Gangelt - Jüdische Familie Leopold: In ständiger Angst die Nazi-Herrschaft überlebt

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Jüdische Familie Leopold: In ständiger Angst die Nazi-Herrschaft überlebt

Von: rk
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Jüdisches Leben in Gangelt: Eine Schautafel im Rathaus erinnert die Menschen, die unter der NS-Herrschaft zu leiden hatten. Foto: Kolodzey

Gangelt. „Jede Geschichte einer jüdischen Familie ist eine neue, beeindruckende Geschichte über das, was in der nationalsozialistischen Zeit passierte. Bei der Familie Leopold ist sie glücklich und tröstend, doch viele waren nicht so“, sagte Josef Backhaus, Sprecher der Initiative „Stolpersteine helfen… auch in Gangelt“ anlässlich des Vortrags der Tochter von Erich Leopold, Jackie, die mit ihrer Tochter Rachel Achs für die Verlegung der Stolpersteine aus den USA angereist war.

„Wir bleiben nur vier Tage in Europa – zwei Tage in Gangelt und zwei Tage in Tilburg“, erzählte Jackie Leopold und betonte, dass es ihr sehr am Herzen liege, die Erinnerung an den Überlebenskampf ihrer Familie wachzuhalten. Hierzu gehöre der Vortrag, den sie im kleinen Sitzungssaal des Rathauses hielt. Parallel zum Vortrag wurden alte Fotos der Familie auf eine Leinwand projiziert, die teils auch auf Schautafeln im Erdgeschoss des Rathauses ausgestellt sind.

Die Verfasserin der Abhandlung ist die Niederländerin Ans Holsmann, Mitarbeiterin des Amtes für Geschichte der Stadt Tilburg, in der die Familie Leopold während der Naziherrschaft Unterschlupf fand. Jo Gielen, Mitglied des Initiativkreises, übersetzte den Text ins Deutsche. Er schildert aus der Sicht von Tochter Jackie die lebensbedrohliche Situation der Familie, ehe sie in die USA emigrierte.

Ida und Lion Leopold waren Jackies Oma und Opa. Sie lebten in der Sittarder Straße 20 und hatten vier Kinder – Hugo, Frieda, Else und Erich. Erich ist Jackies Vater. Opa Lion, Onkel Hugo und Vater Erich waren als Viehhändler in Gangelt tätig, doch ab 1938 war es Juden verboten, Handel zu treiben, daher konnten sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten. Die verheirateten Töchter Frieda und Else waren schon vorher nach England geflüchtet.

Onkel Hugo und Vater Erich verließen 1938 im Alter von 31 und 26 Jahren Gangelt, um in Brunssum Verwandte zu besuchen. Sie kehrten jedoch nicht zurück, sondern reisten nach Hellevoetsluis in der Nähe von Rotterdam. Vom dortigen Bürgermeister bekamen sie eine Aufenthaltsgenehmigung.

Die Oma und der Opa lebten jedoch immer noch in Gangelt, wo sie die Auswirkungen der Kristallnacht zu spüren bekamen. Ihr Nachbar, Bäckermeister Fritz Dömges half ihnen so gut er konnte. 1939 durften sie legal in die Niederlande einreisen. Schon 1940 jedoch mussten sie Hellevoetsluis verlassen, da Ausländern das Wohnen an der Küste wegen Spionageverdachts verboten worden war. Sie zogen nach Tilburg.

In die USA emigriert

Während des Aufenthalts in Hellevoetsluis hatte Onkel Hugo seine zukünftige Frau kennengelernt und 1941 geheiratet. Plötzlich, im August 1942, sollten alle jüdischen Einwohner in Arbeitslager in Ost-Europa überführt werden. „Mein Vater Erich flüchtete jedoch nach Paris und verbrachte dort als Untergetauchter die gesamten Kriegsjahre“, hieß es.

Auch die Oma, der Opa sowie der Onkel Hugo mit Familie versteckten sich. Im Mai 1944 zog Hugo mit Frau und Kindern nach Oisterwijk in der Nähe von Tilburg, wo die Familie mit gefälschten Papieren lebten. Im Oktober 1944 kam die Befreiung. Letztlich emigrierten alle in die USA.

Beeindruckt von der erschütternden Geschichte zollten die zahlreichen Gäste reichlich Beifall, und eine angeregte Diskussion entspann sich, in der die beiden Besucherinnen aus den USA viele Fragen beantworteten.

„Insgesamt wollen wir noch für 42 Personen Stolpersteine verlegen“, stellte Josef Backhaus zum Abschluss in Aussicht, „damit der Menschen von damals gedacht wird – so sind sie nicht vergessen, sondern werden wieder in unser Leben hinein geholt.“

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