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„Kindern werden neueMöglichkeiten eröffnet”

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Bei den Bürgermeistern Herber
Bei den Bürgermeistern Herbert Corsten (r.) und Bernhard Tholen laufen derzeit die Fäden für die Gründung einer Gesamtschule für die Gemeinde Gangelt und Selfkant zusammen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Die gemeinsame Gesamtschule für die Gemeinden Gangelt und Selfkant soll ab 2012 Realität werden. Wie beurteilen Herbert Corsten, Bürgermeister der Gemeinde Selfkant, Thomas Hoppe -Leifgen, Leiter der Gangelter Realschule, und Peter Ruske, Leiter der Gangelter Hauptschule, die für Außenstehende doch überraschende Entwicklung?

„Als Bürgermeister der Gemeinde Selfkant, aber auch namens der Verwaltung und des Rates kann ich sagen, dass wir sehr erfreut sind, dass nun eine gemeinsame Lösung für eine optimale Beschulung unserer Kinder in den Gemeinden Gangelt und Selfkant erreicht werden konnte.” Corsten hat Verständnis dafür, dass es für einige nicht einfach war, sich mit dieser Entscheidung von einer bisher hervorragend geführten Realschule, die von beiden Gemeinden gleichermaßen getragen wurde, zu lösen.

Leider hätten aber die demografische Entwicklung und die damit zusammenhängenden Entscheidungen der Landespolitik keine andere - „für unsere Kinder auf Dauer zielführende und verantwortbare” - Per-spektive im Schulbereich aufgezeigt. „Mit der nunmehr getroffenen Entscheidung für eine im Ganztag geführte Gesamtschule werden den Kindern in unseren Gemeinden völlig neue Möglichkeiten für den Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialschulabschluss eröffnet. Die Wege zu einem optimalen Schulabschluss werden einfacher, schneller, sehr breit gefächert sowie individuell auf jeden Schüler und jede Schülerin angepasst gegangen werden können. Unsere Kinder werden es uns danken”, erklärt Herbert Corsten. Die Gemeinde Selfkant startet mit der Elterninformation bereits am 8. und 9. November.

Viele Faktoren maßgeblich

Thomas Hoppe-Leifgen bedauert das Aus der Realschule. „Mein Interesse ist es immer gewesen, für die Kinder und Jugendlichen der Region gute, nachhaltige Bildung möglich zu machen. Es ist bitter, die Realschule Gangelt mit dem Team zu machen zu müssen.” Dass die Region ein neues Schulkonzept für die nächsten Jahrzehnte brauche und kein rückwärts gewandtes, sei klar. Es kämen viele Faktoren zusammen: die mangelnde Akzeptanz der Hauptschule, der Wunsch des Selfkants, Standort einer tragfähigen Sekundar-I-Schule zu sein, der Wunsch nach einer Oberstufe, die massive Unterstützung des Landes zu Gunsten des Ganztagsschülers und sicher auch der parteiübergreifende Schulkompromiss. „Die Bürgermeister Bernhard Tholen und Herbert Corsten sind nicht zu beneiden, in eine Lage gekommen zu sein, unter anderem unsere Schule im Schnellschuss schließen zu müssen, weil Zuwendungen im Millionenbereich andernfalls ausbleiben”, sagt Thomas Hoppe-Leifgen.

Kooperierende Gemeinden

Als Schulleiter einer der beiden Hauptschulen der kooperierenden Gemeinden Gangelt und Selfkant sieht Peter Ruske die „lang eingeleitete Entwicklung, dass die Eltern die Hauptschule nicht bevorzugen, realistisch als eine Abstimmung gegen die Hauptschule”. „Dies passierte, obwohl sich gerade unser System sehr intensiv der schwachen Schüler angenommen hatte.

Deswegen begrüße ich ein Schulsystem, das sowohl das gemeinsame Lernen wie kein anderes vertritt und damit auch den ,Hauptschülern, die es immer geben wird, eine optimale Schullaufbahn ermöglicht.” Mit der Gründung einer Gesamtschule eröffne sich im Westen des Kreises Heinsberg nun eine Möglichkeit für alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam zu lernen. Diese Neugestaltung der Bildungslandschaft in Gangelt und im Selfkant schaffe Bildungschancen, die von der fünften Klasse bis hin zum Abitur reichen würden. Gemeinsames Lernen wird sich nach Einschätzung Ruskes als soziale und leistungsorientierte Aufgabe etablieren und die Kinder entsprechend ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten nahe zum Wohnort auf ihr lebenslanges Lernen vorbereiten.

Dies werde erstmals in den beiden Gemeinden ohne eine soziale Selektion geschehen. „Gesamtschulen gelingt es, allein durch die Vielzahl an Lehrpersonen verschiedene fachliche Schwerpunkte auszubilden, die häufig im Fremdsprachenbereich, im naturwissenschaftlich-mathematischen oder auch musisch-künstlerischen Bereich liegen.” Das Kollegium der Gemeinschaftshauptschule Gangelt habe sich bereits vor zwei Jahren deutlich für eine Gründung einer Gemeinschaftsschule ausgesprochen.

Diese Schulform sei jetzt nicht mehr zu beantragen, da der Schulkonsens NRW andere Schulsysteme vorsehe. „Allerdings entspricht die Gesamtschule sehr stark dem gewünschten Konzept des gemeinsamen Lernens, das dann auch noch um eine Oberstufe erweitert ist. Gerade weil unsere Schülerinnen und Schüler häufig die schwächeren sind, erkennen wir die Chancen, die sich für unsere Schülerklientel ergeben werden.”
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