Jürgen Völker: Ein Künstler bunt wie sein Berufsleben

Von: Karl-Heinz Hamacher
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„Mit Lila habe ich vorher nie
„Mit Lila habe ich vorher nie gemalt!” Jürgen Völker experimentiert gerne mit seinen Arbeiten. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Schierwaldenrath. Jürgen Völker ist ein Mann, der sich schwer einordnen lässt. Redet man mit ihm über sein künstlerisches Schaffen, ist er schnell beim Thema Kunstunterricht in der Gangelter Hauptschule.

Fragt man nach dem unübersehbaren Einfluss eines Franz Marc auf seine Bilder, fällt ihm ein, dass er ja auch das Waschbecken in der Gästetoilette selbst geschaffen hat, weil eines „von der Stange” nicht gefallen konnte.

Durch einen äußerst bewegten Lebensweg zieht sich die Malerei wie ein roter Faden. Onkel Franz war es, der dem heute 57-Jährigen vor 42 Jahren einen Ölmalkasten geschenkt hat. Das erste Bild? Darüber will er nicht reden, es war nämlich eine Vorlage aus dem Malkasten, so was wie „Malen nach Zahlen”.

Das entwickelte sich allerdings schnell zu einem kreativen Umgang mit dem Pinsel und sollte schließlich auch seine Studienrichtung bestimmen: Kunst und Biologie. Kunst studierte er bei Professor Elisabeth Matare und Professor Benno Werth.

Bis er aber zum ersten Mal einen Hörsaal betrat, hatte er schon ein buntes Berufsleben vorzuweisen. Eigentlich wollte er Grafiker werden; das wollten aber die Eltern nicht. So lernte er Schaufenstergestalter bei Horten in Aachen, war im Allkauf für die Gemüseabteilung zuständig und machte dann eine Ausbildung bei der Bundesbahn im „nicht technischen Dienst”.

Für einige Zeit saß er im Stellwerk Würselen, „wo ich auch sehe viel gemalt habe”, erinnert er sich daran, dass all das nicht das Seine war. Das Abitur wurde nachgeholt, Lehramt studiert, und als er 1982 mit dem Referendariat fertig war, brauchte man in Deutschland keine Lehrer mehr.

Er jobbte auf dem Bau, bekam eine ABM-Stelle bei der Stadt Eschweiler, wo er als Biologe für ein Baumkataster verantwortlich war.

„13.400 Bäume habe ich in Eschweiler gezählt und erfasst”, lacht er heute über diese Zeit. Dann kam eine Arbeit, die Spaß machte: 1988 fing er bei der Ausbildungsbegleitenden Hilfe in Hückelhoven an und wurde dort zwei Jahre später Leiter. „Schüler aufpäppeln”, nennt er das Ziel dieser Zeit.

Nach zehn Jahren hatte er sich in diesem Leben eingerichtet, als ein Brief von Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes kam. Er werde nun als Lehrer gebraucht, hieß es da, und er entschied sich, in den Schuldienst zu wechseln. Bis 2009 teilte er seine Arbeit. Einmal war er an der Hauptschule Gangelt tätig, den anderen Teil absolvierte er in der Geilenkirchener Schulwerkstatt. Danach gab es nur die GHS Gangelt.

Das Pferdebild im Wohnzimmer erinnert stark an die berühmten Tiermotive des Franz Marc. Ähnlich wie dieser, ist auch Jürgen Völker in vielen Stilrichtungen zuhause. Da hängt Impressionismus neben einem expressionistischen Bild.

Da gibt es ein Fensterbild, bei dem man Innen und Außen nicht unterscheidet. „Ein bisschen vom Surrealismus beeinflusst”, erzählt er und holt den Malblock, auf dem ein fliegender Hahn über einer seltsamen leeren Landschaft zu sehen ist: „Gleiche Stilrichtung”, heißt es.

Mohnblumen hängen da. Sieht aus, wie ein klassisches Posterbild - ist es aber nicht. Die Ölfarben sind teilweise extrem dicht aufgetragen, geben dem Bild etwas Dreidimensionales.

„Bei den ersten Ölfarben waren mir die Tuben zu klein, die Farben zu flüssig”, erzählt er, wie er schnell dazu kam, die vier Grundfarben in großen Tuben zu kaufen und alles selber dick zu mischen. „Dick deshalb, weil ich den Widerstand spüren muss!” Dann bringt die Malerei ihm eine innere Befriedigung.

„Es entspannt mich, es ist eine Form, mich auszudrücken, Gefühle zu zeigen.” Jürgen Völker zeigt Arbeiten aus Speck- und Sandstein, nicht nur hinter der Terrasse findet man großflächige Mosaiken. „Gaudi im Garten”, heißt eine Arbeit, die man sehen muss, um sie zu verstehen.

Ausgestellt hat er seine Arbeiten im Kreis Heinsberg und darüber hinaus. In der Malwerkstatt „EigenArt F97” in der Friedrichstraße 97 in Aachen, die seinem Bruder Bernd gehört, sind auch ständig Arbeiten zu sehen.

Apropos Völker´sche Vielfalt: Mauern ist hier nicht einfach Steine aufeinandersetzen, alte Autos werden von Grund auf restauriert, zur Zeit eine „Ente”. Auch Möbel werden selber gemacht.

In der Aachener Malwerkstatt „EigenArt F97” gibt Jürgen Völker diverse Kunstkurse. Gerne würde er das auch zu Hause in Schierwaldenrath tun.

Ihm schwebt da zum Beispiel ein Steinmetzkurs vor, in dem in Sand- oder Speckstein gearbeitet werden soll. Interessenten können sich bei ihm unter Tel. 02454/8380 melden.

Wer Jürgen Völker und seine Werke kennenlernen will, kann dies bei der 9. Kunstausstellung „GK Life Art”.

Diese Kunstausstellung mit zahlreichen Künstlern aus der ganzen Region findet statt am Sonntag, 11. September, 11 bis 18 Uhr, im Sportpark Loherhof in Geilenkirchen.

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