Kein Drängeln beim Wachsen des Spargels

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Vom „alten Kraut” befreit, werden die Spargeldämme von Herbert Dahlmanns für die frische Saison 2010 hergerichtet. Wie meist in der Landwirtschaft, hängt der Reifeprozess des weißen Gemüses stark von der Witterung ab. Mit besonderem Düngen lässt sich der Spargel aber nicht zur Eile treiben. Bestenfalls mit dem Einsatz von Folien wird der Ernterhythmus beeinflusst. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Kaum Zeit für viele Fragen, denn er muss zurück zum Feld. Dabei richtet sich sein Blick immer wieder zum Himmel: „Wie wird das Wetter?” Das ist eine Frage, die natürlich jeden Landwirt beschäftigt, Herbert Dahlmanns im Moment aber besonders. Denn er ist der, der in Gangelt wieder als erster frischen Spargel anbieten möchte.

Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Drei Felder sind es, von denen Herbert Dahlmanns Spargel erntet. Das große vor Mindergangelt, eines in Schalbruch und ein weiteres kleines in Stahe. Das vor Mindergangelt, knapp einen Kilometer von seinem Hof weg, wird zuerst bearbeitet, weil hier auch zuerst geerntet wird.

Schnee schützt den Boden

Der lange Winter hat auf die Ernte keinen Einfluss. „Bei uns lag ja nur Schnee auf den Feldern, das schützt den Boden, und die Temperaturen sinken nicht so weit ab”, so der Experte. In Polen, erzählt er, wo einige deutsche Spargelbauern mit Blick auf die kostengünstigen Arbeiter produzieren, sieht das anders aus. In den vorigen beiden Jahren hat es immer wieder Frost von 25 Grad minus gegeben, das geht auf die Qualität.

Avalim, Gijnlim und Backlim, das sind die Sorten, die der Gangelter Spargelbauer pflanzt. Die ersten beiden sollen für eine frühe, die letzte für eine spätere Ernte gut sein. Geschmacksunterschiede? „Da streiten sich die Geister”, sagt Herbert Dahlmanns. „Vielleicht ist der Avalim ein wenig milder. Ich schmecke das aber nicht.”

Hektische Saison

Das Schmecken ist dann auch gleich das nächste Problem von Herbert Dahlmanns und seiner Frau Astrid. Sie ist für die Direktvermarktung auf dem Hof zuständig, und da geht es während der Saison hoch her. „Wenn ich fünf Mal im Jahr Spargel esse, dann ist es viel”, so Herbert Dahlmanns, der sich dennoch als Gourmet zeigt. „Zum Spargel essen braucht man Ruhe und Zeit.” Aber, scheint der Spargelbauer bedeuten zu wollen, Landwirte haben nie Zeit.

Qualität, Reife und natürlich der so wichtige Erntezeitpunkt hängen in weitenteils von der Witterung ab. Ist das Wetter „normal”, kann in Mindergangelt in vier bis fünf Wochen geerntet werden.

Die Folie, die die Spargeldämme bedeckt, dient dabei auch als Steuerungsinstrument. Ist die schwarze Folie oben, wird es in der Erde wärmer. Sieht man die weiße Seite, geht alles etwas langsamer.

Acht bis zehn Wochen lang kann man von einem solchen Feld im Idealfall ernten. Da aber das Mindergangelter Feld schon zehn Jahre alt ist, wird wohl nach der Saison Schluss sein. Zum einen läuft der Pachtvertrag aus, zum andern würde die Qualität der Gemüsepflanze nachlassen. Normalerweise setzt dann die übliche Fruchtfolge im Ackerbau auf einem solchen Feld ein.

Vor kurzem hat Herbert Dahlmanns das alte Spargelkraut entfernt. „Das macht man, wenn das Kraut verrottet ist und keine Energie mehr an die Wurzeln leitet.” Das Kraut wird eingefräst und anschließend die Spargeldämme aufgebaut.

Danach, in diesen Tagen also, kommt die Folie drauf. Gedüngt wird nicht: „Der Spargel lebt von der Speicherwurzel.”

Offene Kalkulation

Beeindruckend die Erntezahlen. Von dem 1,25 Hektar großen Stück hofft Herbert Dahlmanns mindestens vier, im besten Fall acht Tonnen Spargel ernten zu können. Fünf Helfer sind damit bis zu sechs Stunden am Tag beschäftigt.

Vielleicht bleibt für Astrid und Herbert Dahlmanns in diesem Jahr mal ein wenig Zeit übrig, das so beliebte Gemüse selber zu genießen.
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