Keine Rockkonzerte im Gotteshaus: Bistum streicht Zuschüsse

Von: Simone Thelen
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Keine Zuschüsse mehr: Bei Instandsetzungsmaßmahnem muss die Pfarrei in den eigenen Klingelbeutel greifen. Das Bistum gibt nichts mehr dazu. Dennoch bleibt die Kirche für Gottesdienste geöffnet. Foto: Simone Thelen

Gangelt/Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Wenn es ans Geld geht, hört der Spaß meistens auf. Dies gilt im Geschäftsleben, dies gilt für private Angelegenheiten, und es gilt wohl auch für die Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) im Bistum Aachen. Was den schönen Namen KIM-Projekt (Kirchliches Immobilienmanagement) trägt, ist nämlich ein Sparprogramm des Bistums.

Dadurch sind die GdG gezwungen, Einsparungen von 33 Prozent bei der Unterhaltung ihrer Gebäude zu erzielen. Die Folge: Pfarrheime, Gemeindehäuser und Kirchen werden bei Instandhaltungsmaßnahmen nicht mehr vom Bistum bezuschusst. Welche Häuser betroffen sind, haben die Pfarreien selbst entschieden – und waren sich dabei wohl nicht immer einig.

Hitzige Diskussionen?

In Geilenkirchen, so hört man, habe es in diesem Prozess einigen Ärger gegeben. Nur erzählen möchte davon niemand mehr. In einer Mitteilung der GdG Geilenkirchen und ihres Leiters, Pfarrer Peter Frisch, heißt es nur: „Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern aller Kirchenvorstände und Pfarreiräte der GdG, hat sich gemeinsam mit dem Pastoralteam und Fachreferenten des Bistums Aachen in einem langen Prozess intensiv mit der Thematik beschäftigt und ein Konzept erarbeitet, um die Einsparvorgabe des Bistums zu erreichen.“

Wie hitzig die Diskussion dabei wirklich war, bleibt ungewiss. Fest steht, dass ein umfassendes Gebäudekonzept beschlossen wurde, bei dem auch einige Kirchen auf die „rote Liste“ gesetzt wurden. Da ist zum einen die Kirche St. Josef in Bauchem, deren Abriss zwar schon längst beschlossen ist, die aber in der Berechnung der Einsparungen berücksichtigt werden konnte. Aber auch die Kirchen St. Marien in Gillrath, St. Johann Baptist in Hünshoven und St. Katharina von Siena in Lindern werden zukünftig nicht mehr vom Bistum bezuschusst. Auch einige Parrhäuser und Pfarrheime mussten aus der Bistumsfinanzierung herausgenommen werden.

Finanzielle Rücklagen

„Für die Instandhaltung dieser Gebäude müssen die Kirchengemeinden nun finanzielle Rücklagen bilden“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. „Das nunmehr mit großer Mehrheit beschlossene Gebäudekonzept ist ein schmerzlicher Einschnitt“, heißt es weiter. Sollten nun Schäden entstehen, muss die GdG aus ihren Rücklagen schöpfen. Diese sollen aus den jährlichen Schlüsselzuweisungen des Bistums gebildet werden, eine Sonder-Rücklage ist nicht geplant.

Ganz problemlos ist die Entscheidung, welche Kirchen in Übach-Palenberg dem KIM-Projekt zum Opfer fallen, wohl auch nicht gewesen. Allerdings, „wir hatten es hier damals eilig und haben uns schon 2010 mit dieser Frage beschäftigt“, erklärt Pfarrer Stephan Rüssel von der GdG St. Petrus. Da er selbst erst im Jahr 2012 seinen Dienst aufgenommen habe, könne er zum genauen Ablauf des Prozesses wenig sagen. „Das Projekt an sich will ich auch nicht bewerten. Die Sachlage ist, wie sie ist. Wir können es nicht ändern.“ Die Pfarrei St. Petrus hat sechs Kirchen, von denen zukünftig drei nicht mehr bezuschusst werden. Es sind St. Fidelis Boscheln, St. Dionysius Frelenberg und St. Mariae Heimsuchung in Marienberg. Pfarrer Rüssel: „Die Kirchen befinden sich in einem guten baulichen Zustan, so dass hoffentlich in den nächsten 20 Jahren keine großen Reparaturen nötig sind, jedenfalls nicht absehbar.“ Sollte aber tatsächlich einmal der Fall der Fälle eintreten – etwa ein Brand in einem Dachstuhl oder ähnliche Großschäden – würde es mit der Finanzierung eng werden. „Wir sollten uns da aber derzeit keine Sorgen machen. Sollte etwas passieren, müssen wir nach anderen Möglichkeiten der Finanzierung suchen. Und ich glaube, dass auch die Menschen unserer Gemeinden bereit sind, zu helfen, wenn es darauf ankommt.“ Eine Öffnung der Kirchen für Konzerte oder sonstige Veranstaltungen sieht Rüssel dabei aber nicht: „Die katholischen Kirchen sind Gotteshäuser. Gott ist dort gegenwärtig. Da kann ich nicht einfach ein Rockkonzert machen.“

In der Gemeinschaft der Gemeinden in Gangelt mit insgesamt acht Kirchen und der Kapelle der Katharina Kasper ViaNobis GmbH hat es nur eine Kirche getroffen: St. Maternus in Breberen. „Der Begriff ‚rote Liste‘ ist für uns aber ein No-Go“, sagt Pfarrer Daniel Wenzel, Leiter der GdG Gangelt. „Da kommen einfach zu viele Bilder auf. Man sieht direkt geschlossene Kirchen und ein Zusammenbrechen der dörflichen Struktur mit der Kirchturmspitze als Mittelpunkt vor Augen.“

Damit genau das nicht geschieht, hat sich die Pfarrei schon vor Jahren überlegt, wie sie die Einspar-Vorgabe von 33 Prozent erreichen kann. Wenzel: „Bei der Entscheidung hat uns der seit Jahren gute Zusammenhalt der einzelnen Gemeinden geholfen. Nicht jeder guckt hier nur auf seinen eigenen Kirchturm.“ Dennoch sei der Prozess durchaus „emotional“ gewesen, denn hier, im christlichen Abendland, sei die Kirche noch Teil der Identität der Bürger, auch wenn sie gar nicht den Gottesdienst besuchen. Tatsächlich war die Entscheidung für St. Maternus eine durchaus logische: Wenzel: „Die Kirche ist gut in Schuss. Da sind in naher Zukunft keine größeren Schäden zu erwarten.“

Solidarkonto gegründet

Zwei Aspekte dürften den Gemeindemitgliedern in Breberen die Entscheidung, auf Zuschüsse für ihre Kirche verzichten zu müssen, etwas erleichtert haben. Zum einen konnten durch die Kirche das Gangelter Pfarrhaus mit der Zentralverwaltung der GdG sowie das Pfarrheim in Hastenrath wieder von der Liste gestrichen werden. Zum anderen, und dies sicherlich entscheidender, haben die Gemeinden ein Solidarkonto gegründet, auf dem Rückstellungen für Instandsetzungsmaßnahmen gebildet werden. Nach einem bestimmten Umlageschlüssel zahlen die Gemeinden jährlich insgesamt 20 000 Euro ein. „Da wir uns schon vor drei Jahren dazu entschieden haben, stehen mittlerweile schon 60 000 Euro für die Beseitigung von möglicherweise entstehenden Kosten zur Verfügung.“

Eine Kirchenschließung als Folge von KIM wird es in Gangelt – wie auch in Geilenkirchen und Übach-Palenberg – also so bald wohl nicht geben. „Natürlich haben wir das Problem damit langfristig nur verschoben“, gibt Pfarrer Wenzel zu bedenken. „Die Kirchensteuern werden weiter zurückgehen, ab 2030 wird es spannend“, meint er, nicht ohne eine mögliche Perspektive für die Zukunft in der Tasche zu haben: „Zwischen Erhalt und Abriss gibt es noch viele Zwischenlösungen. Wir können an unseren Standards sparen, Stichwort: Beheizung der Kirchenräume.“

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