Kampf um die Aufträge im Maschinenbau wird härter

Von: Hermann-Josef Delonge
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Stefanie und Alexander Peters,
Stefanie und Alexander Peters, geschäftsführende Gesellschafter der Holding der Neuman & Esser Gruppe. Foto: o.H.

Übach-Palenberg. Verunsicherung ist Gift für den Maschinenbau. Sie drückt auf die Stimmung der Kunden - mit der Folge, dass kostspielige Investitionen für Maschinen und Anlagen lieber zurückgestellt werden.

Die deutsche Schlüsselindustrie beobachtet deshalb die Diskussion um die Staatsschuldenkrise in Europa mit besonderer Sorge. Ende offen - die Branche rechnet für das laufende Jahr mit Stagnation.

Beim traditionsreichen Anlagenbauer Neuman & Esser in Übach-Palenberg kennt man die Befürchtungen. Einbrechende Auftragseingänge waren in den vergangenen Jahren auch hier Thema.

Für das laufende Jahr rechnen die geschäftsführenden Gesellschafter der Holding der Neuman & Esser Gruppe (NEA), die Geschwister Stefanie und Alexander Peters, zwar mit einem guten, wenn auch nicht überragenden Ergebnis. Aber sie formulieren auch ganz klar: „Der Kampf um die Aufträge wird härter.”

Bis ins vergangene Jahr konnte der Auftragsbestand jede negative Tendenz ausgleichen. Bei den Auftragseingängen gab es vor allem 2009/2010 Einbrüche, 2011 allerdings war wieder eine Verbesserung zu verzeichnen. Der Umsatz lag in der Schlussbilanz bei 250 Millionen Euro.

Die schwierigen Jahre konnte das Unternehmen ohne auch nur eine Stunde Kurzarbeit überstehen - besser noch: Die Auslastung an den drei deutschen Produktionsstandorten in Übach-Palenberg, Wurzen und Staßfurt mit insgesamt 558 Mitarbeitern lag bei über 100 Prozent, zusätzlich wurden Tausende von Fertigungsstunden an externe Lohnfertiger vergeben, um den Auftragsbestand zu bewältigen.

Bei NEA bewährt sich ein Konzept, das die Unternehmensführung schon seit Jahren verfolgt: die dezentrale Aufstellung. „Wir bewegen uns in volatilen Märkten. Da ist nicht alles planbar.

Je breiter unser Portfolio aufgefächert ist, desto besser können wir Dellen ausgleichen”, sagen Stefanie und Alexander Peters. Sie berichten zwar von einer höheren Anzahl vorübergehend auf Eis gelegter Projekte, „aber eine Stornierungswelle konnten wir verhindern”.

NEA hat die Jahre des Abschwungs, also vor allem 2009 und 2010, genutzt, um in den Maschinenpark zu investieren, Grundstücke im Ausland zu kaufen, Produktionshallen zu erweitern und Patente zu entwickeln und anzumelden. Rund 60 Millionen Euro hat die Gruppe seit 2005 dafür deutschlandweit in die Hand genommen.

Eine Beschleunigung und Effektivitätssteigerung der Produktion um teilweise bis zu 30 Prozent hat das zur Folge - bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl, die weltweit bei 886 liegt. Doch NEA investiert nicht nur in Gebäude und Maschinen, sondern auch in die Qualifikation der Mitarbeiter.

Durch Ausbildung und Jugendförderung: Mit knapp 90 Auszubildenden an den deutschen Standorten bildet NEA über Bedarf aus. Fachkräftemangel ist daher für NEA bisher kein Thema. Durch den deutlichen Fokus auf das Thema Arbeitsschutz: Noch Ende 2012 wird an allen Standorten weltweit der gleiche hohe Sicherheitsstandard nach OHSAS 18001 eingeführt sein.

Dezentrale Aufstellung: Das bedeutet natürlich auch Internationalisierung. NEA lebt an den deutschen Produktionsstandorten wesentlich vom Export; knapp 50 Prozent des Umsatzes wurde im vergangenen Jahr in den sogenannten Schwellenländern außerhalb von Europa und den USA gemacht.

Brasilien und Indien stechen hier mit immensen Umsatzsteigerungen hervor. Die Geschwister Peters sind sicher, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Dafür steht auch Südostasien, wo NEA bereits 1998 die NEAC South East Asia Ltd. gegründet hat. Für die Geschäftsführer ist klar: Das klassische Raffineriegeschäft - NEA stellt Kompressoranlagen her, die prozessintensive Cracking-Prozesse schwerer Erdöle mittels Wasserstoff-Verdichtung ermöglichen - spielt sich nicht in Europa ab.

Der Fokus von NEA liegt auf den regenerativen Energien. Stichwort „Planet Blue”: Die Produktion von Verdichtern für die Einspeisung von Biogas in Erdgasnetze ist ein Zukunftsmarkt, gerade nach der postulierten Energiewende in Deutschland.

Die Marktführerposition bei der Herstellung und dem Vertrieb von Kompressoren, die zur Herstellung von reinstem Polysilizum, dem Grundstoff für Solarzellen, benötigt werden, soll ausgebaut werden. Wo allerdings da die Musik spielt, beweisen die Zahlen: Bereits die Hälfte der von NEA weltweit installierten Anlagen für Polysilizium steht in China.
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