Klangbrücke gesperrt: Probleme reißen nicht ab

Von: Markus Bienwald
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Da machte das Objekt noch etwas her: Diese Aufnahme von 2009 zeigt die Krangbrücke samt ihrer Windspiele. Foto: Markus Bienwald
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Warnschilder fehlen, doch die Absperrung macht klar, dass die Brücke derzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt bleiben muss.

Übach-Palenberg. Sie sollte das Highlight der Euregionalen 2008 für die ehemalige Zechengemeinde werden: Die Klangbrücke zwischen der Fortsetzung des Naherholungsgebietes Wurmtal und dem Willy-Dohmen-Park.

Doch sie hat sich in kürzester Zeit zu einem Ärgernis für fast alle Würdenträger und Menschen in der Stadt entwickelt. Da wurden in der Planungsphase durch gestiegene Stahlpreise die einst angedachten 100 Tonnen Stahl auf 60 reduziert, da waren einmal 2500 Windspiele geplant und da wurde die einst als gewobener Kokon geplante Ausführung so weit reduziert und heruntergerechnet, dass von den ersten Planungen beinahe nur der Ursprungsgedanke, also die Brücke selbst, übrigblieb. Windspiele gibt es nur eine Handvoll.

Und als sei die durch Kostensteigerungen notwendigen Einsparmaßnahmen letztlich doch andere Ausgestaltung nicht genug, so ist die Brücke durch bauliche Mängel derzeit noch nicht einmal in ihrer grundlegendsten Funktion als Verbindung zwischen zwei Punkten nutzbar. „Bei der letzten Brückenprüfung wurden Mängel an mehreren Bauteilen der Klangbrücke festgestellt“, so die Stadtverwaltung in einer schriftlichen Stellungnahme. „In der Folge wurde die Brücke bis auf Weiteres aus statischen Gründen gesperrt“, heißt es weiter.

Die Klangbrücke ist somit die zweite Brücke im Gebiet der ehemaligen Zechengemeinde, die nun wegen baulicher Mängel nicht genutzt werden kann. Während die erste Brücke von Palenberg über die Bahntrasse hinein ins Naherholungsgebiet auf nicht absehbare Zeit vor allem aus Gründen der Betriebssicherheit der Bahn vorerst gesperrt bleibt, zeichnet sich bei der Klangbrücke ein ähnlich schwieriges Konstrukt bis zur Wiederinbetriebnahme ab.

Denn spätestens seit kurz vor der Fertigstellung die Reißleine gezogen und das Konstrukt – das sich einem Walskelett nicht unähnlich vom Dohmen-Park ins Wurmtal windet – freigegeben wurde, reißen die Probleme um die Brücke nicht ab. Vor Baubeginn hieß es, die Eröffnung könne im Frühjahr 2009 stattfinden. Dann kamen nach einer Begehung plötzlich der Stopp und die Sperrung der Brücke. Verschiedene Gründe wurden da angeführt, von Materialfehlern, Baufehlern und Konstruktionsfehlern war die Rede. Die Schuld wurde vom Architekten auf die ausführenden Firmen und zur Stadt geschoben. Auch Mitte Januar 2010 war der Bau immer noch gesperrt.

Zwar war damals schon die Videoüberwachung aktiv, doch außer ein paar unerlaubten Schritten auf dem Holzbelag der Brücke wurde niemand gefilmt, der über diesen Weg ging. Probleme bereiteten damals die Aufhängungen der Windspiele, von denen einige herabfielen. Die Windspiele wurden inzwischen nach weiteren teuren Gutachten in Sachen Lautstärke, Windempfindlichkeit und Tauwasserabfluss wieder entfernt, und spätestens damit verlor die Brücke noch mehr Klang – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

So rückte sie sogar in den Fokus des Bundes der Steuerzahler, und wurde mit mehr als einer Million Euro Baukosten 2010 in das Schwarzbuch als ein Negativbeispiel par excellence für die Verschwendung von Steuergeldern aufgenommen. 80 Prozent der Finanzierung gingen damals auf das Konto des Landes, den Rest musste die Stadt stemmen. Inzwischen tobte der Rechtsstreit zwischen den beteiligten Parteien, es ging um Kosten, es ging für Unternehmer aber auch um Existenzen, und es ging auch darum, wer Schuld an der Misere hat.

Die Hände gebunden

Am 31. Mai 2011 war es dann soweit: Mittlerweile hieß der Bürgermeister nicht mehr Paul Schmitz-Kröll sondern Wolfgang Jungnitsch, die Klangbrücke wurde „begehbar“ gemacht. „Ich wähle bewusst diese Vokabel, denn die offizielle Eröffnung folgt später”, unterstrich der Verwaltungschef damals. Inzwischen ist die Brücke wieder zu, der Rechtsstreit wird nun um ein neues Kapitel erweitert, wie die Stadt in ihrer Stellungnahme weiter ausführt: „Die Reparatur der Schäden lässt derzeit noch auf sich warten, da im Rahmen des Rechtsstreits der Stadt Übach-Palenberg mit der fertigenden Firma des Brückenbauwerks Regress-, beziehungsweise Mängelbeseitigungsansprüche geprüft werden müssen.“

Damit scheint weder ein Ende des Rechtsstreits um die rund 130 Meter lange Brücke in Sicht, noch scheint damit die Zukunft oder eine mögliche Wiedereröffnung nach der jetzigen Schließungs absehbar. Denn „bis zur abschließenden juristischen Bewertung bittet die Verwaltung um das Verständnis der Besucher“, schließt die Stadt, der im Moment wohl auch aus rechtlichen Gründen die Hände gebunden sind. Die Frage nach den Kosten einer eventuellen Wiederherstellung lässt die Stadt unbeantwortet. Im Mai 2011 war das noch anders: „Ein historischer Tag”, so Wolfgang Jungnitsch damals, der hoffte, mit der Freigabe im kleinen Rahmen die vielen negativen Schlagzeilen vergessen machen zu können. „Sie ist eine einmalige Geschichte”, machte er zu diesem Zeitpunkt klar, „ob man das Projekt schön findet oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt. Das ist ein Kunstwerk.“

Das Kunstwerk kann aktuell aber nur betrachtet werden. Und den Menschen, die es vom kleinen Parkplatz aus nutzen wollten, um in den Dohmen-Park zu gelangen, rät die Stadt, die seit vielen Jahrzehnten genutzten Zugänge über den Haupteingang an der Verbindungsstraße zwischen Frelenberg und Marienberg oder an der Hasenbuschstraße in Windhausen zu nehmen.

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