Gangelt - Keine Biber im Tal des Rodebachs?

Keine Biber im Tal des Rodebachs?

Von: gep
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Landschaftsarchitekt und Burgherr: Ob der Biber auch am Rodebach - wie bereits an Rur und Wurm - heimisch wird, ist fraglich. Es gibt dazu Gedankenspiele niederländischer Naturschützer. Foto: dpa

Gangelt. Werden Überlegungen niederländischer Naturschützer, Biber am Rodebach anzusiedeln, Wirklichkeit? Die Einbürgerung der Tiere, die bereits an Wurm und Rur heimisch geworden sind, war Thema eines Gedankenaustausches zwischen der niederländischen Naturschutzorganisation Naturmonumenten, dem deutschen Naturschutzbund (Nabu) und dem Kreis Heinsberg als der Unteren Landschaftsbehörde.

Der Kreis spricht von „Gedankenspielen” der niederländischen Seite, zu denen es „nichts Offizielles” zu erklären gebe, sagt Sprecher Ulrich Hollwitz. Und auch der Gangelter Bürgermeister Bernhard Tholen bestätigt, dass der Gedankenaustausch „ohne Beschluss” beendet worden sei.

Hans-Georg Bommer von der Nabu-Ortsgruppe Geilenkirchen/Übach-Palenberg sieht dagegen auf deutscher Seite zunächst eine große Skepsis, die sich auf der Befürchtung gründe, es könnte zu Wasseranstauungen am Rodebach und damit zu Überflutungen komme. Aber es sei noch „nicht endgültig entschieden”, sagt auch er.

Das Revier einer Biberfamilie, die aus einem Elternpaar und zwei Jungtier-Generationen besteht, umfasst je nach der Qualität des Biotops ein bis drei Kilometer Fließgewässerstrecke, das 1,50 Meter tief sein sollte.

Um das Wasser zu stauen, legen sie Biberdämme an. So regulieren sie den Wasserstand um ihren Wohnbau, die Biberburg. Als Standort bevorzugen sie Bäche und Seen, die von Auwäldern - mit Weiden, Pappeln, Espen, Birken und Erlen bestückt - umgeben sind. Je nach Holzhärte kann ein Biber in einer Nacht einen bis zu 50 Zentimeter dicken Baum fällen oder zumindest anknabbern.

Hans-Georg Bommer würde, wie an der Wurm in Herzogenrath und in Übach-Palenberg, auch am Rodebach eine Biber-Population „gerne sehen”. Denn „damit würde man die Verbuschung (Sukzession) besser in den Griff bekommen”. Dass Biber auf natürlichem Weg von der Rur, der Wurm oder der Maas ins Gangelter oder Schinvelder Bruch zuwandern könnten, hält der Nabu-Experte für unwahrscheinlich. Zu unwirtlich seien die dazwischenliegenden Landstriche. Der Juliana-Kanal im Westen etwa, meint Franz Oschmann von der Nabu-Ortsgruppe Rode-, Saeffel-, Kitschbachtal, stelle ein unüberwindliches Hindernis dar.

Dass einst wieder Wölfe am Rodebach heulen könnten, schließen Bommer und Oschmann aus - „mit Sicherheit”. Niederländische Experten halten es dagegen neuerdings für durchaus wahrscheinlich, dass das erste Rudel innerhalb der nächsten zehn Jahre auch durch die Provinz Limburg streifen könne.

Neue Lebensräume

Schinveld hat immerhin, so reklamiert die Ortschaft an der Grenze, „die Ehre, dass hier 1847 der letzte echte Limburger Wolf geschossen worden ist”. Die letzten zwei holländischen Wölfe wurden laut Aktennotizen im Jahr 1869 ebenfalls dort gefangen.

Nun hält es Leo Linnartz von der Organisation Ark Naturontwikkeling, Hoog Keppel, für sehr wahrscheinlich, dass der Wolf aus den französischen Alpen oder aus Deutschland zuwandern wird. Leo Linnartz erwartet, dass der Wolf über die Eifel, die Ardennen und die belgischen Kempen zuerst in der niederländischen Provinz Nordbrabant auftauchen wird. Landesweit vielleicht mehrere hundert Wölfe, sagt er. Jung-Wölfe, die mit zwei Jahren geschlechtsreif sind, legen bis zu 800 Kilometer zurück, um ein neues Revier zu finden.

Hans-Georg Bommer dagegen sieht in der Provinz Limburg „keinen Freiraum”. Die Region sei zu sehr „versiegelt und zerschnitten”, unterstreicht auch Franz Oschmann. Die niederländische Forstverwaltung (Staatsbosbeheer) geht unterdessen die Sache mit Schwung an: Etwa 100 Wölfe könnten rechnerisch in den Oostvaardersplassen in der Provinz Flevoland einen neuen Lebensraum finden und den dortigen Tierbestand regulieren.

Ein erwachsener Wolf benötigt , bei einem mittleren Gewicht von etwa 40 Kilogramm vier bis acht Kilogramm Fleisch am Tag.

Platz am IJsselmeer

In dem 5600 Hektar großen Naturschutzgebiet, das nach der Trockenlegung des südlichen IJsselmeeres zunächst für die Ansiedlung von Schwerindustrie verplant war, ist seit 1968 auf künstlich angelegten Land das größte Tiefland-Riedmoorgebiet Mitteleuropas entstanden. Hier grasen Auerochs-ähnliche Heckrinder, halbwilde Konik-Pferde und Edelhirsche. Zum Vergleich: Der grenzüberschreitende Rodebach-Park umfasst 750 Hektar.

Das „Naturentwicklungsgebiet” Oostvaardersplassen soll übrigens ausgeweitet werden - mittels eines „Wildniskorridors” über den 5000 Hektar großen Nationalpark Hoge Veluwe nordwestlich von Arnheim bis zur hiesigen Niederrhein-Region.
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