Geilenkirchen - Jugendamt: Die Zeit der schlaflosen Nächte ist vorbei

Jugendamt: Die Zeit der schlaflosen Nächte ist vorbei

Von: st
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Er zieht eine positive Bilanz: Jugendamtsleiter Wilfried Schulz: Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Wenn Geilenkirchens Bürgermeister Georg Schmitz am Mittwoch, 25. November, den kompletten Haushaltsentwurf für das Jahr 2016 einbringt, kann sich Wilfried Schulz, Leiter des Jugend- und Sozialamtes, zufrieden zurücklehnen. Sein Haushaltsentwurf für das Jugendamt zeigt eindeutig positive Tendenzen.

Der Zuschussbedarf des Jugendamtes ist seit fünf Jahren stabil, im kommenden Jahr steigt er nur geringfügig um 35.000 Euro. Die Ausgaben steigen von 10.328.100 Euro auf 11.348.800 Euro, die Einnahmen von 4.685.700 auf 5.671.500. Somit steigt der Zuschussbedarf von 5.642.400 Euro auf 5.677.300 Euro. „Vor sechs Jahren noch haben wir hier mit Schweißperlen auf der Stirn gesessen. Aber jetzt haben wir keine schlaflosen Nächte mehr. Wir müssen uns nicht mehr die Zeit zurückwünschen, in der wir kein eigenes Jugendamt hatten“, erklärte er kürzlich im Jugendhilfeausschuss.

Im Gespräch mit unserer Zeitung macht er deutlich, dass genau das Gegenteil der Fall ist. „Im Vergleich zu anderen Jugendämtern ist eine Kostensteigerung von nur 35.000 Euro eindeutig gegen den Trend“, erklärt er.

Ein großes finanzielles Risiko ist grundsätzlich für alle Jugendämter die Hilfe zur Erziehung. „Der Bedarf steigt erheblich. Immer mehr Menschen fällt es heute schwer, ihre Kinder zu erziehen“, hat der Jugendamtsleiter festgestellt. Die Betreuung durch eine sozialpädagogische Familienhilfe, die Unterbringung in einer Pflegefamilie oder gar Heimerziehung sind die Folgen.

Manche Eltern seien mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert, weil sie beispielsweise selbst psychisch krank sind. Da die unterzubringenden Kinder und Jugendlichen immer schwieriger würden, sei ein besserer Personalschlüssel in den Heimen erforderlich. Folglich steigen die Kosten: „Nach traumatischen Erlebnissen, beispielsweise nach sexuellem Missbrauch, ist eine teure 1:1-Betreuung erforderlich. Die Kosten für einen Heimplatz belaufen sich auf 4000 bis 10.000 Euro im Monat“, sagt Schulz. Unkalkulierbar für eine Stadt sind Zuzüge. So hatte das Jugendamt Geilenkirchen im Jahr 2010 eine Kostensteigerung infolge zahlreicher Zuzüge von Familien in einen großen sanierten Wohnkomplex.

„Seit fünf Jahren aber sind die Zahlen stabil“, erklärt Schulz und nennt die Gründe: Mit anderen Jugendämtern im Kreis Heinsberg habe man mit Anbietern der ambulanten Jugendhilfeleistungen Vereinbarungen getroffen. „Mittlerweile arbeiten wir mit 15 freien Trägern der Jugendhilfe zusammen“, erklärt Schulz.

„Soziale Gruppe“ eingerichtet

30 Kinder, die durch Erziehungsdefizite, Schulversäumnisse oder Straftaten auffällig wurden, besuchen eine „soziale Gruppe“. Durch die sozialpädagogische Betreuung in der Gruppe könne eine Heimunterbringung vermieden und eine Reduzierung der Fallkosten um zwei Drittel erreicht werden.

„Ohne eigenes Jugendamt wüssten wir oft nicht, welche Probleme es in der Stadt gibt. Jetzt beeinflussen wir beispielsweise auch den Wohnungsmarkt. Wir stellen keine Bedarfsbestätigung mehr für sozialen Wohnungsbau aus, um den Zuzug von sozial schwachen Familien zu begrenzen“, sagt Schulz. In Geilenkirchen werde nur noch altersgerechter und behindertengerechter Wohnraum gefördert.

Gut vernetzt

Durch gute Vernetzung des Jugendamtes mit Schulen und Kindergärten könnten kostengünstige Einzelfallhilfen geleistet werden, sagt Schulz und verweist auf das Familienpatinnen-Modell und auf Familienhebammen.

Schulz betont, dass es sich bei den Ausgaben ausschließlich um Pflichtaufgaben handelt: Hilfen zur Erziehung, Kindergartenangelegenheiten, Unterhaltsvorschuss, und Vormundschaften. „Aber durch das eigene Jugendamt haben wir unsere Stadt besser kennengelernt und Gratiseffekte erzielt“, sagt der Amtsleiter und erinnert an die vor Jahren erstellte und finanziell geförderte Sozialraumanalyse, an das Bundesprogramm „Toleranz fördern, Kompetenz stärken“, durch das 350.000 Euro nach Geilenkirchen geflossen sind, an die Bauchemer Begegnungen, an den Bürgertreff und an die Arbeit mit Migranten.

„Ohne Jugendamt wüssten wir nichts über soziale Brennpunkte und Armut. Durch das Jugendamt haben auch sozial engagierte Menschen eine Plattform gefunden.“

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