Gangelt-Birgden - Jahr in den USA: Austausch wird zum Teil der Identität

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Jahr in den USA: Austausch wird zum Teil der Identität

Von: Simone Thelen
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Heimatbesuch in Birgden: Silke Bischof organisiert Schüleraustausche und sucht nach Gastfamilien im Kreis Heinsberg. Foto: Simone Thelen

Gangelt-Birgden. Silke Bischof ist 15 Jahre alt, als sie ihre Koffer packt, um die weite Welt zu entdecken. Nicht, dass sie sich in ihrem Elternhaus in Birgden nicht mehr wohlgefühlt hätte. Auch das Ländliche hat sie eigentlich nie gestört. Aber dennoch war da diese Neugier auf fremde Länder, fremde Kulturen und fremde Sprachen, die sie nicht in Ruhe gelassen hat.

Die Schülerin setzt sich durch und startet in ihr erstes großes Abenteuer: ein Jahr als Austauschschülerin in den USA. Diese Erfahrung hat die heute 29-Jährige nachhaltig beeindruckt. Dem Verein „Youth for understanding“, über den ihr Austausch organisiert wurde, opfert sie noch immer fast ihre gesamte Freizeit: von der Austauschschülerin zur Organisatorin. „Der Verein hat das verdient“, meint Silke Bischof. „Ich möchte möglichst vielen jungen Menschen dabei helfen, auch eine solch einzigartige Erfahrung zu machen wie ich selbst.“

Silke Bischof lebt heute in Berlin und arbeitet im modernen Lebensmitteleinzelhandel. Ihre Eltern in Birgden besucht sie immer gerne, auch wenn der „Heimurlaub“ nur noch selten in den Terminplan passt. Herbert und Maria Bischof haben sich daran schon gewöhnt. Ihre Tochter war schon immer gerne und viel unterwegs und hat früh auf eigenen Beinen gestanden: Nach dem Abitur studiert sie Buchwissenschaften in Mainz. Nach dem Abschluss arbeitet sie ein halbes Jahr in Indien, danach wechselt sie die Branche und zieht in die Hauptstadt.

„Aber diesen ersten Schüleraustausch werde ich niemals vergessen“, erzählt Silke Bischof. „Ich war in Sugar City in Colorado, mitten auf dem Land. Mein Gastvater war Rancher, der Hof lag sieben Meilen vom nächsten 200-Seelen-Dorf entfernt. Es gab Rinder und Pferde. In der Highschool habe ich schnell Freunde gefunden, zu denen ich noch heute Kontakt habe. Natürlich auch zu meiner Gastfamilie.“ Für Silke Bischof ist der Aufenthalt in den USA ein großer Teil ihrer Identität. „Ich bin an dieser Erfahrung gewachsen!“, sagt die junge Frau. Und das merkt man ihr auch an. Sie spricht ruhig und besonnen, strahlt viel Selbstbewusstsein und auch Begeisterung aus für das, was sie tut.

Sofort nach ihrem Austausch beginnt Silke Bischof, sich für den Verein „Youth for understanding“ zu engagieren. Sie hilft mit, die ausländischen Schüler in Deutschland zu betreuen. Sie organisiert Seminare und hilft bei den üblichen Problemchen, die immer mal wieder auftauchen, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. Schließlich kommen die Austauschschüler aus der ganzen Welt, auch zum Beispiel aus Asien, Australien oder Südamerika. „Ein paar Jahre lang habe ich als Landesvertreterin Rheinland im Vorstand mitgearbeitet. Das war eine spannende Zeit, aber auch so arbeitsintensiv wie ein Nebenjob.“

Darum hat sie ihren Posten vor einiger Zeit in jüngere Hände gelegt, opfert aber noch heute ihren Urlaub, um die Mittelseminare zu betreuen. „Die sind besonders spannend. Es können viele Erfahrungen ausgetauscht werden, da die Schüler mittendrin sind in ihrem Abenteuer. Mit 35 Jungs und Mädels aus der ganzen Welt ist es immer kunterbunt und total spannend.“

Rund 500 Schüler kommen jedes Jahr mit „Youth for understanding“ nach Deutschland. Sie alle sollen früher oder später in Gastfamilien untergebracht werden, damit sie möglichst viel über das Leben in Deutschland kennen lernen. „Darum suchen wir immer nach Gastfamilien. Das kann übergangsweise für eine kurze Zeit sein, oder langfristig für das ganze Jahr.“

Auch in ihrer Heimat Birgden und im ganzen Kreis Heinsberg sucht Silke Bischof immer gerne nach Gastfamilien. Der ländliche Raum sei für die Schüler überhaupt kein Nachteil, sondern eher ein Glücksfall. „In großen Städten wie Berlin ist ohnehin alles multikulti. Da fallen die Austauschschüler gar nicht weiter auf. Aber hier auf dem Land sind sie etwas Besonderes, finden schneller Freunde und können sich auch in Vereinen integrieren. Und schließlich sollen sie ja das ‚echte Leben‘ kennen lernen.“

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