Geilenkirchen - Jugendkriminalität sinkt in Geilenkirchen

Jugendkriminalität sinkt in Geilenkirchen

Von: Udo Stüßer
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Die Jugendkriminalität geht in Geilenkirchen zurück: Nicht nur mit Strafprozessordnung (StPO), Ordnungswidrigkeitengesetzbuches (OWiG) und Strafgesetzbuch (StGB), sondern mit verstärkter offener Jugendarbeit wollen die Verantwortlichen im Jugendamt die Jugendkriminalität weiter senken. Foto: dpa
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Wilfried Schulz, Leiter des städtischen Jungendamtes, freut sich über die sinkende Jugendkriminalität. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Die Jugendkriminalität ist in Geilenkirchen im vergangenen Jahr drastisch gesunken. „Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten gegenüber dem Vorjahr ist um 34 Prozent auf 173 zurückgegangen“, sagte Wilfried Schulz, Leiter des Geilenkirchener Jugend- und Sozialamtes, im Jugendhilfeausschuss.

Weiter erklärte er: „Wir müssen beobachten, ob dies ein Ausreißer im positiven Sinne ist oder ob eine beständige Trendwende eingeleitet wurde.“ Seit 2009 führen die Mitarbeiter im städtischen Jugendamt eine eigene Statistik, in der die eingegangen Anklageschriften erfasst werden.

Im Zeitraum zwischen 2009 und 2016 sei die Anzahl der Straftaten um 15 Prozent auf 263 Fälle angestiegen, erklärte Schulz und nannte für diesen Zeitraum weitere Zahlen: Die Drogendelikte seien um 29 Prozent auf 21 angestiegen, wobei 73 Prozent der angeklagten Täter zwischen 17 und 19 Jahre alt waren. Die Aussage der SPD über zwölfjährige Drogenkonsumenten könne nicht bestätigt werden, Mitteilungen von Polizei, Schulen oder anderen Institutionen würden nicht vorliegen.

Während im Jahr 2016 noch 25 Prozent der erfassten Drogendelikte im Bereich des Bahnhofes verübt worden seien, seien es in 2017 vier Prozent gewesen. „23 Prozent der Drogendelikte fanden im häuslichen Umfeld statt, 35 Prozent außerhalb unserer Stadt“, sagte der Jugendamtsleiter. Delikte, die für das Sicherheitsgefühl der Bürger relevant sind, seien zurückgegangen: Körperverletzung von 25 auf 17, gefährliche Körperverletzung von 16 auf zehn, Sachbeschädigung von 21 auf 13.

Mehr Schwarzfahrer

Eine Zunahme verzeichneten die Jugendamtsmitarbeiter in den Bereichen Schwarzfahren (neun auf 31), Betrug (12 auf 18), Beleidigung (elf auf 16), Bedrohung (vier auf sieben). 80 Prozent der Täter sind laut Schulz männlich. „Normale“ Bürger seien selten Opfer oder Geschädigte von Straftaten, die Taten hätten überwiegend im Milieu der Jugendlichen stattgefunden.

Eine Ausnahme habe es im Jahr 2016 gegeben. Eine Einbruchserie mit elf Fällen bei Wohnhäusern sei nach der Bestrafung von zwei Tätern beendet worden. „Laut wissenschaftlichen Untersuchungen sind drei Prozent der jugendlichen Straftäter auch als Erwachsene noch Straftäter“, sagte Schulz, der auch die soziale Situation der Täter ausgewertet hatte: Diese stammten aus unterschiedlichen sozialen Schichten, ein Armutsproblem sei nie die Ursache gewesen. Allerdings hätten zwei Drittel der Täter eine sehr konfliktbehaftete Trennung oder Scheidung der Eltern erlebt.

„Eltern widmen ihre ganze Aufmerksamkeit dem Trennungskrieg und verlieren die Bedürfnisse des Kindes aus den Augen. Schlimm ist, wenn Eltern nicht bezüglich des Kindes kommunizieren. Das Kind erlebt, für die Eltern nicht wichtig zu sein und verliert dort seinen Halt“, nannte Schulz einen Grund für Jugendkriminalität. Im Jugendlichenalter suche das Kind dann Halt bei der Clique. Wenn dort Straftaten begangen würden, schaffe das Kind es nicht, sich zu distanzieren, weil es auch diesen Halt verlieren würde.

Für die Mitarbeiter des Geilenkirchener Jugendamtes würden sich aus all diesen Erkenntnissen Konsequenzen ergeben: „Wir müssen möglichst viele Jugendliche in einer solchen Lebenssituation an die offene Jugendarbeit anbinden und so den Jugendlichen helfen, positive Beziehungen aufzubauen.

Dank der Beschlüsse des Jugendhilfeausschusses seien die Bedingungen so gut wie nie zuvor: Das Jugendheim Zille als Kleine offene Tür sei sehr gut aufgestellt, die beiden Sozialpädagogen Sibilla Gärtner und Dragan Samardzic würden hervorragende Arbeit leisten, ein durch Spenden finanziertes Auto unterstütze die aufsuchende Jugendarbeit, stationäre Angebote gebe es inzwischen nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in Teveren. Schulz schlug eine Ausweitung des Zille-Angebotes vor, will die gemeinsamen Kontrollen von Polizei, Ordnungsamt und Jugendamt gegen offenen Drogenhandel und -konsum fortführen und möglichst viele Eltern in Trennungssituationen mit dem Ziel beraten, sie für die Bedürfnisse ihrer Kinder zu sensibilisieren.

„Das Jugendamt erhält eine Mitteilung durch das Familiengericht über Scheidungsverfahren, wenn Kinder betroffen sind“, sagt Schulz.

Er hofft, dass es einen Zusammenhang zwischen der erweiterten offenen Jugendarbeit im Zille mit mehr Angeboten für Jugendliche und sinkenden Kriminalitätszahlen gibt und dass diese Zahlen nun dauerhaft sinken.

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