Kahlschlag in der Heide: Wird Vertrag mit dem Bund gekündigt?

Von: Udo Stüßer
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Es wird weiter in der Teverener Heide gebaggert, was nicht nur bei vielen Bürgern, sondern auch bei manchen Stadtverordneten für Verärgerung sorgt. Die Verwaltung prüft, ob die Verträge mit dem Bund gekündigt werden können.

Geilenkirchen. Nach dem erneuten vom Bundesforst in Auftrag gegebenen Kahlschlag im Naturschutzgebiet Teverener Heide prüft Bürgermeister Thomas Fiedler, ob und wann die Stadt Geilenkirchen den Vertrag mit dem Bund kündigen kann und welche Konsequenzen damit für die Stadt verbunden sind.

Dies erklärte er in der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend.

Zuvor hatte der Teverener Ortsvorsteher Hans-Josef Paulus (CDU) seinen Ärger über das rigorose Abholzen am Heidestadion zum Ausdruck gebracht. „Die Teverener Bevölkerung ist aufgebracht, sie beschwert sich über diese erneute Abholzungsmaßnahmen“, erklärte Paulus. „Jeder Bürger, der in diesem Naturschutzgebiet nur ein einziges Weidenkätzchen an sich nimmt, muss mit der vollen Strenge des Gesetzes rechnen.“

Bei dieser Kappung des Bundesforstes handele es sich um Wiederholungstaten, schimpfte der Teverener Ortsvorsteher und erinnerte an weitere massive Eingriffe in die Natur in den Jahren 1981, 1986, 1995, 1996, 1997, 1999 und 2008. „Die Regeln, die für ein Naturschutzgebiet gelten, sind auch für Behörden verbindlich. Auch der Kreis Heinsberg und der Bundesforst sind daran gebunden“, sagte er. Und: „Oder muss man jetzt die Natur vor den Naturschützern schützen?“

Er bat die Verwaltung zu prüfen, ob der Vertrag mit dem Bundesforst gekündigt werden kann und ob die Stadt mehr Einflussmöglichkeiten erhalten könne. Paulus bemängelte massiv die Maßnahme des Bundesforstes, die eine Abteilung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ist, weil die Abholzung vom Awacs-Verband gar nicht gefordert worden sei.

Gefordert wurde von der Nato nur, wie berichtet, die Kappung einiger Bäume, die zu hoch in den Himmel ragen und den Flugverkehr behindern. „Wir alle, auch die Teverener, haben Verständnis dafür, dass die Flugsicherheit gewährleistet sein muss. Seit Bestehen des Flugplatzes haben die Teverener ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den militärischen Einrichtungen. Aber nun ist das Maß voll.“

Die Behörde, die das Schild „Naturschutzgebiet“ aufgestellt hat, habe veranlasst, dass 20 Meter weiter Kettenraupen ein Waldstück dem Erdboden gleich machen. „Und dieses Waldstück ist neben dem An- und Abflugbereich. Und dann soll es dabei nicht um wirtschaftliche Fragen gehen? Ich bin da anderer Meinung“, sagte der CDU-Stadtverordnete.

Vorbehaltlose Unterstützung signalisierte der Teverener Johann Graf von der Bürgerliste. Nicht ganz so dramatisch sah derweil die Angelegenheit SPD-Fraktionschef Horst-Eberhard Hoffmann. Die Flugsicherheit stehe an vorderster Stelle. Allerdings bemängelte auch er den Informationsfluss. „Der Kreis Heinsberg hätte uns rechtzeitig informieren müssen. Wir müssen den Kreis dazu bringen, uns künftig umfassend zu informieren“, forderte Hoffmann.

Unterstützung erhielt Paulus von den Grünen. „Die Verkehrssicherheitsmaßnahme ist nur vorgeschoben. Da waren 50 bis 80 Jahre alte Eichen dabei, die seit Jahren nicht mehr gewachsen sind“, sagte Dr. Stefan Evertz und bot Paulus in dieser Angelegenheit eine Zusammenarbeit an. Schließlich gehe dem Geilenkirchener Bürger Naherholungsfläche verloren. „Das ist ein Skandal, die Fläche muss vernünftig aufgeforstet werden“, forderte er.

Auch Bürgermeister Thomas Fiedler sagte: „Die Kommunikation muss besser werden.“ Er stellte aber auch die Frage: „Aber wie würden wir reagieren, wenn man uns vorher informiert?“ Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass die Forstwirtschaft mit Holz Geld verdienen wolle.

Die Verwaltung habe sich allerdings gefragt, ob der Bundesforst eine solche Abholzungsmaßnahme anordnen dürfe. „Ja, er darf. Ich bin aber bereit zu überprüfen, ob wir aus dem Vertrag rauskommen.“ Fiedler gab aber auch zu bedenken: „Individuelle Eingriffe kosten Geld. Und wer bezahlt das?“ Der Rat müsse nach seiner Prüfung beraten, welcher Vertrag für die Stadt wirtschaftlich zu vertreten sei.

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