Junge Bikerin macht ihre Maschine populär

Von: Annika Wunsch
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Das Betreiben ihres Instagram-Accounts ist aufwendig, sagt Gianna Wilms, doch es lohnt sich: Das Motorrad hat sie von dem Hersteller Kawasaki gestellt bekommen. Foto: Annika Wunsch

Geilenkirchen. Welcher junge Motorradfahrer träumt nicht davon, dass plötzlich eine bekannte Motorradmarke anbietet, ihm kostenlos ein neues Motorrad zur Verfügung zu stellen? Für Gianna Wilms ist dies kein Traum mehr, sondern Realität.

Doch allein, weil die 19-Jährige eine begeisterte Motorradfahrerin ist, wäre der Hersteller wohl kaum auf sie aufmerksam geworden. Auf dem sozialen Netzwerk Instagram betreibt Wilms seit einem Jahr ein erfolgreiches Profil über ihr Hobby.

Ihre schnell wachsende Abonnentenzahl ist für die Marke interessant: Durch eine Kooperation profitieren beide Seiten. Gianna Wilms bekommt kostenlos ein Modell der Marke zur Verfügung gestellt, gleichzeitig macht sie für den Hersteller Werbung bei ihren Abonnenten. Damit wird sie zum Influencer – ein durch soziale Netzwerke neu entstandenes Berufsbild.

Bei Instagram ist Wilms vor einem Jahr durch die Empfehlung einer Freundin gelandet. Auf der Social-Media-Plattform können die Nutzer Bilder oder kurze Videos veröffentlichen. Ob diese dann nur für ausgewählte Abonnenten oder für die Öffentlichkeit sichtbar sind, lässt sich individuell einstellen.

Erste Fahrstunde

Gianna Wilms stellte ihr Profil „_skully_g“ öffentlich. Und weil sie gerade den Motorrad-Führerschein machte, postete sie eben Fotos von der ersten Fahrstunde oder der Prüfung, erzählt sie. Über Kommentare unter Bildern und eine eingebaute Chat-Funktion bekam sie Kontakt zu anderen motorradbegeisterten Frauen in ihrem Alter, mit denen sie sich zu einem gemeinsamen Fototermin traf.

Heute vermutet Wilms, dass gerade dieses Treffen sie motiviert habe. Eine bereits damals sehr erfolgreiche „Instagramerin“ war dabei und verlinkte Wilms’ Profil auf ihren Fotos. So wurden immer mehr Benutzer auf das neue Profil aufmerksam: Innerhalb eines Jahres kamen 20.000 Abonnenten dazu.

Auf den wenigsten Bildern sieht man Gianna Wilms’ Gesicht; meistens trägt sie ihren Helm, mit dem sie neben oder auf ihrem Motorrad posiert. Sie habe kein Problem ihr Gesicht zu zeigen, schließlich finden sich auch ein paar Fotos ohne Helm auf ihrem Profi. „Mir gefällt aber das Mysteriöse, wenn jemand einen Helm trägt“, erklärt sie. „Es kommt auch besser an.

Die Männer finden es reizvoller, wenn sie nur die Figur sehen.“ Die junge Frau ist sich bewusst, dass sich jeder ihre Fotos ansehen kann. Sie weiß auch, dass ihre Follower im Durchschnitt 22- bis 23-jährige Männer sind.

Alle paar Tage veröffentlicht sie ein neues Bild, allerdings ohne einen besonderen Plan zu verfolgen. Auch professionelle Fototermine mit anderen bekannten Fahrerinnen seien eher selten, so dass sie die meisten Fotos auf ihrem Profil entweder alleine mit einem Stativ macht oder Freunde ihr zur Hilfe kommen.

Als „sehr zeitintensiv“ bezeichnet Wilms mit viel Nachdruck den Aufwand für ihren Instagram-Account. Fast den ganzen Tag sei sie online, um die Kommentare unter ihren Bildern zu lesen und zu beantworten. Damit wolle sie ihren Abonnenten zeigen, dass deren Reaktion sie interessiert: „Es klingt kitschig, aber man bezeichnet seine Follower oft als kleine Instagram-Familie.“

Vor etwa drei Monaten kam dann eine Überraschung: Der internationale Motorradhersteller Kawasaki meldete sich bei ihr und schlug eine Kooperation vor. „Sie haben mich entdeckt, kann man so sagen“, freut sich Wilms über die Zusammenarbeit mit ihrer Lieblings-Marke. Schon vorher hatte sie eine kleinere Maschine besessen, aber das Modell, das sie daraufhin bekam, hätte sie sich niemals leisten können, erzählt die 19-jährige. Geschenkt ist die Maschine allerdings nicht, sondern laut einer Kooperationsvereinbarung nur gestellt.

Markenbotschafterin

Damit wurde Wilms zu einer sogenannten Influencerin für Kawasaki, oder wie sie es selbst ausdrückt: „Markenbotschafterin.“ In dieser Funktion wird sie öfters auf Messen und Veranstaltungen eingeladen, um über die neuen Modelle und Kollektionen der Marke zu berichten, aber hauptsächlich postet sie Fotos von sich selbst und der Maschine auf ihrem Account. Damit macht sie bei ihren Abonnenten für die Marke Werbung. Aber um die Kooperation nicht unerwähnt zu lassen, verlinke sie die Marke auf den Bildern und weist durch „#sponsored“ oder „#werbung“ auf die Zusammenarbeit hin, so Wilms.

Wilms erklärt, dass die Marke dieses Jahr erstmals den Erfolg des Influencer-Marketings auf Instagram ausprobiert. Ein Erfolg der Kooperation wäre, wenn sie höre, dass sich Personen durch ihr Vorbild auch eine Maschine von Kawasaki kaufen. „Ich möchte keinen dazu drängen, aber spreche nur positiv darüber. Es würde mir schmeicheln, wenn jemand kommt und sagt, dass er sich wegen mir ein Motorrad gekauft hat.“

Ausgenutzt fühle sie sich von der Marke nicht, schließlich bekomme sie ja auch etwas zurück, findet die 19-Jährige. Auch am Beruf des Influencers sieht sie an sich nichts Negatives. Aber sie findet es wichtig, „ein positives Vorbild und eine positive Beeinflussung“ zu sein. Daher trage sie immer Schutzkleidung beim Fahren oder mache darauf aufmerksam, dass man nicht zu schnell fahren sollte.

Allein mit ihrem Social-Media-Account Geld verdienen wie die großen Influencer kann Wilms noch nicht. Aber vorstellen kann sie sich schon, später hauptberuflich als Influencer zu arbeiten. Neue Kooperationen stehen auch schon an. Mit wem, möchte sie vorsichtshalber nicht verraten, um die Zusammenarbeit nicht zu gefährden. Aber zusagen werde sie auf jeden Fall, verrät sie.

Schneller Erfolg ist selten

Ein so schneller Erfolg auf Social Media wie bei ihr sei eher selten, glaubt Wilms: „Da steckt eine große Portion Glück dahinter.“ Jeder könne es probieren, aber so eine Chance sei gering, lässt sie alle wissen, die von einer Karriere in sozialen Netzwerken träumen. Ein Erfolgsrezept habe sie also nicht, aber: „Das Bikermädchen auf dem schwarz-pinken Motorrad kommt einfach gut an.“

Wenn es mit dem Beruf des Influencers doch nicht klappen würde, hat Wilms eine Alternative parat: Im Moment ist sie im dritten Ausbildungsjahr zur Industriekauffrau. Der Betrieb, in dem sie ihre Ausbildung macht, hat natürlich auch mit Motoren und Geschwindigkeit zu tun. Jetzt arbeitet sie noch in der Automobilbranche, doch später würde sie viel lieber mit Motorrädern arbeiten.

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