Gangelt - Karnevalisten hinterlassen eine Müllhalde

Karnevalisten hinterlassen eine Müllhalde

Von: Jan Mönch
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Die Hinterlassenschaften zwischen Langbroich und Breberen geben auch Einblick in die Trinkgewohnheiten von Karnevalsjecken. Beliebt sind etwa pfandfreie Bierdosen aus dem benachbarten Ausland (rechts im Bild). Foto: Jan Mönch
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Die Langbroicher Karnevalisten sind zu Recht stolz auf ihren Karnevalszug. Weniger schön ist das, was zurückbleibt. Foto: agsb

Gangelt. Nein, man muss kein Karnevalsmuffel sein, um das unappetitlich zu finden. Von Harzelt bis Breberen, das sind immerhin an die zwei Kilometer, erstreckt sich der Müllteppich, den die Teilnehmer des Karnevalszuges in Langbroich hinterlassen haben.

Frühzeitig sind die Wagen und Gruppen am Samstag an der Kreisstraße 3 in Aufstellung gegangen. Und bis zum Start musste man sich natürlich irgendwie die Zeit vertreiben. Das wenig ansehnliche Ergebnis liegt nun da, wo im Sommer wieder Lebensmittel wachsen sollen: auf den Feldern, die mithin zu einem wahren Schlachtfeld geworden sind.

Für Hobby-Fährtenleser ist der Schlamassel ein kleines Paradies. Beispielsweise geben die Hinterlassenschaften Einblick in die Trinkgewohnheiten der hiesigen Karnevalsjecken. Besonders beliebt sind beispielsweise Bierdosen aus dem benachbarten Ausland, die pfandfrei sind und deren Verlust daher keine finanziellen Einbußen nach sich zieht. Hoch im Kurs steht hier etwa die gute Karlsquelle.

Abgerundet wurde der Biergenuss vorzugsweise mit Likören aus 0,02-Liter-Fläschchen. Am Ortseingang Breberen liegen außerdem ein paar gut gefüllte Windeln – ob auch sie auf den Karnevalszug zurückzuführen sind, muss an dieser Stelle offen bleiben.

Die gute Nachricht: Die Veranstalter haben bereits reagiert, am Samstag soll der ganze Plunder weggeschafft werden. Das teilt Wilfried Gossen mit, der als erster Vorsitzender und Präsident der Langbröker Dicke Flaa den Karnevalszug organisiert hat. Hierzu habe man im Ort extra den Selfkant-Putztag vorverlegt und werde mit den Langbroicher Ortsvereinen zur Tat schreiten. Das habe man auch mit der Gemeinde Gangelt abgestimmt. „Gegen zehn Uhr legen wir los“, verspricht Gossen, der vollstes Verständnis für die Klagen von Anwohnern hat.

Trotzdem stellt sich natürlich diese eine Frage: Muss das denn wirklich sein? „Eigentlich ist das eine Sache, die nicht geht“, gibt Gossen zu. Allerdings sei es schwierig, den feiernden Jecken Einhalt zu gebieten, zumal der Langbroicher Zug bekanntlich einer der größten in der Region ist. Zwar schreibe sein Verein in die Teilnahmebedingungen, dass derartiges Verhalten zu unterlassen sei. „Aber so viele Ordner können wir gar nicht stellen, um das wirklich zu kontrollieren“, sagt der Flaa-Präsident.

Auch Bürgermeister Bernhard Tholen hat schon die Beobachtung gemacht, dass es bei den Karnevalsveranstaltungen mitunter immer doller getrieben werde. Andererseits seien immer höhere Auflagen zu erfüllen – beides falle am Ende des Tages auf die Vereine zurück. Dass innerhalb der Orte das ein oder andere Stück Müll liegen bleibt, sei sicherlich normal. Da habe dann auch schon mal der Bauhof Hand angelegt, ansonsten sei der reguläre Termin des Selfkant-Putztags auch dafür da. Aber mit solch grobem Unrat wie dem zwischen Langbroich und Breberen sollten Dritte sicher nicht belastet werden.

Ganz neu ist das Problem nicht, wie eine Anfrage bei der Kreisbauernschaft ergibt. „Das ist eine Unart, mit der wir Landwirte es zu Karneval immer wieder zu tun bekommen“, ärgert sich der Vorsitzende Bernhard Conzen aus Gangelt. Abgesehen davon, dass der Anblick wenig erbaulich ist, müsse man sich ja auch klarmachen, dass durch die Schweinerei Ratten angezogen werden.

Vergangenes Jahr sei beispielsweise der Bereich Hastenrath besonders stark vermüllt gewesen. Auch hier hätten die Veranstalter anschließend selbst aufgeräumt – glücklicherweise, denn anderenfalls bliebe die unschöne und aufwendige Arbeit an denjenigen hängen, die die Felder bewirtschaften. Denn bei den Feldern handele es sich ja erstens um Privatbesitz. Und zweitens lasse sich gar nicht mehr rekonstruieren, wer nun im einzelnen den Unrat hinterlassen hat. „Da kann man niemanden in Regress nehmen.“

Zum Aufräumen zwingen könne man die Vereine also nicht – umso besser also, dass das in Langbroich auch gar nicht notwendig war.

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