Kirche St. Josef: Ist das ein Denkmal oder kann das weg?

Von: mh
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Die Bauchemer Kirche St. Josef ist in mangelhaftem Zustand – eine Sanierung würde sich nicht lohnen. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Nach der mehrheitlichen Meinung – bei nur einer Gegenstimme – des Geilenkirchener Umwelt- und Bauausschusses kann die unter vorläufigem Denkmalschutz stehende Kirche St. Josef in Bauchem abgerissen und damit der Weg zum Bau eines Seniorenzentrums durch die Franziskusheim gGmbH freigemacht werden.

Mit dieser Entscheidung ist über das Schicksal der Kirche aber noch nicht entschieden. Zum einen kann das Amt für Denkmalpflege, das die Kirche für schutzwürdig hält, sich an das NRW-Bauministerium als obere Denkmalbehörde wenden, zum anderen könnte in einem Gespräch zwischen Landschaftsverband und dem Investor ein Kompromiss gesucht werden.

Die Kirche wird seit dem Frühjahr, als ein Brand im Kircheninneren gelegt wurde, nicht mehr genutzt, doch zuvor gab es nur noch vereinzelt Gottesdienste. Das Bistum Aachen hat signalisiert, einer Entwidmung zuzustimmen. Und überhaupt gilt der Zustand des Gebäudes als mangelhaft, seine Verbesserung ist aus finanziellen Gründen nicht möglich beziehungsweise nicht sinnvoll. Das Amt für Denkmalpflege allerdings sieht in dem 1974 als Garnisonskirche für die Selfkant-Kaserne errichteten Gebäude ein „bemerkenswertes Zeugnis für die Wandlung der ästhetischen Prinzipien in der Architektur der frühen 1970er Jahre“. In einem Gutachten, das für den Landschaftsverband erstellt wurde, werden vier Gründe für den Erhalt der Kirche genannt.

Architekturhistorische Gründe: Unter anderem seit den 1950er und 1960er Jahren neue Gestaltungsweisen wie gerundete Schalenmauern und der Einsatz neuer Materialien wie zum Beispiel Hochglanzziegel.

Liturgiegeschichtliche Gründe: Ein liturgisches Raumkonzept mit der Ausrichtung des großen Kirchenraums und eines kleineren Raumes auf einen gemeinsamen runden Altar.

Künstlerische Gründe: Unter anderem eine wirkungsvolle Inszenierung der zentralen Orte im Kircheninneren, ein spannungsvolles Raumbild durch den Einsatz von Kontrasten und die auf die Architektur abgestimmte Ausstattung, bei der gerundete Formen dominieren.

Städtebauliche Gründe: Eine wirkungsvolle skulpturale Erscheinung des Baukörpers mit Turm.

In der Diskussion zeigte sich schnell eine deutliche Ausschussmehrheit für den Abrissbeschluss. Allerdings wurden von Barbara Slupik für die CDU und Johann Graf für die Bürgerliste ausdrücklich weitere Gespräche zwischen Verwaltung, Investor (Franziskusheim gGmbH), Denkmalbehörde und Kirchengemeinde angeregt, bei denen möglicherweise ein Kompromiss gefunden werden könnte. Ein solcher Kompromiss könnte zum Beispiel die Einbeziehung von erhaltenswerten Bauelementen in die Neubauten des geplanten Seniorenzentrums sein. Die einzige Stimme gegen den Abriss kam von Karl-Peter Conrads (CDU).

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