Zweibrüggen.

Angefangen hatte alles in Kindertagen: Christoph König (38) entdeckte bereits mit fünf Jahren seine Liebe zum Geigenspiel, und bei Maurice Maurer (36) soll gar das erste Wort, das er sprach, Geige gewesen sein. Miroslav Nisic (23) aus Serbien war bereits mit neun Jahren vom Akkordeon fasziniert, und Matthias Hacker (36) wurde als Zwölfjähriger in den Bann des Kontrabasses gezogen.

Kennengelernt hatten sich König und Maurer an der Uni Dortmund beim klassischen Violinstudium. 2007 gründeten sie ein Trio mit dem Akkordeonspieler Nisic, später kam Bassist Hacker hinzu. Alle vier sind studierte Musiker.

Nisic macht in Serbien derzeit noch einen Abschluss an der Folkwang-Uni in Essen. Jeder Einzelne hat Preise errungen und sich in Soloprojekten einen Namen gemacht. Zusammen haben sie CDs veröffentlicht, auch mit berühmten Orchestern, und treten weltweit auf, beispielsweise in St. Petersburg, Shanghai oder Südkorea. Allein im vergangenen Jahr hatten die vier Musiker 77 Auftritte in Europa.

Nun führte ihr Weg sie nachÜbach-Palenberg, wo Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch sie und das Publikum sowie die Ehrengäste General Karsten Stoye und Gisela Engeln-Müllges im Schloss Zweibrüggen empfing. Hanns-Paul Jouck freute sich, dass die Künstler vor ausverkauftem Haus spielen würden, hob die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule hervor, für die Fachbereichsleiter Ingo Rümke vor Ort war, und hieß die Zuschauer, unter ihnen Jürgen Pallaske, Schulleiter des Gymnasiums St. Ursula, willkommen.

Die Instrumentalisten konnten es kaum erwarten, auf die Bühne zu sprinten, und König kündigte Mozarts Violinsonate in E-Moll mit den Worten an: „Unser erstes Stück wurde arrangiert von Maurice Maurer in Castrop-Rauxel.“ Er fügte augenzwinkernd hinzu: „Mit Doppelnamen kennen Sie sich ja aus!“ Die Gäste lachten, und die vier gaben impulsiv, mit Fingerfertigkeit und Spielfreude einen Einblick in ihre Können.

Dabei zogen sie das Publikum mit fremden, lebhaften, aber auch mit ruhigen, sanfteren Melodien in ihren Bann. Über den folgenden Titel, „Pomp and Circumstance, March No. 1“ von E. Elgar, ebenfalls arrangiert von Maurice Maurer, berichteten die Musiker, dass sie ihn einmal bei einem Konzert auf ihre Art gespielt hätten, so wie sie ihn auch diesmal spielen würden.

Ein Gast habe daraufhin gelästert wie furchtbar das sei, doch eine Dame habe geantwortet, dass dieses Stück nur so wie sie es spielen zu ertragen sei. Damit forderte das Quartett das Publikum geradezu auf, sich selbst ein Urteil zu bilden. Die beiden Violinisten wetteiferten in wilden Streicherkaskaden, wobei Maurer nicht zögerte, seine Violine teils mit dem Daumen zu bearbeiten und König seine Geige sogar mit der ganzen Handfläche traktierte.

Nisics Finger flogen dazu rhythmisch über die Tasten und Hacker entlockte seinem riesigen Instrument intensive Töne. Dem frenetischen Applaus nach zu urteilen, waren die Schlossbesucher von der Interpretation restlos begeistert.

Egal, welches Stück die Künstler präsentierten: Eigenkompositionen, Arrangements oder Klassik-Adaptionen – alle trugen unverkennbar ihre Handschrift und verschmolzen zwischen Klassik, Jazz, Gipsy, Pop, Fiddlemusik und spanischen Rhythmen. So hatten die Besucher Bach, Grieg, Mozart, Sibelius oder Tschaikowsky noch nie gehört. Jede Menge Spaß an der Musik war zudem durch die Improvisationslust des Quartetts vorprogrammiert.

Ein prickelndes Konzert und Musiker in Höchstform – kein Wunder, dass sich die Akteure erst nach zwei Zugaben und mehr als drei Stunden von der Bühne stehlen durften. Besucherin Gisela Engeln-Müllges aus Aachen fasste in Worte, was wohl viele dachten: „Ein überwältigendes Konzert mit Witzbolden, die sich gegenseitig musikalisch und verbal auf den Arm nehmen und so unglaubliche Höhepunkte schaffen!“

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