Jetpilot als Bürgermeisterkandidat der Grünen

Von: Markus Bienwald
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Er kommt aus einer sozialdemokratisch gesinnten Bergarbeiterfamilie, kann sich selbst politisch aber besser mit den Grünen identifizieren: Frank Kozian. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Nein, Parteisoldat ist er sicher nicht. Auch wenn sein Beruf, er ist Bundeswehr-Offizier bei der Nato, dieses Wortspiel vielleicht nahelegt. Frank Kozian, der aus Schleswig-Holstein stammt und seit 1998 in der ehemaligen Zechengemeinde eine neue Heimat gefunden hat, sieht sich als eigener Bürgermeisterkandidat von Bündnis 90/Die Grünen viel mehr in der Verantwortung, nicht nur irgendwelche Beschlüsse durchzuwinken, sondern immer wieder gemeinsam konstruktiv nach Lösungen zu suchen.

„Sich gegenseitig Dinge aus der Vergangenheit vorzuwerfen, nur um damit Wahlkampf zu machen, liegt mir nicht“, sagt der 51-Jährige.

Seine Wahl zum Bürgermeisterkandidaten darf durchaus als Überraschung gewertet werden. Schließlich sind wohl viele Beo-bachter der lokalen Szene eher davon ausgegangen, dass die Grünen den SPD-Kandidaten unterstützen. „Natürlich bleibt es bei der engen Zusammenarbeit mit der SPD, mit der wir nicht nur über die Jahre hinweg, sondern auch aktuell viele Schnittpunkte haben“, bekräftigt Kozian, der seit 2013 das Amt des Vorstandssprechers bekleidet. Diese Zusammenarbeit mit der SPD sieht er auch nach der Wahl. Seine eigene Kandidatur soll aber auch als basisdemokratische Entscheidung verstanden werden, sagt er: „Denn die Mitglieder haben einstimmig entschieden, dass wir einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellen und mich auch einstimmig gewählt.“

Zerwürfnisse zu stiften und Gräben zu ziehen sind für den Berufssoldaten, der durch seine besonderen Qualifikationen auch zu Untersuchungen von Flugunfällen herangezogen wird, kein Thema. Dennoch liegt es in seiner Natur, zu kämpfen und immer wieder einen eingeschlagenen Weg zu gehen. „Mein großes Kämpferherz und den Sport entdeckte ich beim Tennis“, sagt er, der auch schon mal gerne einen Marathon läuft. Seine Mitarbeiter wissen: Wenn der Frank eine Runde mit den Laufschuhen dreht, dann kommt er voller Ideen wieder zurück. „Ich kann beim Laufen wunderbar abschalten und zugleich Dinge überdenken und Lösungen finden“, sagt er. Ehrenamtlich in der Politik zu arbeiten, wie es bisher war, ist für ihn so etwas wie der „sitzende Ausgleich“ zu seinem vitalen Dasein.

Zu diesem gehört auch die Pflege des grünen Kreisverkehrs in Übach-Palenberg. Direkt an der Zufahrt nach Palenberg gelegen, gibt er den Betrachtern einen Eindruck davon, was mit ehrenamtlichem Einsatz möglich ist. „Ich bin mindestens einmal die Woche da“, unterstreicht Kozian, dann werden die Gewächse gepflegt und auch die Lore und der stilisierte Bergbaustollen, die dort zu sehen sind, auf Vordermann gebracht. Für einen, der aus einer Bergarbeiterfamilie kommt, ist das natürlich eine Verpflichtung. Und vielleicht ist es auch ein Ausgleich zwischen seiner Arbeit, die ihn immer wieder in die Lüfte steigen lässt, und der Erdverbundenheit, die ein Lokalpolitiker sicherlich braucht.

Für die Stadt wünscht er sich, dass die Verwaltung mehr in die Pflicht genommen wird. „Dort sitzen hervorragende Mitarbeiter, die einfach die Chance haben müssen, sich mehr einzubringen“, schließt Kozian. Und für ihn gilt, dass es immer um ein professionelles Verhältnis gehen muss am Arbeitsplatz. „Ein Parteibuch darf da keine Rolle spielen“, sagt er, allein Fähigkeiten und nicht zuletzt auch die Möglichkeit, einen gemeinsamen Konsens zu finden, seien hier entscheidend. Und das führt ihn zurück zu seiner Tätigkeit als zertifizierter Flugunfall-Untersuchungsoffizier. „Da muss ich mich immer wieder fragen, warum Menschen Fehler machen und letztlich das Ganze so passiert ist, wie es passiert ist.“

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