Geilenkirchen - Karl Pooten: Bischof, Missionar und religiöser Brückenbauer

Karl Pooten: Bischof, Missionar und religiöser Brückenbauer

Von: Johannes Gottwald
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Erinnerung an einen Teverener, der im Dienst der Kirche in die Welt hinauszog: Die Bischof-Pooten-Straße. Foto: Johannes Gottwald
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Karl Pooten als junger Bischof, Zeichnung vermutlich um 1845.

Geilenkirchen. Wenn Fußballfans nach einem Heimspiel der Teverener Germania im Vereinslokal „Alt Teveren“ einkehren, könnte ihr Blick auf das Straßenschild „Bischof-Pooten-Straße“ fallen. Nur wenigen Dorfbewohnern ist diese bemerkenswerte Persönlichkeit noch ein Begriff.

In der heutigen Zeit ist die Zahl der Priesterberufungen stark zurückgegangen. Dies war vor 200 Jahren noch völlig anders: Nur wohlhabende Bürger oder Adelige konnten sich eine gute Berufsausbildung leisten. Für einen Bauernsohn wie Karl Pooten, der am 17. Januar 1807 in Teveren zur Welt kam, gab es kaum Möglichkeiten, aus dem angestammten Umfeld herauszukommen. Zumindest eine Chance aber bot sich dennoch an – indem man eine kirchliche Laufbahn einschlug.

Leider ist die Quellenlage über den beruflichen Werdegang Pootens vage. In der örtlichen Grundschule scheint man früh auf ihn aufmerksam geworden zu sein, denn es wird berichtet, dass der damalige Pfarrer von Frelenberg den aufgeweckten Jungen in die Grundlagen der Theologie und Philosophie einführte und ihm Sprachunterricht in Latein und Griechisch erteilte. Danach soll Pooten für einige Jahre zu Verwandten nach Dremmen gezogen sein. Von dort stammte seine Mutter. Erst 1827 findet sich ein greifbarer Markstein in seinem Leben: Im Oktober dieses Jahres brach Karl Pooten nach Rom auf, um dort seine Studien abzuschließen.

Wer ihn zu diesem ungewöhnlichen Schritt geraten hat, lässt sich nicht mehr feststellen. Man kann aber davon ausgehen, dass er einflussreiche Förderer hatte. Pooten trat in das „Urbanische Kolleg“ ein, wo vor allem Missionare ausgebildet wurden. An diesem Institut wirkten prominente Theologen: Der damalige Leiter, Kardinal Mauro Capellari, wurde 1831 zum neuen Papst gewählt (Gregor XVI.). Am Karsamstag, 21. April 1832, empfing Karl Pooten durch den päpstlichen Generalvikar Zurla die Priesterweihe.

Schon im folgenden Jahr erhielt er den ersten missionarischen Auftrag – er wurde nach Rumänien und Bulgarien geschickt, wo er den neuen Bischof Molajoni von Nikopol als Mitarbeiter unterstützen sollte. Seine Arbeit war offensichtlich so erfolgreich, dass er schon 1834 zum Generalvikar der Walachei und damit zum Stellvertreter Molajonis aufstieg. Auch in den folgenden Jahren wurde Pooten auffallend rasch befördert: 1840 übernahm er zusätzlich das Generalvikariat von Sofia, zwei Jahre später siedelte er nach Dubrovnik über, um nun auch die Katholiken in Bosnien geistlich zu betreuen. Und schon 1844 ernannte Papst Gregor XVI. den erst 37-Jährigen zum apostolischen Administrator des Erzbistums Antivari (das heutige Bar in Montenegro) und gleichzeitig zum Titularbischof von Maronia.

All diese Ämter erforderten nicht nur enormen Fleiß, sondern auch viel diplomatisches Geschick und politisches wie seelsorgliches Einfühlungsvermögen. Die große Mehrheit der Bevölkerung gehörte der orthodoxen Kirche an, außerdem gab es zahlreiche Muslime, denn Bulgarien, Bosnien, Montenegro und große Teile Rumäniens standen noch unter türkischer Herrschaft. Gegenüber dem Christentum übte die islamische Regierung zwar grundsätzliche Toleranz, aber das religiöse Leben war dennoch erheblichen Einschränkungen unterworfen – so durften beispielsweise keine Glocken geläutet und keine Prozessionen abgehalten werden. Karl Pooten verstand es offenbar gut, mit dem islamischen Teil der Bevölkerung umzugehen, was später noch sehr hilfreich werden sollte.

Denn der neue Papst Pius IX. übertrug ihm bald noch mehr Verantwortung: 1855 wurde Pooten auch offiziell zum Erzbischof von Bar erhoben. In Montenegro fand der neue Erzbischof ein reiches, aber auch kompliziertes Arbeitsfeld. In dieser Region gab es nur recht wenige Katholiken. In unermüdlicher Missionsarbeit sorgte Karl Pooten für die Errichtung von Schulen, Kirchen, Pfarrhäusern und Gebetsräumen, unternahm zahllose Visitationsreisen und konnte auf diese Weise einen allmählichen Wandel herbeiführen.

Eine enge Freundschaft verband den Teverener übrigens mit Erzherzog Maximilian von Österreich, dem Bruder von Kaiser Franz-Josef I. Dieser stellte ihm großzügige finanzielle Mittel zum Bau der neuen Kathedrale von Bar zur Verfügung, so dass schon 1857 die Einweihung erfolgte. 1866 beschloss man in Rom, das Erzbistum Bar mit dem Erzbistum Skutari (heute: Shkodra) in Albanien zu vereinigen. Pooten verlegte seine Residenz nach Skutari, was auch politisch von Vorteil war, denn dort befanden sich der Sitz des türkischen Paschas und die Konsulate europäischer Großmächte.

Auch an seiner neuen Wirkungsstätte blieb Pooten rastlos. Die baufällige Kathedrale von Skutari wurde renoviert und 1870 ein Provinzialkonzil abgehalten. Um diese Zeit erreichte Pooten ein Ruf aus der alten Heimat: In Teveren war die Dorfkirche neu errichtet worden, der Pfarrer lud ihn ein, die offizielle Einweihung vorzunehmen. Leider musste Pooten ablehnen – die angespannte Finanzlage der Mission ließ die kostspielige Reise nach Deutschland nicht zu. Er stiftete jedoch einen ansehnlichen Geldbetrag für den Kirchenneubau. Seine Heimat hat er nicht mehr wiedergesehen, aber die Korrespondenz mit seinen Verwandten führte er sorgfältig weiter.

Der Höhepunkt seiner Karriere war zweifellos die Teilnahme am ersten Vatikanischen Konzil, in dessen Präsidium er als „Primas von Serbien“ berufen wurde. Auf dieser Kirchenversammlung traf er auch mit dem Kölner Erzbischof Paul Melchers zusammen, wobei sich zeigte, dass er den heimatlichen Dialekt nicht verlernt hatte. Danach waren Karl Pooten leider nur noch wenige Jahre öffentlichen Wirkens vergönnt. 1871 konnte er noch ein weiteres Provinzialkonzil in Skutari abhalten, aber ab 1875 zeigten sich bei ihm Zeichen von Senilität. 1876 wurde ihm ein Koadjutor zur Seite gestellt, der allmählich die Leitung des Bistums übernahm, während sich Pooten langsam aus dem aktiven Dienst zurückzog. Im Jahr 1879 erfuhren seine Angehörigen, die schon seit 1876 ohne Nachricht von ihm geblieben waren, dass er keinen Einfluss mehr auf die Erzdiözese Skutari mehr ausüben könne. Ab 1880 schritt der gesundheitliche Verfall rapide fort, in den letzten Lebensjahren scheint völlige Umnachtung eingetreten zu sein. Trotzdem wurde Pooten niemals offiziell von seinem Amt entbunden.

Am 15. Januar 1886 starb Karl Pooten und wurde zwei Tage später an seinem 79. Geburtstag feierlich in „seiner“ Kathedrale beigesetzt. Seinem Sarg folgten nicht nur zahlreiche Katholiken, Geistliche und prominente Kommunalpolitiker, sondern auch viele Moslems, deren Hochachtung sich der verstorbene Erzbischof erworben hatte. Heute ist Karl Pooten leider weitgehend in Vergessenheit geraten – nur die Straße in Teveren erinnert an den Bauernsohn, der einst seine Heimat verließ.

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