Jetzt kreist die Säge wieder in der Teverener Heide

Von: Udo Stüßer
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Wo vor drei Jahren ein ganzes Waldstück auf Stock gesetzt wurde, wachsen jetzt wieder Bäume und Sträucher. Flugsicherheitsoffizier Ekkehard Heinichen weist auf eine etwa drei Meter hohe Eiche zwischen Brombeersträuchern. Foto: Udo Stüßer
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Kahlschlag in einer Nacht- und Nebelaktion: Diese Maßnahme am Heidestadion zog vor drei Jahren die Proteste der Bevölkerung nach sich. Foto: Udo Stüßer
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Auch zu hoch geratene Sträucher, wie hier bei der Landebefeuerung, können die Piloten stören. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Vor drei Jahren war die Empörung groß. Es hagelte Proteste aus der Bevölkerung, beim Teverener Ortsvorsteher Hans-Josef Paulus stand das Telefon nicht mehr still: In der Teverener Heide kreiste die Axt. Eine niederländische Firma hatte im Auftrag des Bundesforstes ein Waldstück am Heidestadion dem Erdboden gleich gemacht.

Die Abholzaktion wurde in den politischen Gremien diskutiert. Natürlich hatte man Verständnis für die Mitteilung des Bundesforstes, dass Bäume zu hoch geraten seien und auf Bitten der Nato Hindernisfreiheit hergestellt werden müsse, um die Flugsicherheit zu gewährleisten. Was den Menschen damals bitter aufstieß war die Tatsache, dass ein ganzes Waldstück zwischen Rasen- und Ascheplatz in einer Nacht- und Nebelaktion der Säge zum Opfer fiel.

Mittlerweile betreibt der Bundesforst eine offensivere Informationspolitik: Im November informierten Vertreter der Behörde die Mitglieder des Geilenkirchener Bauausschusses über die geplanten Maßnahmen zum Erhalt der Hindernisfreiheit für startende und landende Awacs-Flugzeuge. Auch Oberstleutnant Ekkehard Heinichen, Flugsicherheitsoffizier des E-3A-Verbandes, stand im Ausschuss für Fragen zur Verfügung. Fest steht: Um einen sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten, ist auf jeder Seite der Start- und Landebahn auf einer Breite von 150 Metern Hindernisfreiheit herzustellen. Entlang der Bahn und darüber hinaus ist die Heide in Sektoren eingeteilt, in denen unterschiedliche Baumhöhen zugelassen sind. In den nächsten Tagen fällt der Startschuss für weitere Fällmaßnahmen.

Die Eichen wachsen wieder

Ekkehard Heinichen gewährleistet für den Awacs-Verband die Flugsicherheit. Dabei hat er alle Hindernisse im Umfeld des Nato-Flugplatzes im Blick: Bäume, Sträucher, Windräder, Kirchtürme „und sonstige von Menschenhand geschaffene Strukturen“, wie er es ausdrückt. Während Kirchtürme und Windräder in der Regel nicht an Höhe zunehmen, wachsen Bäume gen Himmel. Geraten sie zu hoch, müssen sie gekürzt werden. „Privateigentümer der Heide sind grundsätzlich für die Schaffung von Hindernisfreiheit selbst verantwortlich.

Stadteigene Flächen werden in Übereinstimmung mit dem Naturschutzgesetz durch den Bundesforst bearbeitet“, erklärt der Flugsicherheitsoffizier. Wie die Fläche dann bearbeitet wird, entscheiden weder Nato noch Stadt, sondern die Fachleute des Bundesforstes. Entweder werden die Baumwipfel gekappt oder die Bäume auf Stock gesetzt, also bodennah gefällt. „Wenn man bei einer Kiefer lediglich die Krone abschneidet, produziert man Totholz. Auch eine Eiche kann ich auf Stock setzen. Sie treibt dann wieder aus, und der Baum bleibt am Leben. Andererseits kann man nicht jeden Baum auf Stock setzen“, erklärt Heinichen.

Bestes Beispiel ist genau jenes Waldstück zwischen den Sportplätzen, das vor drei Jahren zum Unmut der Bevölkerung komplett auf Stock gesetzt wurde: Zwischen Fingerhut und Brombeersträuchern wachsen auch die Eichen wieder. Einige sind jetzt schon etwa drei Meter hoch. „Die Natur hat sich nichts nehmen lassen. Hier entsteht ein Kleinbiotop“, sagt der Oberstleutnant. So große Flächen wie im Jahr 2014 werden der Säge nicht zum Opfer fallen. „Der Bundesforst wird im gesamten Anflugbereich kleinräumig arbeiten“, versichert Heinichen und weist beispielhaft auf einige Bäume nahe des Ascheplatzes hin: „Diese Bäume dürfen die Höhe der Flutlichtanlage nicht überschreiten.“

Heinichen kennt noch etliche Stellen in der Heide, an denen die Hindernisfreiheit ohne Eingriff bald nicht mehr gewährleistet ist. Von der Anflugbefeuerung aus sieht man auch sehr deutlich, dass die Eichen an der Kreisstraße 3 zwischen Teveren und Nierstraß zu hoch geraten sind. „Hier müssen sicherlich nur die Baumkronen gekürzt werden“, meint Heinichen. Aber das haben letztendlich die Fachleute zu entscheiden. Dass es nicht nur Bäume sind, die zu hoch geraten sind, sondern auch Sträucher ein Hindernis darstellen, zeigt er im Bereich der Anflugbefeuerung. Hier haben landende Awacs-Aufklärer eine Höhe erreicht, in der große Sträucher stören können. „Auch die Feuerebene wird freigeschnitten“, sagt Heinichen. Ende Februar soll die Maßnahme abgeschlossen sein.

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