Klangbrücke: Sachverständiger soll bauliche Mängel klären

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:
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Bauliche Mängel an der Klangbrücke verzögern deren Freigabe. Die Brücke ist nach Angaben des Bürgermeisters „nicht verkehrssicher”.

Übach-Palenberg. Es sollte das Highlight der Euregionalen 2008 werden. Die Klangbrücke, jene Konstruktion, die den Dohmen-Park mit dem Naherholungsgebiet verbinden soll, ist mittlerweile eine Geschichte voller Pleiten, Pech und Pannen.

Noch im Dezember 2008 hatte Bürgermeister Paul Schmitz-Kröll hoffnungsvoll verkündet, im Februar/März 2009 sei die Brücke fertiggestellt. Daraus wurde bekanntlich nichts. Und nun steht fest, dass auch die - verspätete - Eröffnung des euregionalen Prachtstücks im Übach-Palenberger Wurmtal am 28. Juni nicht zu halten ist. Der Grund: Vor der Abnahme des Bauwerks sind gravierende bauliche Mängel festgestellt worden.

Interfraktionelle Ortsbegehung

Bei einer Ortsbegehung hatten Bürgermeister Paul Schmitz-Kröll, Volker Schlüter, Beigeordneter für Planen und Bauen, sowie die Fraktionsspitzen das Malheur in Augenschein genommen. „Ich war heftig enttäuscht, sogar geschockt”, gab der Bürgermeister das Gesehene vor dem Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag wieder. Die Arbeiten seien technisch schlecht ausgeführt, eine Abnahme des Bauwerks sei nicht möglich.

Die Brücke sei schlichtweg nicht verkehrssicher. Auf Anfrage dieser Zeitung konkretisierte der Bürgermeister die Mängel: Das verwendete Lärchenholz, immerhin auf einer Länge von rund 130 Metern, sei als Bohlenbelag offensichtlich ungeeignet und zeige bereits erste Verschleißerscheinungen. Zudem seien Klang-Plättchen an einigen Stellen zu niedrig angebracht worden, so dass sich Passanten eventuell an den messerscharfen Metallkanten verletzen könnten.

„Nichts ist mit dem Paukenschlag, mit dem wir die Klangbrücke in einigen Tagen für die Öffentlichkeit präsentieren wollten”, musste der Bürgermeister im Ausschuss einräumen. Die Eröffnung wird „um unbestimmte Zeit” verschoben werden müssen.

Unterdessen, so steht zu befürchten, werden sich die Baubeteiligten, das niederländische Architektenbüro, die ausführende Firma und die Stadt um die Schuldfrage, die Verantwortung streiten. Und die möchte Bürgermeister Schmitz-Kröll, auf Vorschlag des zuständigen Baudezernenten Schlüter, durch einen unabhängigen Sachverständigen klären lassen. „Das ist ein Fall von Gewährleistung, in mehrfacher Hinsicht”, betonte er.

Schmitz-Kröll zeigte sein Unverständnis über die Tatsache, dass „die Brücke erst fertiggestellt sein muss, bis man feststellt, dass da Murks gebaut wurde”.

Zu den Fragen aus der Ausschussrunde, wie es um die Finanzierung der Brücke stehe, ob bereits Zahlungen der Stadt an die bauausführende Firma geflossen seien und ob es bereits euregionale Fördergelder gegeben habe, wollte sich der Bürgermeister am Dienstag nicht äußern: „Zu den Details kann ich nichts sagen. Das war und ist Chefsache des Baudezernenten Schlüter. Der ist aber in Urlaub, danach erst werde ich einen genauen Bericht von ihm erhalten.”

60 statt 100 Tonnen Stahl

Festzustellen bleibt: Die erhofften Wohlklänge, die von dem Kunstwerk im Wurmtal ausgehen sollen, blieben bislang aus, stattdessen gab es Dissonanzen: Im Sommer 2008 musste der Stahl-Koloss wegen der rasant gestiegenen Stahl-Preise deutlich Material lassen: statt der ursprünglich geplanten 100 wurden 60 Tonnen verbaut; damit ging die ursprünglich schlanke und ausgedehntere Form der Brücke verloren.

Ungemach kommt auch von den Anwohnern, sie wehren sich gegen das Kunstwerk, weil sie Emissionen befürchten; daraufhin wurden die Klangelemente von 3000 auf 150 ausgedünnt. Auch ästhetisch passt den Kritikern „das Monster” nicht ins Landschaftsbild.

Selbst Stadtverordnete kommen inzwischen beim Anblick des abgesteckten (fast) fertigen Klangbrücke ins Grübeln. Einer bringt es auf den Nenner: „So haben wir uns das nicht vorgestellt.”
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