Keine gefährliche Stadt – jedenfalls nicht im Vergleich mit anderen

Von: Dettmar Fischer
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Ob die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zur Sicherheit in Geilenkirchen die Unterführung auf dem Weg vom Bürgertreff zum Bahnhofs-Parkhaus wohl ohne mulmiges Gefühl passierten? Foto: Dettmar Fischer
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Die Geilenkirchener Grünen hatten zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Sicherheit in Geilenkirchen“ in den Bürgertreff eingeladen. Der Grüne-Stadtverordnete Jürgen Benden (l.) moderierte. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen. Auch in Geilenkirchen gibt es Verbrechen, allerdings auch nicht mehr als in Heinsberg, Hückelhoven, Erkelenz oder anderen Kommunen im Kreis Heinsberg – mal abgesehen von Schwarzfahrern. Also alles gut in Geilenkirchen in Sachen Kriminalität? Ist jede Diskussion der vergangenen Wochen nur subjektiv gefühlte, heiße Luft?

Zumindest die Zahlen, die Polizeidirektor Andreas Bollenbach beim 15. Stadtgespräch der Grünen im Geilenkirchener Bürgertreff zum Thema vorlegte, unterstrichen, dass es objektiv betrachtet in Geilenkirchen nicht krimineller zugeht als anderswo im Kreis Heinsberg. Und der Kreis Heinsberg wiederum liegt demnach sogar etwas unterhalb des landesweiten Durchschnitts in puncto Verbrechen, führte Polizeidirektor Bollenbach aus.

Negative Auswirkungen

Bollenbach hatte seine Hausaufgaben gemacht. Sein zur gut besuchten Podiumsdiskussion „Sicherheit in Geilenkirchen“ mitgebrachtes Zahlenwerk sprach für sich. Das Fazit des Polizeidirektors: Der Kreis Heinsberg und die Stadt Geilenkirchen sind objektiv nicht unsicher oder gefährlich. „Sie können sich in Geilenkirchen gerne sicher fühlen,“ sagte Bollenbach. Dies gelte auch mit Blick auf die Zahlen der Delikte, die sich generell negativ auf das Sicherheitsgefühl auswirkten.

Mit folgendem Zahlenwerk belegte Andreas Bollenbach seine Feststellung: Der Kreis Heinsberg hat 250.000 Einwohner, die Stadt Geilenkirchen 26.000. Also dürften die bösen Buben in Geilenkirchen gut 10 Prozent der im Kreis Heinsberg verübten Straftaten begehen, ohne dass die Stadt Geilenkirchen aus dem Durchschnitt fiele. Und an diese Zahlen halten sich die bösen Buben wohl auch: Wohnungseinbrüche gab es über die letzten Jahre je 80 in Geilenkirchen, im Kreisgebiet rund 750. Die Straßenkriminalität (Raub, Diebstahl, Sachbeschädigung) kam über die letzten Jahre auf 400 bis 500 Delikte pro Jahr in Geilenkirchen, im Kreisgebiet auf jährlich etwa 4500. Auch bei der Gewaltkriminalität (Mord, Raub, schwere Körperverletzung), die sicherlich zu einem Unsicherheitsgefühl der Bürger beiträgt, lag die Zahl der Stadt Geilenkirchen 2016 im Rahmen: 53 Delikte in Geilenkirchen standen 503 im Kreis Heinsberg gegenüber.

Bei den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BTM) seien die Zahlen schwankend, so Bollenbach, da es sich um ein Kontrolldelikt handle. Über die letzten Jahre seien zwischen 40 und 140 Delikte pro Jahr in Geilenkirchen registriert worden, das seien acht bis 17 Prozent der BTM-Vergehen im Kreis Heinsberg.

Geilenkirchen habe aber, so Polizeidirektor Bollenbach, die kreisweit höchste Kriminalitätshäufigkeitszahl. Das ist die Anzahl der Delikte relativ zur Einwohnerzahl betrachtet. Verantwortlich hierfür seien „Zahlentreiber“ wie Tankbetrug (häufige Anzeigen von Tankstellenbetreibern), Autodiebstahl (Nähe zur Grenze) und vor allem das Schwarzfahren. Von den Schwarzfahrern im Kreis Heinsberg seien in den vergangenen Jahren 30 bis 40 Prozent in Geilenkirchen erwischt worden.

Das wiederum ist dem Fakt zu verdanken, dass Geilenkirchen zwei Bahnhöfe hat und somit vor allem eine Frage der Zuordnung. „Wir sollten als Politik dafür sorgen, dass die Schwarzfahrer bis Rheydt durchfahren oder schon in Herzogenrath aussteigen, dann wären wir in Geilenkirchen fein raus“, meinte scherzhaft Jürgen Benden, der zusammen mit Daniel Bani-Shoraka die Podiumsdiskussion leitete.

Doch so leicht wolle man es sich sicherlich nicht machen, fuhr Benden ernsthafter fort. Auch die weiteren Teilnehmer der Podiumsdiskussion der Geilenkirchener Grünen, Erster Beigeordneter Herbert Brunen, Sozialamtsleiter Wilfried Schulz, Markus Kaumanns vom Sozialamt Geilenkirchen und Geschäftsführer des Stadtjugendrings, nahmen das subjektive Unsicherheitsgefühl der Geilenkirchener Bürger ernst. Brunen verwies darauf, dass die öffentliche Sicherheit zentrales Thema in der Stadt sei.

Wilfried Schulz hob die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten bei der Betreuung von Jugendlichen, die in die Kriminalität abzugleiten drohten, hervor. Der einhellige Wunsch aller Teilnehmer zielte auf mehr Präsenz der Ordnungsmacht, ob nun Polizei oder Mitarbeiter des Ordnungsamtes, ab; auch wenn Polizeidirektor Andreas Bollenbach zu bedenken gab, dass umherfahrende Polizeiwagen keine sinnvolle Verbrechensbekämpfung darstellten.

Jürgen Benden freute sich, dass die politischen Vertreter sich in der schon lange andauernden Diskussion zur Sicherheit in Geilenkirchen einhellig gegen private Sicherheitsdienste auf den Straße ausgesprochen haben. Der Wunsch nach dem Dorfsheriff wurde auch aus einer Ecke laut, die den Polizeidirektor stutzen und schmunzeln ließ. Markus Kaumanns vom Stadtjugendring berichtete von Gesprächen mit Jugendlichen, die sich mehr Polizeipräsenz wünschten, um dem öffentlichen Drogenkonsum Einhalt zu gebieten. Diskussionsteilnehmerin Christa Nickels, ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen, sprach die Beschädigung von Wegekreuzen in ihrem Heimatort Waurichen an.

Ein weiterer Teilnehmer verwies auf Autorennen im Parkhaus am Bahnhof. Hier sei die Polizei auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, meinte Polizeidirektor Andreas Bollenbach: „Wir sind am besten, wenn wir als Gesellschaft zusammen stehen.“

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