Kindertagesstätte in Bauchem offiziell in Betrieb

Von: Wilfried Rhein
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Hier lässt sich trefflich spi
Hier lässt sich trefflich spielen und leben. Die Kindertagesstätte „Im Gang” ist mit ihren hohe und hellen Räumen und vielen Spiegeln offiziell in Betrieb genommen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Außergewöhnlich. Diese Wertung darf die Kindertagesstätte in Bauchem für sich beanspruchen. Es waren zahlreiche Gäste am Freitagmittag „Im Gang”, die aus ihrer Überraschung von Architektur und Konzeption keinen Hehl machten.

„Ein Gebäude, das seinesgleichen im Kreis Heinsberg sucht”, fasste Bürgermeister Thomas Fiedler anlässlich der offiziellen Inbetriebnahme die vielen Vorteile zusammen. Das motivierte auch Betreuungsteam und Kinder. „Wir feiern heut ein Fest...” sang die kleine bunte Schar zu Gitarrenbegleitung, und beim jedem einladenden Versmaß „...nur herein” traten weitere Kinder in den Raum, die sich in irgendeinen für den Bau typischen Beruf hatten kostümieren lassen, wie Kita-Leiterin Stefanie Laugs die amüsierten Gäste informierte.

Zum Schluss schritt sogar ein „Bürgermeister” mit wichtiger Miene und schwarzem Zylinder auf den Rednerplatz zu, der aber schon von einem anderen Bürgermeister besetzt war. Thomas Fiedler, der echte Ratsvorsitzende, lud aber seinen sechs Jahre alten „Kollegen” Christian zu Komoderation ein, was der aufgeweckte Junge wörtlich nahm und einen eigenen Unterhaltungsteil aus dem Angebot leistete.

Thomas Fiedler verließ aufgrund dessen zwar hier und da sein Manuskript, vermittelte den Einweihungsgästen dennoch einen Rahmen der Voraussetzungen, unter denen dieser Neubau in seinem auffälligen Grün-Braun-Kontrast entstanden ist. „Wir weihen ein Haus ein”, wurde Thomas Fiedler auch ernst, „dessen Neuerrichtung vom politischen Pulverdeampf des Kommunalwahlkampfes 2008 begleitet wurde.” Und jetzt gereiche es allen, die sich in Politik und Verwaltung für den Bau eingesetzt haben, zur Freude, setzte der Bürgermeister nach, „ungeachtet aller früherer Positionen”.

In jeder Hinsicht Vorbild

Dieses Haus vermittle allen Eltern das sichere Gefühl, ihr Kind in eine in jeder Hinsicht vorbildliche Einrichtung zu bringen, sagte der Verwaltungschef. „Das war der Stadt Geilenkirchen 1,8 Millionen Euro wert.”

Die Historie der Kinderbetreuung an diesem Platz sei durchaus ein Abbild der gesellschaftlichen Entwicklung der Stadt in den frühen 1960er Jahren, fuhr der Bürgermeister fort. Hier entstand 1964 der Kindergarten St. Josef. Die Einwohnerzahl Geilenkirchens stieg stetig; die wachsende Präsenz der Bundeswehr verstärkte diesen Trend. Und 1969 musste schon eine Erweiterung vorgenommen werden. Unvergessen auch das Engagement der Schwester Lioba vom Orden der Ursulinerinnen, griff der Bürgermeister zurück, die entschieden für eine ganzheitliche Erziehung der damals anvertrauten rund 100 Kinder eintrat. „Historisch” auch der Kostenpunkt für den Hort „Im Gang” - gerade 230.000 Deutsche Mark mussten investiert werden.

Zum Spielen und Leben

In dieser Zeit aber sei nicht mehr die steigende Zahl der Kinder die Ausgangssituation für die Planung eines neuen Kindergartens, sondern eher die Frage, wie Kleinkinder bis zum Alter von drei Jahren in Tagesstätten optimal betreut werden können, wie Integration und Inklusion umgesetzt werden kann, also ein Zugang für alle Kinder, ungeachtet besonderer Ansprüche an deren Betreuungsintensität.

Heute müssten Kindertagesstätten all das bereithalten, was für ganzheitliche Erziehung notwendig sei, so Thomas Fiedler. Das bedeute das Entdecken der Natur, das Begreifen des Lebens in seiner Vielfalt und auch Ungeordnetheit. „Mein großer Wunsch an diese neue Stätte ist deshalb, auch ein Platz zu sein, an dem Kinder immer wieder einmal saumselig träumen können”, sagte der Bürgermeister.

Gabi Kals-Deussen, Vorsitzende im städtischen Ratsausschuss für Jugendhilfe, kleidete das in ihrem Großwort gerne aus. Ein Haus zum Spielen und Leben sei errichtet worden. Das „Lernen” habe sie bewusst nicht erwähnt, denn „Kinder lernen von ganz alleine”. Hier „Kind sein” zu dürfen heiße Spielen mit Puppen wie auch mit Matsch, Klettern und Toben, Singen und Geschichten hören, gemeinsam essen wie auch das Streiten und Versöhnen. „Gönnen wir den Kindern eine Auszeit aus Konsum und Spektakel”, schloss Gabi Kals-Deussen, „eine Auszeit aus Elektronik und Alleinsein.”

Dass sich in einem solchen Haus ein Wir-Gefühl auch unter Menschen mit Behinderungen entwickeln werde, setzte Behindertenbeauftragter Heinz Pütz voraus. Daran ließ Stefanie Laugs keinen Zweifel. „Wir sind glücklich, aus Schulräumen in ein neues Haus zu kommen”, sagte die Kita-Leiterin. Vieles müsste sich - beispielsweise in den Funktionsräumen - noch entwickeln, aber Gelegenheit zu fragen und zu forschen sei vorhanden. „Kinder bilden sich selbst”, sagte sie, „Kinder erschließen sich ihre eigene Umwelt.” Barrierefrei und exakt kalkulierter Kostenrahmen

Die Kindertagesstätte im Stadtteil Bauchem ist ausgelegt für drei Gruppen. Im bis jetzt planerisch festgelegten Endausbau werden 50 Kinder, darunter zehn Plätze für unter Dreijährige, von acht Damen betreut.

Architekt Karl Schmitz entwarf die eingeschossige Bauweise auf einer Grundfläche - die des alten Kindergartens - von rund 860 Quadratmeter. Eine Nutzfläche von etwa 656 Quadratmeter wurde mit einem Rauminhalt von mehr als 3400 m³ umbaut.

Energetisch ist das Haus mit einer Wärmepumpe-Bodenheizung ausgestattet. Die große Eingangsschleuse kann mittels elektrischem Druckkontakt geöffnet werden. Auch ein Teil der Barrierefreiheit des Hauses, die auch vom Behindertenbeauftragten der Stadt Geilenkirchen, Heinz Pütz, favorisiert wurde. Zudem wurde modernste Unfallprävention durch Bauleiter Arthur Stiefelmanns organisiert.

Im Juni 2009 hatte der Abriss des Altbestands begonnen. Anfang November starteten die Rohbauarbeiten. Während der Veränderungsphase war der Kita-Betrieb in der benachbarten Europa-Grundschule untergebracht. Im vergangenen Mai zogen dann die ersten Kinder und Betreuerinnen ein.Wie der Leiter des städtischen Gebäudemanagements, Andreas Eickhoff, bestätigte, ist die veranschlagte Bausumme in Höhe von 1,8 Millionen Euro „wie eine Punktlandung” eingehalten worden.
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