Jugendarbeit: Kompromisse und Kooperationen nötig

Letzte Aktualisierung:
13985750.jpg
Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht den Betreuern und Trainern viel Spaß. Dennoch gibt es Probleme, die in den vergangenen Jahren aufgetreten sind und die Arbeit teilweise erschweren. Auf dem Spielfeld merkt man davon meistens nichts. Foto: imago/Manngold

Geilenkirchen. Ganztagsunterricht, zu wenig Ehrenamtler und unmotivierte Eltern: Wer in der Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, muss sich auch mit den weniger schönen Seiten auseinandersetzen. Unsere Mitarbeiterin Sonja Essers hat bei den Geilenkirchener Fußballvereinen nachgefragt, wie schwierig es ist, Nachwuchs zu finden.

Die Bilanz: Nur durch Kompromisse und Kooperationen gelingt es oft, den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten. Ein Weg, der jedoch nicht immer ganz so einfach umzusetzen ist.

Das weiß auch Klaus Schiffgens. Er leitet die Jugendabteilung des FC 1910 Germania Teveren. Sie umfasst momentan 95 Spieler, die in siebeneinhalb Mannschaften zusammengefasst sind. Davon sind fünf Teams gemeldet. Wie es zu dieser krummen Zahl kommt?

Die E-Jugend wurde aufgeteilt. Eine Mannschaft spielt beim FC Germania Teveren, eine zweite Mannschaft ist als Spielgemeinschaft mit der DJK Gillrath gemeldet. Eine Bambini-Mannschaft befindet sich derzeit im Aufbau. Eines der größten Probleme laut Schiffgens: ausreichend Betreuer finden. „Sich als Betreuer zur Verfügung zu stellen, bereitet vielen Kopfschmerzen. Wir können immer seltener Leute dafür rekrutieren, da wir keine Aufwandsentschädigung zahlen, sondern das Ganze auf ehrenamtlicher Basis stattfindet“, sagt Schiffgens.

Spielfeste in der Kritik

Doch in vielen Fällen sei es nicht nur schwer, neue Betreuer für den Fußball zu begeistern, sondern auch die Eltern. Da viele nicht dazu bereit sind, jedes Wochenende auf dem Fußballplatz zu verbringen, hat der Fußball-Verband Mittelrhein reagiert. Seit der Saison 2016/2017 treffen Bambini-Mannschaften nicht mehr wöchentlich, sondern einmal im Monat bei so genannten Spielfesten aufeinander.

Durch diesen Turniercharakter mit kleinen Teams und einem kleinen Feld habe jeder Spieler mehr Ballkontakte und sammle mehr Erfahrungen in Offensiv- und Defensivaktionen, ist auf der Internetseite des Fußball-Verbands Mittelrhein zu lesen. Zudem würden durch die verkürzte Spielzeit einzelne Ergebnisse an Bedeutung verlieren, es gehe vor allem um die Teilnahme jedes Kindes, heißt es dort weiter. Auch Freundschaftsspiele zwischen den Teams sind tabu. Ab der F-Jugend laufe dann wieder der „normale“ Spielbetrieb.

Schiffgens sieht diese Entwicklung skeptisch, versucht jedoch ihr auch einen positiven Aspekt abzugewinnen. „Auf diese Weise können die Eltern in den Vereinssport reinschnuppern“, sagt er. Ob sie sich ab der F-Jugend allerdings mehr für den Sport begeistern könnten, sei fraglich. Positiv gegenüber steht er dem Neubaugebiet in Teveren.

„Wir hoffen, dass einige junge Familien dorthin ziehen, die sich dem Verein anschließen“, sagt er. Auch zur Nato-Airbase habe man einen guten Draht. Immer wieder melden Mitarbeiter ihre Kinder im Verein an.

Frank Lohmann, Vorsitzender des FC Rhenania 1910 Immendorf hält von den Spielfesten nicht viel. „Mit Fußball hat das sehr wenig zu tun, und die Kinder wollen einfach Fußball spielen“, sagt Lohmann. Er meint, dass es nicht nur schwierig sei, die Kinder, sondern auch die Eltern für dieses Spielprinzip zu begeistern.

„Ich halte davon gar nichts“, sagt er. Derzeit besteht die Jugendabteilung des Vereins aus F-Jugend, E-Jugend, B-Jugend und A-Jugend. Ab der kommenden Saison solle es auch eine Bambini-Mannschaft geben. Der Verein befinde sich im Aufschwung.

Komplett abmelden?

Das sah vor fünf Jahren allerdings noch ganz anders aus. Nur noch wenige Kinder und Jugendliche gehörten damals dem Verein an, die Verantwortlichen überlegten sogar, ob sie die Jugendabteilung nicht komplett abmelden sollten. „Wenn wir nichts getan hätten, dann hätten wir schon verloren. Wir haben die Ärmel hochgekrempelt, und alle haben mitgezogen, darauf bin ich sehr stolz“, sagt Lohmann.

Durch Kooperationen mit Kindergärten und der Grundschule in Immendorf sei der Verein schließlich wieder gewachsen.

Auch mit dem Finden von Trainern und Betreuern habe man in Immendorf keine Probleme. Auf jede Mannschaft kämen drei Trainer, sagt Lohmann. Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern funktioniere einwandfrei. Über desinteressierte Eltern könne man sich nicht beschweren. „Bei den Spielen, auch wenn sie auswärts stattfinden, ist der Besuch immer groß“, sagt Lohmann.

Lösungsoption

Schiffgens spricht auch offen das Thema Vereinsfusionen an. „Es wäre eine zusätzliche Lösungsoption für das Nachwuchsproblem einzelner Vereine. Hier sehe ich aber auch die Stadt über die Stadtsportverbände gefordert, Leute zusammen zu bringen und gemeinsam Konzepte zu entwickeln. Es darf dabei auch kein Tabu sein, Sportplätze zurückzubauen, zum Beispiel in Prummern“, meint er. Durch den Verkauf als Bauland für Wohngebiete könnten bestehende Sportanlagen modernisiert und ausgebaut werden.

Ein weiteres Problem sei der Ganztagsunterricht, der vor allem die älteren Spieler betreffe. „Manchmal kommen die Jungs direkt zum Training und waren vorher nicht zu Hause. Das macht das Ganze natürlich nicht einfacher“, sagt Schiffgens.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) und die dazugehörigen Landesverbände regen aus diesem Grund zu Kooperationen zwischen Fußballvereinen und Schulen an. Schiffgens steht dem allerdings kritisch gegenüber. „Vor 14 Uhr kann bei uns kein Training stattfinden, weil auch die Trainer nicht so früh können. Wie sollen sie dann nachmittags an Schulen gehen, um dort AGs zu leiten? In der Praxis gibt es dafür keine Umsetzungsmöglichkeiten“, sagt Schiffgens.

Dieses Problem gibt es beim FC Germania Bauchem nicht. Seit September des vergangenen Jahres wird der Verein von Annika Dahlmanns unterstützt. Sie leistet dort ihr Freiwilliges Soziales Jahr, unterstützt die Trainer der Fußballjugend und leitet in den Grundschulen und offenen Ganztagsschulen Arbeitsgemeinschaften. „So kommen auch mehr Kinder und Jugendliche zu uns“, sagt die Vorsitzende Christel Coenen.

Und wie sieht es mit Betreuern aus? „Die kommen auch langsam wieder nach“, sagt Coenen. Acht Jugendmannschaften mit insgesamt 180 Kindern trainieren beim FC Germania Bauchem. Darunter sind auch 30 Flüchtlingskinder, die am Training teilnehmen. Nachwuchssorgen habe der Verein nicht, sagt Coenen.

„Wir unternehmen aber auch viel“, sagt sie. Zeltlager und Ausflüge seien neben dem Training wichtig, um die kleinen Sportler im Verein zu halten. Das scheint dem Nachwuchs zu gefallen. Von den Bambinis bis hin zu den B-Junioren sind alle Altersklassen vertreten. Eine A-Jugend gibt es derzeit allerdings nicht.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert