Gangelt - Katze, Hund und Kuh: Willi Krings ist seit 20 Jahren Tier-Sanitäter

Katze, Hund und Kuh: Willi Krings ist seit 20 Jahren Tier-Sanitäter

Von: Marie Eckert
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Willi Krings hat eine private Ausrüstung für seine Tierrettungseinsätze. Foto: Marie Eckert

Gangelt. Seit über 20 Jahren ist Willi Krings für Tierleben rund um die Uhr im Einsatz. Einiges ist seiner Meinung nach verbesserungswürdig. Eine Taube, die gegen ein Fenster geflogen ist, ein Reh, das sich verheddert hat, ein Steinmarder in der eigenen Wohnung, ein Wildschwein im Garten oder, ganz klassisch, die Katze auf dem Baum – das Spektrum an Einsätzen ist groß.

„Wobei Katzen, die auf einen Baum geklettert sind, auf alle Fälle auch allein wieder herunterkommen“, merkt Willi Krings mit einem Augenzwinkern an. Trotzdem zieht er sich regelmäßig die dicken Gummihandschuhe bis zu den Ellenbogen über und „rettet“ die Lieblinge der Besitzer aus schwindelerregenden Höhen.

Willi Krings kämpft seit über 20 Jahren um Tierleben, in seiner Freizeit, manchmal auch mitten in der Nacht. Und da geht noch mehr. Das findet zumindest der Fachberater für Tierrettung: „Das Thema Tierrettung ist ein Stiefkind.“ Und: „Es wird zu wenig Aufwand betrieben, um Tiere zu retten.“

In der Regel läuft ein Einsatz folgendermaßen ab: Die Polizei oder die Leitstelle des Kreises Heinsberg bekommt einen Anruf. Bei einer Tierrettung wird häufig die Feuerwehr kontaktiert – der Einsatzleiter entscheidet, wann und ob er Willi Krings zum Einsatzort hinzu ruft. „Ich unterstütze die Feuerwehr, da es kaum Fachleute gibt, die im Bereich der Tierrettung ausgebildet sind“, erklärt Krings. Das sei auch kaum möglich, da das Einsatzgebiet der Feuerwehr ohnehin schon extrem breit gefächert sei.

Krings, der sich selbst mit einem Augenzwinkern „Tierrettungssanitäter“ nennt, hat das nötige Know-how. Er besitzt eine medizinische Fachausbildung, war viele Jahre Rettungsassistent im Rettungsdienst, verfügt über Erfahrung in der Anästhesie, war in der Rettungsleitstelle in Erkelenz tätig und hat eine feuerwehrtechnische Grundausbildung. Er kennt die Abläufe, er weiß, wie man sich am Einsatzort verhalten muss. „Diese Erfahrung kommt mir bei meiner Arbeit zugute“, betont er.

Einsatzkoordination ist wichtig

Für seine Ausbildung zum Tierretter hat er sich ständig weitergebildet und mit verschiedenen Tierärzten zusammengearbeitet – inzwischen ist es umgekehrt, nicht selten hospitieren Tierärzte bei ihm oder besuchen seine bundesweit staatlich anerkannten Sachkundelehrgänge. Einsatzkoordination sei das A und O. „Wichtig ist, wie man an die Sache herangeht.“ Oftmals würde versucht, eine verschreckte Kuh oder ein verängstigtes Pferd einzufangen. Nicht selten arte das in stunden- oder gar tagelange wilde Jagden aus.

„Besser wäre es, das Tier in Ruhe zu lassen und großräumig abzusperren“, sagt Krings. Das Tier könne dann, wenn es sich beruhigt hat, beispielsweise narkotisiert und anschließend eingefangen werden. Und: Eine Kuh, die vor ihren Verfolgern flieht und möglicherweise dabei Straßen quert, ist schließlich auch für die Verkehrsteilnehmer eine Gefahr.

Über 90 Einsätze hat Krings im vergangenen Jahr gefahren – größtenteils ehrenamtlich und mit seinem privaten Fahrzeug. Das ist ein Nachteil, denn im Ernstfall hat Krings keine Sonderrechte und muss sich folglich selbstverständlich an die Verkehrsregeln halten. Auch ein Funkgerät, mit dem er Kontakt zur Einsatzgruppe aufnehmen könnte, wäre für den Tierretter hilfreich. „Es geht einfach um Schnelligkeit“, weiß er aus Erfahrung.

Krings bietet als einer der wenigen überhaupt eine Ausbildung speziell für Einsatzkräfte im Bereich der Tierrettung an. Das Problem: „Die Ausbildungsrichtlinie der Feuerwehr sieht so eine Ausbildung noch nicht vor.“ Allerdings hat die Landesfeuerwehrschule in Münster im Rahmen der Ausbildung für Führungskräfte der Feuerwehr bereits Interesse an einer Ausbildung bei Krings bekundet. Viele Berufsfeuerwehren haben bereits speziell ausgebildete Mitarbeiter.

„Hier bei uns hat man allerdings noch keine große Erfahrung auf dem Gebiet“, sagt Krings. Bisher haben die Kreisfeuerwehr sowie die Feuerwehren der Städte und Gemeinden das Angebot zur Fortbildung noch nicht in Anspruch genommen. Warum das so ist, das kann Krings sich nicht so recht erklären.

Und das obwohl die Tierrettung ein großes Thema geworden sei. „Die Berufsfeuerwehr fährt jeden Tag mehrerer solcher Einsätze“, betont er. Die nötige Ausrüstung für die Einsätze gehört ihm als Privatperson. „Die ist mit den Jahren immer weiter gewachsen“, sagt er. Sie umfasst Fangnetze, Transportboxen, Kescher, Blasrohre zum Betäuben, einen Pulsfrequenzmesser, einen Chip-Ausleser und auch ein Beatmungsgerät mit passenden Aufsätzen für Tiere – mit der die Tiere bei Bränden gerettet werden können.

Gewachsen ist auch die Zahl und die Vielfalt seiner Einsätze. Auch ein Känguru und eine ausgebüxte Antilope hat Krings schon erfolgreich eingefangen. Die gehörte einem Zirkus und hatte sich über einen Zaun auf und davon gemacht. Er wurde dabei von der Polizei angefordert, die Einsatzstelle lag 150 Kilometer von seinem Wohnort entfernt.

Auffangstation vor dem Haus

Vor seinem Haus hat Willi Krings inzwischen eine Auffangstation, in der schon allerlei Tiere zu Gast waren, meistens Eulen, Greifvögel, Schwäne und Eichhörnchen. Nicht selten nimmt er die Tiere von seinen Einsätzen mit nach Hause, pflegt sie gesund und entlässt sie anschließend wieder zurück in die Natur.

Seine Motivation für das Ganze: „Ich liebe Tiere aller Art, sie haben genauso Gefühle wie Menschen.“ Dass der Tierretter auch gleichzeitig Jäger, sogar Schießausbilder ist, steht für ihn in keinem Widerspruch. „Tierschutz bedeutet auch, ein leidendes Tier, dem nicht mehr geholfen werden kann, vernünftig und fachgerecht zu erlösen.“ Auf die Ausbildung „seiner“ Jäger legt er viel wert, von Crash-Kursen hält er nichts. Seine Kurse finden im Wildpark Gangelt statt.

Dort leitet er seit November des vergangenen Jahres eine naturpädagogische Bildungseinrichtung. Im Parkrestaurant Haus Wildblick, das seine Frau leitet, gibt es einen hellen, zwölfeckigen Raum mit drei langen Tafeln und einem Beamer. Dort sind Kindergärten und Schulklassen zu Gast und lernen alles, was mit Pflanzen und Wildtieren zu tun hat. „Wir nutzen den Wildpark als Klassenraum“, betont er.

Fragt man den Mann, der in so vielen verschiedenen Gebieten im Einsatz ist, was er sich wünscht, so nennt er eine bessere Zusammenarbeit mit den Einheiten, um „das Ziel, Tieren zu helfen, noch besser zu erreichen“. Als Möglichkeit nennt er eine Integration in die Einsatzgruppe, was nach den neuen Brand- und Katastrophenschutzrecht NRW kein Problem mehr darstellt. „Allein bei uns im Kreis gibt es über 40 Wildgehege, Tausende von Wild-, Hof-, Haus- und Stalltieren – also viele Tiere, mit denen es fast täglich Probleme gibt.“

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