Übach-Palenberg - Klamme Stadtkasse, boomende Wirtschaft

Klamme Stadtkasse, boomende Wirtschaft

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:
Maschinenbauer Oerlikon Schlaf
Maschinenbauer Oerlikon Schlafhorst - mit 1400 Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber in Übach-Palenberg - investiert sechs Millionen Euro in einen neuen Showroom und in die Erweiterung des Verwaltungstraktes, dafür wird die Grünfläche

Übach-Palenberg. Wenn man die äußerst desaströse Finanzlage Übach-Palenbergs betrachtet, kommt man nicht zwangsläufig auf den Gedanken, dass die Wirtschaft in der Stadt brummt.

Über diese positive Erkenntnis freuen sich Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch sowie Wirtschaftsförderer und Baudezernent Hans-Peter Gatzen, schließlich spülen prosperierende Unternehmen Gewerbesteuern und Grundsteuern in die total klamme Stadtkasse.

Die Schokoladenfabrik im Holtenhausener Gewerbe- und Industriegebiet, die seit fast eineinhalb Jahren erfolgreich Süßigkeiten und Trockenfrüchte für ganz Europa produziert, wächst weiter; der zweite Bauabschnitt, der an der David-Hansemannstraße unübersehbar in den Himmel ragt, wird schon bald in Betrieb genommen. „Dort werden Lebensmittel, sprich Brote, hergestellt”, erklärt Gatzen.

Bis zum Jahresende, ergänzt Jungnitsch, dürfte sich die Zahl der festen Arbeitsplätze von derzeit 100 mindestens verdoppelt haben. Obendrein kommen Arbeitsplätze für Dienstleistungen und Bauhandwerker aus der Region hinzu. Das Grundstück bietet über die derzeitigen Ausbaustufen hinaus weitere Expansionsmöglichkeiten.

Ein neuer Showroom

Maschinenhersteller Oerlikon Schlafhorst erweitert sein Unternehmen an der Carlstraße um einen Verwaltungstrakt und einen Showroom, Kostenpunkt: sechs Millionen Euro. Wenn die rund 300 Mitarbeiter vom einstigen Hauptsitz Mönchengladbach nach Übach-Palenberg gewechselt sind, zählt der Globalplayer nach Angaben von Bürgermeister Jungnitsch rund 1400 Arbeitsplätze - und ist damit der größte Arbeitgeber im Stadtgebiet.

Und noch ein international agierender Betrieb expandiert vor Ort, wie Gatzen ausführt: „Neuman & Esser hat zehn Millionen Euro in den Bau von zwei Produktionshallen, in denen Kompressoren und Mahlmaschinen gefertigt werden, und in den Ausbau des Verwaltungsbereichs investiert.”

Aktuelle Aktivitäten, die der betrieblichen Ausweitung dienen, gibt es noch weit mehr in Übach-Palenberg. „KANN, ein Unternehmen im Gewerbegebiet Weißenhaus, das Betonpflaster herstellt, hat für eine halbe Million Euro die Produktionshalle schallisoliert.

Radwelt Scherer verzieht nach Holthausen, wo man neu gebaut hat. Der Maschinenbauer Schmölders und Fegers errichtet eine größere Produktionshalle. RJ Lasertechnik, Hersteller von feinmechanischen Apparaturen für die Industrie, vergrößert ebenfalls den Arbeitsbereich.

SLV Elektronik, die Lichter in alle Welt verkauft, platzt auch aus allen Nähten und baute eine neue Lagerhalle.

Noch freies Areal in Weißenhaus

Im Gewerbegebiet Weißenhaus warten noch jene 120.000 Quadratmeter Fläche, die einst für die Schokofabrik gedacht waren, auf Interessenten; die Schokofabrik entschied sich seinerzeit für die größere Fläche in Holthausen, so dass die Stadt noch im Besitz des Geländes ist.

„Das Areal, im Übrigen eines der wenigen großen zusammenhängenden Gewerbegebiete im Kreis Heinsberg, könnten wir, theoretisch, an einen großen Investor vermitteln, dann hätten wir allerdings ein Unternehmen mit Monopolstellung. Das wollen wir ganz bewusst nicht, wir setzen auf eine Vielzahl mittelständischer Betriebe, die unterschiedliche, neue Arbeitsplätze schaffen.”

Auffallend ist, dass in Übach-Palenberg sehr viele Maschinenbauer etabliert sind. Die Gründe liegen für Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch auf der Hand: „Es ist die Nähe zur RWTH Aachen. Allein bei Oerlikon Schlafhorst sind 150 Ingenieure beschäftigt. Das zeigt, wie gut die wechselseitigen Kontakte sind”, meint Gatzen.

Bürgermeister Jungnitsch hält dabei sein Motto: „In Übach-Palenberg arbeiten und dort leben” hoch und schlägt die Brücke zum geplanten Einkaufszentrum auf dem brachliegenden ehemaligen Zechengelände - auf der Nahtstelle zwischen Übach und Palenberg. „Der erste Spatenstich ist voraussichtlich am 15. September. Und wenn alles glatt läuft, könnte das EKZ bereits zum Weihnachtsgeschäft 2013 die Tore öffnen.”

Lenkungskreis für EKZ

Der Lenkungskreis - bestehend aus Vertretern des Investors - nämlich der Immobilien Treuhand Gesellschaft Düsseldorf -, der Verwaltung und aus Gutachtern - hat bereits über Pläne zur optischen Gestaltung des Gebäudes sinniert, und der Bürgermeister zeigte sich vom Entwurf sehr angetan: „Die Ansicht passt hervorragend zum Stil des Carolus Magnus Centrums, dem Ziegelexpressionismus. Daher erheben auch die Denkmalschützer keine Bedenken gegen die Pläne.”

Neben den beiden alten Schächten sollen die Parkplätze entstehen. Der Raum über den Schächten - das sind zwei mal 25 Meter Durchmesser - werden aus statischen Gründen freigehalten; in die Schächte eingelassen wird jeweils ein Detektor (Kostenpreis 300 000 Euro), der Veränderungen im Erdreich registriert.

Das Oberflächenwasser soll vom EKZ über den derzeit trockenen Übach in die Wurm geleitet werden. „Und selbst wenn ein starker Jahrhundertregen runterkommen sollte, den der Übach nicht aufnehmen kann, sind wir durch ein Rückhaltesystem gesichert”, sagt Wolfgang Jungnitsch. Dabei könnte es sich entweder um ein offenes Biotop handeln oder um ein Auffangbecken unterhalb des Parkplatzes.

Übach-Palenberg ist offensichtlich ein fruchtbarer Boden für den Mittelstand. Bleibt die Hoffnung, dass sich der wirtschaftliche Boom auch im leeren Stadtsäckel bemerkbar macht.
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