Junge Flüchtlinge stellen Jugendämter vor neue Herausforderungen

Von: st
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Geilenkirchen. Die Jugendämter stehen vor einer neuen Herausforderung: „Nach bisheriger Rechtslage erhalten unbegleitetete minderjährige Flüchtlinge die notwendigen Hilfen zur Erziehung und die Leistungen zum Lebensunterhalt sowie Krankenhilfe von den Jugendämtern, in deren Bereich sie erstmalig registriert wurden“, erklärte Geilenkirchens Jugend- und Sozialamtsleiter Wilfried Schulz in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses.

So hätten beispielsweise Aachen, Köln, Dortmund und Berlin hauptsächlich den personellen Aufwand für diese Hilfen zu tragen. Dazu würden sie Heime im ganzen Land belegen, weshalb seit geraumer Zeit auch vier unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Jugendhaus Franz von Sales lebten.

Nach dem inzwischen verabschiedeten Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher würden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ab dem 1. November nach einem festgelegten Schlüssel auf alle Jugendämter verteilt und erhielten dort die notwendigen Hilfen.

Angesichts der aktuellen Einreisezahlen hätte die Stadt Geilenkirchen im Laufe eines Jahres mit der Zuweisung von sechs bis neun minderjährigen Flüchtlingen zu rechnen. Nach den bisherigen Vorgaben müssten die Jugendlichen, selbst wenn sie zusammen mit volljährigen Verwandten wie Geschwistern, Onkeln oder Tanten einreisen, zunächst in einer stationären Einrichtung untergebracht werden, in der auch ein sogenanntes Clearing-Verfahren vorgenommen werde. Hier solle festgestellt werden, welche Förderbedarfe der Jugendliche beispielsweise unter Berücksichtigung eventueller Traumatisierungen habe und ob ein Zusammenleben mit den angeblichen Verwandten vertretbar sei.

400 000 Euro vom Land

„Dann kam für uns alles sehr plötzlich: In der gerade durch den Kreis Heinsberg in Betrieb genommenen Erstaufnahmeeinrichtung in Niederheid sind in der vorletzten Woche aufgrund eines Versehens auch zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingetroffen und erstmalig registriert worden. Für diese Menschen waren wir nach der bisherigen Rechtslage wegen des in Geilenkirchen liegenden tatsächlichen Aufenthalts zuständig“, erklärte Schulz weiter.

Bei der Organisation der Hilfen sei das Jugendamt dann mit der Realität konfrontiert worden: Angesichts der bundesweit extrem hohen Zahl der zu versorgenden Minderjährigen gebe es nahezu keine freien Plätze in geeigneten Einrichtungen mehr. Das Landesjugendamt Rheinland beteilige sich zurzeit im engen Schulterschluss mit den örtlichen Jugendämtern an der Entwicklung alternativer Konzepte zur vertretbaren Erziehung und Versorgung der Jugendlichen.

Das Geilenkirchener Jugendamt habe in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendhilfeträger „Krach“ eine Wohngruppe für die männlichen Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren gebildet. „Die Jugendlichen leben in zwei von der Stadt angemieteten Wohnungen in Lindern. Sie versorgen sich weitgehend selbst und werden von Mitarbeitern des Jugendhilfeträgers ‚Krach‘ im Rahmen einer intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung versorgt“, sagte Schulz.

Die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren stammen aus Syrien, Irak, Iran und Afghanistan. Für den Betrieb dieser Gruppe entstünden jährliche Kosten von 400.000 Euro, die vom Land erstattet würden. Um künftige Bedarfe decken zu können, gebe es Abstimmungsgespräche zwischen den Jugendämtern im Kreis, den Trägern und Anbietern der Jugendhilfe und der Heimaufsicht des Landesjugendamtes zur Einrichtung weiterer Betreuungsmöglichkeiten.

So sei die Einrichtung von zwei Wohngruppen in der Innenstadt geplant, das Jugendhaus Franz von Sales plane die Einrichtung weiterer zwei Plätze in einem noch anzumietenden Appartement. Während Schulz von einer Zuweisung von weiteren sechs bis neun Jugendlichen ausgeht, meinte Ausschussmitglied Peter Barwinski, Leiter des Jugendhauses Franz von Sales: „Wir müssen mit 14 bis15 rechnen.“

In der weiteren Diskussion wurde deutlich, dass Eltern von Flüchtlingskindern einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz haben. „Wir können nicht einschätzen, was auf uns zukommt und welche Eltern sich für einen Kindergartenplatz entscheiden“, äußerte Ausschussmitglied Ingrid Grein, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Geilenkirchen-Mitte, ihre Befürchtungen.

Die konnte Wilfried Schulz zerstreuen: 21 Flüchtlingskinder zwischen einem und fünf Jahren lebten in Geilenkirchen und hätten einen Rechtsanspruch. Ein Kind besuche eine Kita, ein Kind werde in Tagespflege betreut, für ein Kind sei eine Aufnahme in einer Kita vorgesehen. Schulz erklärt dazu: „Flüchtlinge werden nicht vorrangig zum Nachteil der Geilenkirchener Bürger behandelt.“

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