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Karlskapelle: Erinnerungen an die Zeit Karls des Großen

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
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Die Karlskapelle am Übach-Palenberger Bahnhof geht auf das 12. Jahrhundert zurück und ist das älteste Gebäude der Stadt. Vorher stand an diesem Platz sehr wahrscheinlich eine Holzkirche, die Karl der Große als Jagdkapelle errichten ließ.

Übach-Palenberg. Der 1200. Todestag von Karl dem Großen wird am 28. Januar nicht nur in Aachen begangen. Zahlreiche Bücher, neuere Biographien und Festschriften sind zu diesem Anlass erschienen, diverse Gedenkveranstaltungen organisiert.

Aber auch in manchen Kirchen in Aachen und Umgebung finden zu Ehren des großen Karolingers Gottesdienste statt – und zwar in jedem Jahr, denn Karl der Große gilt kirchlich als Seliger.

Darunter versteht man einen „kleineren“ Heiligen, der nicht weltweit, wohl aber regional verehrt wird. Auch Adolph Kolping, Franziska Schervier oder Clemens August Graf von Galen gehören dazu. Im Diözesankalender des Bistums Aachen wird der 28. Januar ausdrücklich als Gedenktag für Karl den Großen aufgeführt, was allerdings nur für die Stadt Aachen selbst gilt. Dort gibt es sogar eine spezielle Karls-Liturgie, die übrigens auch im Frankfurter Dom gefeiert wird.

Die Vorstellung, dass Karl der Große ein Heiliger gewesen sein soll, erscheint aus heutiger Sicht eher fragwürdig. Sicher war er persönlich ein gläubiger Mensch, dem auch die Ausbreitung der christlichen Religion ein besonderes Anliegen war. Aber er bediente sich dabei oft rabiater Methoden, so dass die alte Fassung der Aachener Kaiserhymne „Urbs Aquensis“ zuweilen wie blanker Hohn klingt. „Wohl zog nie ein Landmann weiser / gute Frucht wie dieser Kaiser / aus dem Acker wüst und wild“, heißt es in der vierten Strophe.

Kultureller Wendepunkt

Aber Weisheit und Barmherzigkeit waren nicht immer das Zeichen Karls des Großen – das Volk der Sachsen wurde rücksichtslos unterworfen, mit Feuer und Schwert zum neuen Glauben bekehrt. Andererseits bedeutete die Herrschaft Karls des Großen einen großen kulturellen Wendepunkt. Kunst, Literatur, Musik und das kirchliche Leben wurde unter seiner Regierung auf entscheidende Weise gefördert – ohne die „karolingische Renaissance“ ist das christliche Abendland nicht denkbar.

Tatsächlich gibt es sogar heute noch einige Kirchen, die Karl dem Großen geweiht sind. Dazu gehört zum Beispiel eine Pfarre im westfälischen Rheda-Wiedenbrück, die den Namen St. Caroli Magni et beati Aegidii trägt. Und bis heute kommt es vor, dass gekrönte Häupter heilig oder selig gesprochen werden – das jüngste Beispiel ist Kaiser Karl I., der von 1916-1918 als letzter Habsburger über Österreich-Ungarn regierte.

Auch in unserer Region sind noch einige Relikte der Kaiser-Karls-Verehrung zu erkennen. Am bekanntesten ist die „Karlskapelle“ in Übach-Palenberg, die kürzlich aufwändig restauriert wurde. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist dem Apostel Petrus gewidmet, geht aber wahrscheinlich auf einen Holzbau zurück, der in der Zeit Karls des Großen errichtet wurde, vermutlich als Jagdkapelle. Denn Kaiser Karl war bekannt als passionierter Jäger, der dieser Leidenschaft noch bis ins hohe Alter frönte.

Die Gegend um Palenberg war damals noch sehr waldreich, heute sind nur noch südlich von Schloss Rimburg einige Restbestände davon erhalten. Die ab 1913 betriebene Steinkohlenzeche erhielt ebenfalls den Namen „Carolus Magnus“, und bis heute feiert man in Übach-Palenberg alljährlich das Kaiser-Karls-Fest. Es findet allerdings nicht Ende Januar statt, sondern – der günstigeren Jahreszeit wegen – meist Mitte September.

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