Geilenkirchen - Junge Union: Veränderung entsteht durch Ausdauer

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Junge Union: Veränderung entsteht durch Ausdauer

Von: Naima Wolfsperger
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Politik ist nichts für die Jugend? Von wegen! Oft haben junge Parteimitglieder allerdings das Problem, dass sie und ihre Probleme nicht ernst genommen werden. Foto: Bernd Wüstneck/dpa
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Jennifer Diederichs ist Mitglied in der Jungen Union. Foto: Beyel

Geilenkirchen. Im März stehen bei der Jungen Union im Kreis Heinsberg Neuwahlen des Vorstands an. Jennifer Diederichs, 31 Jahre, wird nicht mehr antreten, sagt sie, „es ist Zeit den Platz an jemand jüngeren abzugeben.“ Diederichs arbeitet bei der Stadt Mönchengladbach. Sie erklärt, warum die jungen Menschen einen langen Atem brauchen, wenn sie etwas verändern wollen. Und warum die Politik sie ernster nehmen sollte.

Die CDU ist die stärkste Partei im Kreis Heinsberg. Ein Blick in die Stadträte: Gibt es in der Union eine Nachwuchsproblematik?

Diederichs: Ich bin bei uns im Rat die Zweitjüngste. In der Fraktion auch. Dort sollen Entscheidungen getroffen werden, die eine ganze Gesellschaft repräsentieren. Selbst wenn es hier in Anführungsstrichen nur ein Rat ist. Dafür ist die Partei sehr homogen aufgestellt. Es fehlen Frauen und junge Menschen. Ich glaube gesellschaftlich ist das nicht mehr so umstritten, aber in so einer Partei dauert es, mit der Anpassung auf lokaler Ebene.

Warum sind junge Menschen in der Politik wichtig?

Diederichs: Grundsätzlich braucht es bei allem eine vernünftige Mischung. Und die brauchen wir. Beim Geschlecht und beim Alter. Weisheit ist ein wichtiger Faktor, aber man muss auch aufpassen, dass man nicht zu starr wird. Das Argument, „Das haben wir immer schon so gemacht!“, zählt für mich nicht. Gerade wenn man etwa die Finanzen betrachtet, kann man ja bestimmte Verhaltensweisen der Politik in Frage stellen und neu überdenken.

Warum fehlt der Nachwuchs?

Diederichs: Der fehlt gar nicht zwingend. Im Kreis hat die JU knapp 100 Mitglieder. Aktiv davon sind etwa 30. Da sind wir glücklich drüber und im Vergleich ganz gut aufgestellt. Leider sind eher wenige unserer Mitglieder auch in der CDU – es gibt eine Reihe von Leuten, die nur bei uns aktiv sind.

Warum treten die Mitglieder nicht in die Mutterpartei ein?

Diederichs: Ganz oft kriegt man gesagt: Wenn man studiert, dann hätte man ja keine Zeit und sei nicht da, wohne vielleicht nicht vor Ort. Mir wurde auch oft gesagt: ‚Nach dem Studium gründest du ja erstmal eine Familie und kriegst Kinder. Danach kannst du dich ja wieder melden.‘ Als junger Mensch und auch als Frau wird man da total ausgebremst. Dabei ist gerade mit Blick auf den politischen Nachwuchs wichtig, dass man sich gegenseitig unterstützt und mitzieht. Ich wünsche mir da größere Durchlässigkeit.

Frauen-Power war auch eines Ihrer Ziele als Sie im Mai 2015 in den JU-Vorstand gewählt wurden. Was haben Sie erreicht?

Diederichs: Konkret haben wir im Kreis noch kein Projekt dazu umsetzen können. Das passte zeitlich nicht, weil uns durch den Landesparteitag die Hände gebunden waren. Die Idee ist, 17 bis 18-jährige Mädchen der Jungen Union zusammenzuholen und mal zu fragen: Was habt ihr eigentlich für Erfahrungen gemacht? Die Ergebnisse wollen wir dann zusammentragen. Und man kann da alle möglichen Erfahrungen machen – angefangen von Beleidigungen, bis hin zu fast schon Belästigungen. Gerade auch in der Partei. Das wollen wir angehen. Ich erlebe es oft, dass junge, intelligente Frauen in der Partei sind, die auch viel machen. Aber sie sind halt relativ ruhig, fallen weniger auf, können sich nicht so gut durchsetzen. Sie müssten mehr gefördert werden und das wollen wir 2017 auch angehen.

Der Nachwuchs ist also da, es scheitert an der Mutterpartei?

Diederichs: Wir haben im Kreis das große Glück, dass wir auch Leute in der Politik haben, die selbst aus der Jungen Union kommen. Bei denen hat man immer ein offeneres Ohr. Trotzdem kann man natürlich immer noch viel mehr jüngere mit rein holen. Das kann nicht alles im Kreis passieren, das muss auch in den Städten und Gemeinden passieren.

Sie sprachen aber von mangelnder Durchlässigkeit.

Diederichs: Ich glaube, dass es bei den anderen Parteien leichter ist gefördert zu werden und mit der Mutterpartei zu kommunizieren, weil die anderen Parteien oft heterogener aufgestellt sind, was die Geschlechter angeht und auch im Bezug auf die Berufe.

Die Stimme der jungen Menschen wird in der Politik also nicht gehört?

Diederichs: Gerade wenn man etwas verändern will und sich traut, das auch noch laut zu sagen, dann braucht man einen langen Atem. Aber man kann schon was machen. Man muss sich durchboxen und damit klar kommen, dass ganz viele Sachen auch nicht funktionieren – Demokratie heißt ja auch, dass man sich mit der Meinung der Mehrheit arrangieren muss – oder sich zumindest eine Mehrheit suchen muss. Aber ein bisschen was kann funktionieren. Man trifft auch auf viele nette Menschen.

Das hört sich nicht wirklich so an, als könnte man etwas erreichen?

Diederichs: Es geht aber. Ich war bis 2016 für die CDU auch im Landesvorstand und habe im Arbeitskreis für Gesellschaft, Familie und Soziales mitgemacht. Gerade dort muss man noch dicke Bretter bohren, wenn man die Meinung vertritt, dass Kinder auch schon ab zwei Jahren in Kitas gehen dürfen... Wenn man diese Themen einbringt ist das noch teilweise eine Revolution. Das in die Debatte mit einzubringen war ein großer Schritt. Speziell mit der Jungen Union machen wir traditionell einen Antrag zum CDU Kreisparteitag. Der letzte ging um familienfreundliches Arbeiten: Betriebskitas und Arbeitszeitmodelle. Das war auch schon neu. Da hat man früher gesagt: Das ist Frauenthema, das dürfen wir nicht anfassen. Das waren Sachen, die waren mir wichtig und sind jetzt auch Thema. Meine kleine Weltrevolution.

Wieso haben Sie sich für die Junge Union und die CDU entschieden?

Diederichs: Ich habe mich als Jugendliche dafür interessiert und mir überlegt, dass ich etwas bewegen würde. Dann habe ich mir die Parteiprogramme der Volksparteien schicken lassen und sie gelesen. Die Wahl fiel auf die Union.

Warum?

Diederichs: Die drei Säulen der Union haben mich am meisten angesprochen. Der christliche Faktor, der soziale und der Gedanke, dass Leistung auch zählen muss. Auch wenn ich mich in der Union eher zum liberalen Teil zählen würde – nicht wirtschaftlich, ich bin CDAler (Anmerkung der Redaktion: Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft). Die Union ist für mich die politische Mitte.

Es scheint ein eher ungewöhnlicher Werdegang, sich mit den Parteibüchern auseinanderzusetzen. Der Jugend wird doch eher politisches Desinteresse vorgeworfen...

Diederichs: (lacht) Ich glaube schon, dass das nicht der gängige Weg ist. Aber ich sehe auch nicht unbedingt Desinteresse. Nicht generell und nicht überall. Es gibt viele, die was machen wollen. Man muss sie eben ernst nehmen und nicht von oben herab erklären wollen, wie die Welt funktioniert. Die, die bei uns ankommen, sind natürlich die, die sich überhaupt schon dazu durchringen, sich politisch zu engagieren. Wir haben immer viele Interessenten, aber auch eine hohe Fluktuation. Viele wollen was machen, sind dann aber auch nach einem Jahr schon wieder weg.

Wie wirkt man dem entgegen?

Diederichs: Meine Erfahrung ist: Es ist ganz wichtig, dass man sie ernst nimmt. Mit 16 oder 17 hat man vielleicht noch ein paar andere Ideen von Weltrevolution. Auch in der Jungen Union. Und man stellt sich die politische Arbeit ganz anders vor. Selbst mir passiert es noch regelmäßig, dass ich darüber belehrt werde, wie die Welt zu laufen hat, dass das alles falsch ist, was man sich so denkt... Dann braucht man schon wirklich Durchhaltevermögen und man muss sich auch beleidigen lassen – ich glaube das schreckt einige ab.

Wie schafft es die Junge Union dann an Nachwuchs zu kommen?

Diederichs: Wir machen Stände auf dem Markt in Geilenkirchen, dort hat man ja auch ein paar Schüler, die man erreicht. Es kommen erstaunlich viele und wollen diskutieren. Wir bieten auch Veranstaltungen an. Die meisten kommen aber über Freunde.

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