Jugend will mehr Polizei auf der Straße

Von: Udo Stüßer
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Gemeinsam gegen Drogenkonsum auf dem Marktplatz (von links): Jugendpflegerin Anne Hahnen, Denis Lemmens vom Stadtjugendring, Markus Kaumanns, Mitarbeiter im Jugendamt, und Michael Goebbels, Leiter der Sozialen Dienste im Jugendamt. Foto: Udo Stüßer
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Mehr als 20 Jahre alt und immer wieder sanierungsbedürftig: die Skateranlage im Wurmauenpark. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Auf öffentlichen Plätzen im Geilenkirchener Stadtkern – im Wurmauenpark, auf dem Marktplatz, am Bahnhof – werden von älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen Drogen konsumiert. Dies geschieht nicht vor der Öffentlichkeit versteckt, sondern auf offener Straße und zum Leidwesen vieler Jugendlicher.

Deutlich machten junge Leute diesen Missstand kürzlich bei einer von Geilenkirchener Jungpolitikern ins Leben gerufenen Veranstaltung „Jugend trifft auf Politik“ im Geilenkirchener Rathaus.

Gespräch mit der Polizei

„Die Jugendlichen selbst wünschen sich mehr Präsenz von Polizei und Ordnungsamt auf der Straße“, hat auch Michael Goebbels, Leiter der Sozialen Dienste des Geilenkirchener Jugendamtes, in Gesprächen mit Jugendlichen festgestellt. „Allerdings ist das städtische Ordnungsamt keine Strafverfolgungsbehörde. Wir haben das Gespräch mit der Polizei gesucht und die Zusammenarbeit intensiviert. Es werden nun vermehrt Jugendschutzkontrollen vorgenommen“, erklärt Goebbels.

Dies bestätigt auch Karl-Heinz Frenken, Sprecher der Kreispolizei Heinsberg: „Das Treffen zur Thematik Betäubungsmitteldelikte im Stadtgebiet Geilenkirchen hat in der vergangenen Woche stattgefunden. Wir sind aber schon seit längerer Zeit im Gespräch. Dabei wurde aus polizeilicher Sicht dargestellt, dass zwischen November 2016 und Juni 2017 insgesamt 13 Delikte in der Innenstadt von Geilenkirchen festgestellt und bearbeitet wurden, die einen Betäubungsmittelbezug hatten.“

Damit liege Geilenkirchen auf dem gleichen Niveau wie die anderen Kommunen im Kreisgebiet. Bei dem jüngsten Treffen sei vereinbart worden, dass die bereits bestehenden guten Kontakte zwischen Ordnungsamt, Jugendamt, Schulen und Polizei in Geilenkirchen noch weiter intensiviert werden sollen.

Die Behörden, so erklärt Frenken weiter, würden die im Gespräch mit den Jugendlichen genannten Orte häufiger in Uniform oder auch in Zivil bestreifen und dort Kontrollen vornehmen.

„Wir waren erstaunt, dass das Thema von den Jugendlichen selbst eingebracht wurde“, fügt Markus Kaumanns, Mitarbeiter im Jugendamt und Geschäftsführer des Stadtjugendrings, hinzu.

Der Stadtjugendring ist Sprachrohr der Geilenkirchener Jugend und Bindeglied zwischen Jugendlichen, Verwaltung und Politik. Goebbels befürchtet, dass jüngere Jugendliche vergessen, dass Drogenkonsum illegal ist, wenn er auf offener Straße vollzogen und nicht sanktioniert wird. „Die Hemmschwelle ist sehr niedrig, wenn Drogen an jeder Ecke angeboten werden und man kurze Wege hat“, sagt Anne Hahnen, Jugendpflegerin der Stadt Geilenkirchen.

Zwischenzeitlich haben Mitarbeiter des Jugendamtes Gespräche mit den weiterführenden Schulen geführt und mit ihnen eine sogenannte Suchtvereinbarung getroffen. Denn alle Beteiligten glauben, dass das Problem im Laufe der Jahre größer geworden ist. In der Suchtvereinbarung wurde klar festgelegt, wie mit Schülern zu verfahren ist, die beim Drogenkonsum erwischt werden. Wann wird das Jugendamt hinzugezogen? Wann werden die Eltern informiert? Welche Sanktionen erfolgen? Ist sogar ein Schulverweis erforderlich?

„Der Gruppenzwang ist groß. Man will dazugehören“, schildert Denis Lemmens, Schüler am St.-Ursula-Gymnasium. Der 17-Jährige ist Mitglied des Stadtjugendrings und betreut Jugendliche als Teamer im evangelischen Jugendheim Zille. „Vielen ist einfach nicht klar, wie schädlich der Drogenkonsum ist. In den Schulen gibt es mehr Veranstaltungen, in denen über die Wirkung von Alkohol und Zigaretten aufgeklärt wird“, sagt er.

Was den Schüler maßlos ärgert, sind die Zustände am Bahnhof. „Nach 19 Uhr wird man von denen angepöbelt, die harte Drogen nehmen. Das sind ältere Jugendliche, die Streit suchen.“ Anne Hahnen hat derweil festgestellt: „Der Drogenkonsum im öffentlichen Raum wirkt auf viele Jugendliche sehr belastend. Die jungen Leute fühlen sich in der Stadt so unwohl, dass sie sich uns gegenüber öffnen.“

Michael Goebbels will künftig die Präventionsarbeit noch weiter verstärken. „Wenn Eltern überfordert sind, bieten wir Hilfestellung und Erziehungsberatung an oder vermitteln den Kontakt zur Suchtberatung. Wenn wir von Cannabis-Konsum erfahren, wird auf jeden Fall die Jugendgerichtshilfe eingeschaltet“, sagt Goebbels.

Der Wurmauenpark ist nicht nur wegen des Drogenkonsums im Gespräch bei den Jugendlichen. Hier, am Rande der idyllischen Seenlandschaft, befindet sich die bei den Jugendlichen sehr beliebte Skateranlage, die nicht nur von Skatern, sondern von vielen Fun-Sport-Fahrern genutzt wird. Scooter- und BMX-Fahrer, Skater und Inliner treffen sich hier ebenso wie die Basketballer, die auf dem benachbarten Feld ihren Sport ausüben.

Die Anlage ist mehr als 20 Jahre alt, die Pipe muss regelmäßig ausgebessert werden, weil immer wieder Löcher das Fahrvergnügen stören. „Können diese Geräte noch einmal aufbereitet werden? Oder müssten neue Geräte her?“, fragt sich nicht nur Jugendpflegerin Anne Hahnen.

Doch wer bezahlt das, lautet eine andere Frage. Die Kosten für eine kleine Anlage liegen im fünfstelligen Bereich, nach oben gibt es kaum Grenzen. Der Stadtjugendring hofft in diesem Fall auf Sponsoren. Um die Wünsche und Vorstellungen der Jugendlichen zu erfragen, findet am kommenden Dienstag, 4. Juli, 19 Uhr, eine Vollversammlung des Stadtjugendrings auf der Skateranlage statt. Jeder Jugendliche ist zu dieser Versammlung eingeladen.

Keine schnellen Lösungen

Jugend trifft Politik: Die jungen Leute haben im Ratssaal offen über ihre Sorgen und Wünsche gesprochen, die Politik hat zugehört. Was nun? „Die Jugendlichen erhoffen sich schnelle Lösungen, sehen aber nach drei Monaten keine Ergebnisse“, bedauert Denis Lemmens, während Michael Goebbels um Verständnis wirbt: „An den Problemen wird gearbeitet, mit den betreffenden Institutionen werden Gespräche geführt. Aber so schnell können wir die Probleme nicht lösen.“ Anne Hahnen meint dazu: „Es muss aber eine Transparenz geschaffen werden. Die Jugendlichen müssen sehen, dass daran gearbeitet wird, sonst verlieren wir sie.“

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