Geilenkirchen - Jedes Kind wird ganz individuell gefördert

Jedes Kind wird ganz individuell gefördert

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Geilenkirchen. „Ich war 25 Jahre alt, als mein zweiter Sohn Enes auf die Welt kam“, erzählt Arzu Pilge, eine junge Mutter von drei Kindern aus Übach-Palenberg. Die Freude in der Familie war groß, wurde jedoch von großen Sorgen überschattet. „Es war eine Frühgeburt, die Ärzte stellten eine Hirnschädigung und damit verbundene Epilepsie fest.“

Viele Klinikaufenthalte folgten, die junge Familie musste sich früh darauf einstellen, dass sich ihr Alltag von dem anderer Familien unterscheiden würde und ohne Unterstützung nicht zu bewältigen wäre. „Eine echte Hilfe für uns ist die Margret, sie hat sich in den letzten Jahren viel um uns gekümmert.“

Margret Simons hat die Familie Pilge vor zwei Jahren in der Kindertagesstätte Triangel Geilenkirchen kennengelernt. In dieser integrativen Einrichtung der Lebenshilfe Heinsberg werden 61 Kinder im Alter von zwei Jahren bis zum Schuleintritt begleitet und gefördert: Ein interdisziplinäres Team aus Pädagogen, Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden engagiert sich täglich für eine bestmögliche Förderung für Kinder mit und ohne Behinderung. Die Heilpädagogin Margot Simons ist hier Bindeglied zwischen Familie und Fachpersonal. „Wir bieten heute die unterschiedlichsten Förder- und Therapiekonzepte und haben uns auf vielen Ebenen spezialisiert, um jedem Kind eine höchst individuelle Förderung zu bieten“, erklärt Birgit Roye, Leiterin der Kindertagesstätte.

Doch bei aller Professionalität müsse ganzheitlich und systemisch neben dem Kind auch dessen Umfeld wahrgenommen werden. „Wir starteten eine gezielte Umfrage der Eltern und Erziehungsberechtigten und erfuhren so, wo kommunikative Schwierigkeiten und Probleme zwischen Einrichtung und Familie auftreten können.“ So gebe es immer noch Eltern, die Bedenken haben, ihr nicht behindertes Kind in einer integrativen Einrichtung begleiten zu lassen. „Auch wenn wir um die gegenseitige soziale Bereicherung des integrativen Zusammenlebens wissen, müssen die Familien mitgenommen und überzeugt werden“, so Birgit Roye. Denn auch Eltern von Kindern mit Behinderung haben manchmal Bedenken, ob ihr Kind in einer integrativen Gruppe ausreichend gefördert wird und nicht zu kurz kommt.

Intensivere Verbindung

Manche Eltern brauchen oft auch einfach Zeit, um eine konstruktive Basis des Vertrauens gegenüber der Einrichtung aufzubauen, um die teils unterschiedliche, manchmal auch gegensätzliche Perspektive des Erziehers nachvollziehen zu können. „Am Ende unseres Supervisionsprozesses erkannten wir die Notwendigkeit, eine intensivere Verbindung zu den Familien zu knüpfen“, erläutert Birgit Roye. „Wir schufen eine neue Stelle, die die Beratung der Eltern auch im häuslichen Umfeld übernimmt.“ Margret Simons, die viele Jahre lang eine Gruppe in der Kita geleitet hatte, übernahm nach ihrer intensiven Weiterbildung die „Elternkommunikation“ der Kindertagesstätte. Gleich zu Beginn hatte die Heilpädagogin einen schwierigen Fall. „Seit Wochen kam ein Kind nicht mehr in die Kita. Die normalen Kontaktversuche zur Mutter blieben erfolglos.“ Doch Margret Simons schaffte es, durch einen regelmäßigen Kontakt das Vertrauen der Mutter zu gewinnen.

Margret Simons spricht nicht nur mit den Eltern, sie sucht auch den ständigen Kontakt und Austausch zu ihren Kollegen. „Natürlich nehme ich auch die andere Seite wahr und versuche, die Probleme von der fachlichen und familiären Seite zu erfassen. Manchmal berate ich dann auch meine Kollegen.“ Und oft haben die Eltern keine Probleme, sondern einfach nur den Wunsch, mit jemandem in Ruhe und außerhalb der Bring- und Abholzeiten zu sprechen.

Neben der Elternsprechstunde jeden Freitag von 8.30 bis 10 Uhr organisiert Simons Elterncafés und -nachmittage, um Austausch und Kontakte zu fördern. Hier berät sie auch rund um den Behindertenausweis, die Pflegekasse oder über weiterführende Angebote der Lebenshilfe Heinsberg. „Zuhören können, Geduld und Einfühlungsvermögen oder auch aufmerksam zwischen den Zeilen lesen können sind Eigenschaften, die ein Elternberater mitbringen muss, das kann man nur bedingt erlernen“, erklärt Birgit Roye, „so entstehen Beziehungen, die auch nach der Kita-Zeit häufig bestehen bleiben“.

Enes Pilge hat die Kita im letzten Sommer verlassen. Heute besucht er die Roda-Schule in Herzogenrath. Der Kontakt zu Margret Simons besteht weiterhin. „Mir ist der Werdegang der Kinder und ihrer Familien auch nach der Zeit in unserer Kita wichtig“, sagt sie, „schließlich haben wir gemeinsam prägende Jahre mit Höhen und Tiefen miterlebt.“

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