Keine eindeutige Beweislage: Freispruch nach Überfall auf Familie

Von: Stefan Reiners
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Das Schöffengericht am Amtsgericht entschied auf Freispruch. Foto: jpm

Geilenkirchen. Nein, mit diesem Urteil, das vom Schöffengericht des Amtsgerichts Geilenkirchen am Dienstag gefällt wurde, wollte sich die Familie D. aus Leiffarth nicht anfreunden. Da waren im Dezember 2014 zwei maskierte Männer in ihre Wohnräume eingedrungen.

Sie brüllten etwas von einem gestohlenen Roller und bedrohten alle vier Anwesenden mit (wenigstens echt aussehenden) Pistolen und einer Machete. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem sich Schüsse lösten. Im Verlauf dieser körperlichen Auseinandersetzung wurde einer der Söhne, Thomas D., mit der Waffe derartig auf den Kopf geschlagen, dass er tiefe Platzwunden erlitt.

Nun hat das Gericht den einzigen Angeklagten, den die Polizei als einen der beiden Täter ermittelt zu haben glaubte, vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen – aus Mangel an Beweisen. Dabei hatte der Sohn beim Gerangel um die Waffe dem einen Täter die Wollmütze vom Kopf gezogen und ihm nach eigener Aussage „direkt ins Gesicht“ gesehen. Dabei sei auch die markante, rote Lockenpracht des Täters gut sichtbar freigelegt worden.

Bei der Vorsitzenden Richterin Corinna Waßmuth sowie den beiden Schöffen blieben nach der Vernehmung aller vier Zeugen und der Anhörung des Sachverständigen, der die sichergestellte Mütze auf DNA-Spuren untersucht hatte, dennoch so erhebliche Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten, dass sie nicht anders konnten, als ihn von diesen Vorwürfen freizusprechen. So konnten drei Familienmitglieder nicht sicher bezeugen, dass es wirklich der Angeklagte war, den sie im Dezember 2014 gesehen hatten. Die DNA-Analyse gab ebenfalls keinen eindeutigen Aufschluss.

Die Anklage, vertreten durch Staatsanwältin Pascale Schlimm, wies darauf hin, dass nur der Angeklagte ein sehr starkes Motiv gehabt habe, die Tat zu begehen, sei ihm doch kurz vorher sein in der Nachbarschaft der Familie D. abgestellter Roller gestohlen worden. Dazu passe die Beschreibung klar auf den Angeklagten, den der Zeuge Thomas D. auch identifiziert habe.

Rechtsanwalt Dirk Hawinkels hielt dem entgegen, dass es nicht Aufgabe der Verteidigung sei, die aufgeworfene Frage nach dem Alternativtäter zu beantworten. Der Aussage des Zeugen Thomas D. hielt er entgegen, dass selbst dieser bei seiner ersten Vernehmung vor der Polizei nicht den Verdacht geäußert habe, der ihm vom Sehen bekannte Angeklagte habe die Tat begangen. Erst als die Polizei den Roller des Angeklagten später auffand und feststellte, dass dessen Halter einschlägig vorbestraft ist, habe man dem Zeugen einige Fotos von „möglichen Tätern“ vorgelegt. Das Bild seines Mandanten sei aber das einzige gewesen, dass der bekannten Täterbeschreibung auch nur annähernd nahekam. Auch hätten anschließende Äußerungen, wie „Das dachte ich mir“ seitens der Beamten, die Erinnerung und Urteilsfähigkeit des Zeugen erheblich beeinflusst.

Dem folgte das Gericht letztlich und verurteilte den Angeklagten wegen einer mitverhandelten Autofahrt ohne Führerschein, die dieser unumwunden einräumte, zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Diese wurde erneut zur Bewährung ausgesetzt.

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