Gangelt - Kampf um Geld und Liebe: Lambertus-Theater spielt „Natur pur”

Kampf um Geld und Liebe: Lambertus-Theater spielt „Natur pur”

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Ein Gruppenbild in letzter Sekunde: Die Aufregung war groß. Wenige Sekunden später hob sich der Vorhang. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Herzallerliebste Schwiegermutter” schallt es vielstimmig durch die Tannen. Spätestens da muss jedem klar sein, dass im deutschen Wald etwas nicht stimmt! Die einen sitzen bei Flaschenbier und Grillwurst, die anderen wünschen sich nichts sehnlicher, als Champagner und Kanapees.

Das Lambertus-Theater zeigte im Saal der Gangelter Einrichtungen Maria Hilf das Lustspiel „Natur pur” von Bernd Gombold. Das Lambertus-Theater ist vor elf Jahren entstanden und versammelt Menschen mit und ohne Behinderungen. „Das Integrative steht bei unserer Arbeit im Vordergrund”, erläutert Ulrike Nießen aus Hückelhoven.

Die Regisseurin gehört zu den Gründern des Theaters und wurde 2009 mit dem Preis für soziales Engagement des Landschaftsverbandes Rheinland ausgezeichnet. „Jede Jeck is anders”, lacht Ulrike Nießen, die erste Regieerfahrung vor 18 Jahren mit Kindern gesammelt hat und berichtet, dass Integration in ihrer Gruppe auch kein Problem ist.

Dass es in dem Ensemble ein „selbstverständliches Miteinander” ist, zeigte sich gleich im ersten Akt von „Natur pur”. Da stehen Mama Lydia und Papa Erich mit dem Töchterchen Christine in eben diesem Wald. Und die Ansprüche könnten nicht unterschiedlicher sein. Vogelgezwitscher vom Band, das Licht von zwei Baustrahlern. Der Vorhang öffnet sich, und im gut gefüllten Saal wird es mucksmäuschenstill.

Mama, die ihre Lebenserfahrung aus einer Zeitschrift bezieht, will nur eines: schnell weg hier in ein Wellnesshotel. Papa will „so wie früher” draußen sein, campen, grillen und Weiß-Gott-was-sonst-noch. Die Tochter wünscht sich nichts mehr, als dass ihr Freund doch auch hier wäre. In diese explosive Mischung schneit dann ein anderer Teil der Familie, bei dem ebenfalls nicht alles zusammenpasst.

Es hat schon etwas von Klamauk, wenn mehrere Erwachsene ohne die geringste Ahnung versuchen, ein Zweimannzelt aufzubauen, dort plötzlich eine Pilgergruppe mit dem Leitspruch „Herr, lass uns immer was zu trinken haben” über die Lichtung läuft und zu allem Überfluss die gute Oma mit einem Beutel voller Geld aus der Waldhütte tritt, die der Mittelpunkt für die Geburtstagsfeier der Großmutter werden soll. Das natürlich nur, wenn das Zelt aufgebaut wird, der Grill angeht und diese permanenten Streitereien aufhören.

Besagter Satz, „herzallerliebste Schwiegermutter”, fällt in dem Moment, in dem die gute Oma plötzlich mit einem 50.000-Euro-Bündel winkt und niemand so recht weiß, wo das viele Geld herkommt. Es beginnt ein Kampf um Geld, Harmonie, Liebe und die Möglichkeit, endlich aus diesem Wald heraus zu kommen.

Arnold Schweden, Leiter der Eingliederungshilfe bei den Gangelter Einrichtungen, gehört ebenfalls zur Theatergruppe und jagt Schmetterlinge - zumindest im Stück. Für ihn ist die Zusammenarbeit in der Gruppe nicht zu trennen. „Jeder dreht das so, wie es ihm passt”, meint er mit Blick auf mehr oder weniger exakte Textwiedergabe.

Nach gut zwei Stunden wurden die Schauspieler mit viel Applaus verabschiedet. Während jetzt die Arbeit für die neue Saison anfängt, beginnt für die Mitspieler eine kurze Zeit ohne Text lernen. Im Januar gibt es aber die neuen Bücher.

Die Einnahmen der Aufführung in Gangelt werden dem Förderverein der Gangelter Einrichtungen gespendet.
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