Klangbrücke ist jetzt ein Fall für den Bundesgerichtshof

Von: Wilfried Rhein
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Eine außergewöhnliche Verbin
Eine außergewöhnliche Verbindung zwischen dem Naherholungsgebiet Übach-Palenbergs und dem Dohmenpark jenseits der Wurmtalstraße ist diese Brücke. Als „Klangbrücke” konzipiert, mussten aber - auch aus Gründen der Sicherheit - die Blechelemente entfernt werden. Foto: Georg Schmitz

Übach-Palenberg. Klingendes Spiel sollte die Besucher über die Brücke begleiten, die sich zwischen dem Naherholungsgebiet Wurmtal und der bunten Oase Dohmenpark spannt. Ein besonderes Bauwerk über die von viel Grün eingefasste Wurmtalstraße zwischen Zweibrüggen und den Ausläufern Frelenbergs - die „Klangbrücke”.

In sanften Bögen hoch zum Scheitelpunkt, gerahmt von gebogenem Metall und stählernen Seilen, an denen 3150 Blechteile unterschiedlicher Größe sanftes Läuten und Schwingen produzieren sollten. So weit der Plan. Die Realität heute: ein tonloser Fußweg wie durch das Skelett eines Riesenwals. Weder Planer noch Befürworter in der Politik haben je einen solchen Zustand als möglich erachtet. Aber es hat Probleme gegeben.

„Erhebliche Probleme”, sagt Hans-Peter Gatzen, „bis hin zu den Gerichten. Und der Fall ist immer noch offen.” Der Dezernent für Planen, Bauen und Wirtschaftsförderung sowie Horst Tacken (Hoch- und Tiefbau) und Helmut Mainz (Stadtentwicklung), seine Fachkollegen aus der Übach-Palenberger Stadtverwaltung, kennen die Chronologie der Klangbrücke bis ins Detail.

Begonnen in der Zeit, als aus dem Landesprojekt „Regionale 2008” aufgrund der grenzüberschreitenden Beteiligung die „EuRegionale” wurde, also Ende des Jahres 2001, fasste der Rat der Stadt Übach-Palenberg am 10. September 2002 des Basisbeschluss zur Teilnahme an dieser Landesausschreibung. Ein halbes Jahr später kam es zu einem gemeinsamen Projektvorschlag, dem „Profil 21”, der Kommunen Herzogenrath und Übach-Palenberg auf deutscher, Landgraaf und Kerkrade auf niederländischer Seite (HÜLK).

Zur Debatte standen da noch 20 Einzelvorhaben von rund 200 gesammelten Vorschlägen. Das Unterfangen sollte schärfere Konturen bekommen und sich als „Naturerlebnis Wurmtal” etablieren, beschloss der Stadtrat am 13. Juli 2004. Rund ein Jahr später wurde der Plan unter dem Begriff „Grenzland Wurmtal” zertifiziert, das Land NRW vergab ein dafür ein so genanntes „Label”. Und Minister Oliver Wittke brachte es persönlich vorbei, wenn auch zentral nach Herzogenrath.

Nächste Stufe war im August 2006 ein Rahmenantrag an die Aufsicht führende Bezirksregierung in Köln. Die Übach-Palenberger Liste beinhaltete unter anderem die Beleuchtung des alten Gruben-Wasserturms, Öffnung des Schlosses Zweibrüggen, der Brückenschlag Rimburg und Zweibrüggen, eine „Bed&Bike-Station”, die Biotopvernetzung Frelenberg-Süd sowie ein Wohnmobilstellplatz.

Die letztgenannten drei Antragsteile wurden verworfen; hinzu kamen aber eine Dachterrasse im Naherholungsgebiet, ein Mehrgenerationenspielplatz sowie ein Römerfest. Ein früherer Plan der Stadt Übach-Palenberg, eine „Erlebnishalde Carolus Magnus” herzustellen, scheiterte an den Grundstückspreisen, die der Eigentümer vorgab.

Das Stichwort Klangbrücke fiel im Zusammenhang mit dem Wettbewerb „Brückenschlag”, der für neun Standorte zwischen Aachen/Würselen („Wolfsfurth”) und Übach-Palenberg ausgeschrieben war. Im Fachausschuss der Stadt sagte die Politik dazu Ja, Vorschläge wurden in einer Jury geprüft, für Rimburg und Zweibrüggen gab es eine Empfehlung für die Vorschläge der Planergemeinschaften Nox/DS beziehungsweise der Landschaftsarchitekten/Stephan Sous.

Die Projekte Klangbrücke und Schildkrötenbrücke waren geboren. Es folgten die Erläuterungen in Fachgremien und im Rat, der am 14. August 2007 den Förderantrag beschloss. Es dauerte nicht lange bis zur Bewilligung von 657.000 Euro aus der Gesamtsumme in Höhe von 822.000 Euro für beide Brücken. Im Frühjahr 2008 folgte die Ausschreibung für die Klangbrücke.

Einschließlich der Kosten für den Bau, die Planung, die Statik, den Grunderwerb, den Parkplatz und diverser Gutachten kletterten die Ausgaben bis zum September 2008 auf 1.125.831 Euro für die Klangbrücke. Rund drei Monate zuvor hatte der Stadtrat - einstimmig mit Ausnahme der UWG - in seinem Vergabebeschluss die Verwaltung beauftragt, „im weiteren Bearbeitungsverfahren Einsparungen vorzunehmen”.

Es kam noch anders. Die „Klänge” von der Klangbrücke entsprachen in ihrer Lautstärke nicht dem Richtwert von maximal 39 Dezibel (dB), der nachts eingehalten werden muss. Das ergab ein Schallschutzgutachten. Folge im März 2009: Die Klangelemente mussten bis auf 60 Stück abgebaut werden. Im Monat darauf wurde festgestellt, dass sich der Belag des Fußwegs, aus Lärchenholz gefertigt, verformt hatte. „Wir wissen nicht, ob die Ursache dafür in der jahreszeitlich bedingten Witterung lag oder im Lagerzustand des verbauten Holzes”, sagt im Rückblick Projektbegleiter Horst Tacken. Im September jedenfalls wurde vom Hersteller der Holzbelag auf drei Schienen fixiert.

Im November 2009 der nächste Rückschlag. Einige der Windspiele hatten sich aufgrund der Luftbewegungen verbogen. Bei kräftigen Böen fielen sie zu Boden, da die Befestigungsschrauben brachen; die 30, 60 und 120 Zentimeter langen Bleche sind rund ein Millimeter stark. Nach einem Gutachten ließ die Stadt Übach-Palenberg im Januar 2010 alle Windspiele von der Brücke abnehmen.

Der Technische Überwachungsverein (TÜV) Rheinland unternahm im Oktober 2010 eine „Verkehrssicherheitsprüfung”. In der Konsequenz wurden die Geländerseile verstärkt. Und die Stadtverwaltung ließ, auch im März 2011, an den Rändern der Bodenhölzer so genannte Radabweiser montieren. „Das ist keine TÜV-Norm gewesen. Aber wir haben das als Sicherheitsmerkmal erkannt”, erklärt Helmut Mainz. Die Stadt zahlte dafür rund 48.000 Euro.

Nach einem weiteren Gutachten wurde die Klangbrücke im Mai 2011 für die Nutzung freigegeben. Seit dieser Zeit ist keine Veränderung an dem Bauwerk vorgenommen worden. „Das muss so sein wegen der Beweissicherung”, erläutert Dezernent Hans-Peter Gatzen. Im Übrigen wird die Anlage per Video überwacht. Die Stadt wartet nun auf die rechtliche Klärung des Sachverhalts - und ihrer Ersatzansprüche.

Denn es gibt Streit über die Höhe der Rechnung des Hauptherstellers der Brücke. Die Stadt hatte eine Mängelrüge ausgesprochen und einen Teilbetrag der Rechnungssumme einbehalten. Dagegen wird geklagt. Das Oberlandesgericht Köln versuchte im Fall zu moderieren. Anhängig ist das Verfahren jetzt beim Bundesgerichtshof. „Wir müssen einfach abwarten”, sagt Hans-Peter Gatzen. So lange bleibt es bei einem Unikat, auch ohne klingendes Spiel.
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